
Tech-Konzerne setzen auf Atomenergie: Warum Nuclear Power die neue Strategie für Rechenzentren ist
Dieser Artikel wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt.
Kernaussagen
- Microsoft schloss im September 2024 einen 20-jährigen Stromabnahmevertrag über 16 Milliarden US-Dollar mit Constellation Energy ab, um das stillgelegte Kernkraftwerk Three Mile Island mit 835 Megawatt Kapazität bis 2028 wieder in Betrieb zu nehmen.
- Amazon kündigte am 11. Juni 2025 einen Stromabnahmevertrag über 1,9 Gigawatt aus dem Kernkraftwerk Susquehanna in Pennsylvania bis 2042 an und plant zusätzlich Investitionen von über 20 Milliarden US-Dollar in AWS-Rechenzentrumsinfrastruktur in Pennsylvania.
- Der weltweite Strombedarf von Rechenzentren wird laut Deloitte-Analyse von 460 Terawattstunden im Jahr 2024 auf über 1.000 Terawattstunden im Jahr 2030 und 1.300 Terawattstunden im Jahr 2035 steigen.
- Google unterzeichnete mit Kairos Power den ersten US-Flottenvertrag für modulare Kleinreaktoren über bis zu 500 Megawatt Kapazität mit geplanter Lieferung ab 2030, während Meta eine Ausschreibung für 1 bis 4 Gigawatt neue Atomkraftkapazität startete.
- Die globale Pipeline für Small Modular Reactors erreichte Ende des ersten Quartals 2025 ein Volumen von 47 Gigawatt, wobei mehr als die Hälfte dieser Kapazität in den USA angesiedelt ist.
Die Technologiebranche vollzieht eine energiepolitische Kehrtwende: Atomkraft, jahrelang als Auslauftechnologie betrachtet, wird zur strategischen Infrastruktur für künstliche Intelligenz. Bis Dezember 2025 unterzeichneten die grossen US-Tech-Konzerne Verträge über mehr als 10 Gigawatt neue Atomkraftkapazität innerhalb eines einzigen Jahres. Microsoft, Amazon, Google und Meta positionieren sich als treibende Kraft hinter der Renaissance der Kernenergie.
Der Grund für diese Entwicklung liegt in den physikalischen Grenzen erneuerbarer Energien: Ein einzelnes neues KI-Rechenzentrum benötigt so viel Strom wie die Stadt Chicago. Atomkraft liefert CO₂-freie Grundlastenergie rund um die Uhr – eine Kombination, die Solar- und Windkraft nicht bieten können.
Warum Atomkraft für KI-Rechenzentren unverzichtbar wird
Der Strombedarf von Rechenzentren wächst exponentiell. Laut einer Deloitte-Analyse vom April 2025 steigt die weltweite Stromerzeugung für Rechenzentren von 460 Terawattstunden im Jahr 2024 auf über 1.000 Terawattstunden im Jahr 2030 und erreicht 1.300 Terawattstunden im Jahr 2035. Atomenergie könnte bis 2035 bis zu 10 Prozent des Strombedarfs von Rechenzentren decken.
Dieser massive Anstieg reflektiert die Anforderungen moderner KI-Systeme. Grosse Sprachmodelle und Bildgeneratoren benötigen kontinuierliche Rechenleistung, die wiederum stabile Stromversorgung voraussetzt. Erneuerbare Energien können zwar Spitzenlast abdecken, scheitern aber an der 24/7-Verfügbarkeit ohne kostspielige Speicherlösungen.
Hinzu kommen die Nachhaltigkeitsverpflichtungen der Hyperscaler: Microsoft, Amazon, Google und Meta haben sich zu CO₂-Neutralität verpflichtet. Kohle- oder Gaskraftwerke scheiden damit aus, während die verfügbare Netzkapazität für erneuerbare Energien bereits weitgehend ausgeschöpft ist.
Microsofts 16-Milliarden-Wette auf Three Mile Island
Microsoft unterzeichnete im September 2024 einen 20-jährigen Stromabnahmevertrag über 16 Milliarden US-Dollar mit Constellation Energy. Das Abkommen sieht die Wiederinbetriebnahme des 2019 stillgelegten Reaktors im Kernkraftwerk Three Mile Island in Pennsylvania vor. Die Anlage mit einer Kapazität von 835 Megawatt soll 2028 unter dem neuen Namen Crane Clean Energy Center wieder ans Netz gehen.
Microsoft sichert sich 100 Prozent der Kraftwerksleistung – eine Dimension, die bisherige Solar- und Windstrom-Verträge des Konzerns bei weitem übersteigt. Constellation hatte den Reaktor 2019 aus wirtschaftlichen Gründen abgeschaltet, da die Betriebskosten bei sinkenden Strompreisen nicht mehr zu decken waren. Microsofts langfristige Abnahmeverpflichtung bietet nun die finanzielle Sicherheit für die Reaktivierung.
Der für die Wiederinbetriebnahme vorgesehene Reaktorblock war nicht an der teilweisen Kernschmelze von 1979 beteiligt. Constellation reichte im Februar 2025 einen Antrag auf Umbenennung der Anlage ein, im März einen aktualisierten Stilllegungsbericht und zwischen April und Juni 2025 Anträge auf Aufhebung von Betriebsausnahmen. Am 25. Juni 2025 trat Pennsylvanias Gouverneur Josh Shapiro gemeinsam mit Vertretern von Constellation und Microsoft auf, um zurückkehrende Arbeitskräfte zu begrüssen.
Ein Microsoft-Manager für Energiestrategie erklärte im September 2024: „Es gibt diese wirklich ungenutzte Ressource der Kernenergie, die existiert oder die das Netz kürzlich verlassen hat, weil die Wirtschaftlichkeit sie verdrängt hat, während mehr erneuerbare Energien ans Netz kommen."
Amazons diversifizierte Atomstrategie
Amazon verfolgt einen anderen Ansatz als Microsoft: Statt auf einen einzelnen Partner zu setzen, diversifiziert der Konzern über mehrere Kernenergieprojekte. Am 11. Juni 2025 kündigte Amazon einen Stromabnahmevertrag mit Talen Energy an, der 1,9 Gigawatt aus dem Kernkraftwerk Susquehanna in Pennsylvania bis 2042 umfasst. Der Vertrag unterstützt Amazons Plan, über 20 Milliarden US-Dollar in Amazon-Web-Services-Infrastruktur in Pennsylvania zu investieren, um neue und bestehende Rechenzentren in der Region zu versorgen.
Parallel entwickelt Amazon Technologie für Small Modular Reactors (SMR) in der Nähe der Dominion-Energy-Kernkraftanlage North Anna in Virginia. Der Konzern machte diese SMR-Investitionen im Oktober 2024 öffentlich. SMR sind kleinere Reaktoreinheiten mit etwa einem Drittel der Leistung konventioneller Anlagen (250 bis 300 Megawatt gegenüber 800 Megawatt bei klassischen Reaktoren).
Google und Meta: Innovation versus Flexibilität
Google schloss mit Kairos Power den ersten US-Flottenvertrag für modulare Kleinreaktoren ab. Das Abkommen deckt bis zu 500 Megawatt SMR-Kapazität mit geplanter Lieferung ab 2030 ab. Google positioniert sich damit als Förderer experimenteller Kerntechnologie und übernimmt bewusst ein höheres technologisches Risiko als Microsoft oder Amazon.
Meta wählte einen flexibleren Ansatz: Der Konzern startete eine Ausschreibung für 1 bis 4 Gigawatt neue Atomkraftkapazität. Mit diesem Request for Proposals (RFP) hält sich Meta die Option offen, mit mehreren Anbietern zu verhandeln und verschiedene Technologien zu kombinieren.
Small Modular Reactors: Die nächste Generation
SMR gelten als Schlüsseltechnologie für die Energieversorgung von Rechenzentren. Die globale Projektpipeline für modulare Kleinreaktoren erreichte Ende des ersten Quartals 2025 ein Volumen von 47 Gigawatt, wobei laut Wood-Mackenzie-Prognosen mehr als die Hälfte dieser Kapazität in den USA liegt.
Die modulare Bauweise bietet mehrere Vorteile: kürzere Bauzeiten, geringere Investitionskosten pro Einheit und die Möglichkeit, Kapazität schrittweise zu erweitern. Allerdings zeigt sich auch eine Herausforderung: KI-Rechenzentren können bis zu 5 Gigawatt Leistung benötigen, was mehrere SMR-Einheiten oder hybride Ansätze mit konventionellen Reaktoren erfordert.
Politischer Rückenwind für die Nuklearindustrie
Die regulatorische Landschaft hat sich deutlich zugunsten der Kernenergie verschoben. Präsident Donald Trump unterzeichnete Dekrete zur Förderung der US-Atomindustrie, darunter die Vorgabe, die installierte Atomkraftkapazität bis 2050 von derzeit 100 Gigawatt auf 400 Gigawatt auszubauen und fortgeschrittene Technologien zu fördern. Die Regierung unterstützte die Wiederinbetriebnahme eines Reaktors in Michigan, der unter der Biden-Administration einen Rettungskredit über 1,5 Milliarden US-Dollar erhalten hatte.
Laut einer Barclays-Analyse vom Oktober 2025 identifizieren Regierungen weltweit Kernenergie als saubere, stabile und energiedichte Lösung. Dieser Prozess werde durch die Nachfrage der grossen Cloud-Service-Provider beschleunigt.
Vier unterschiedliche Strategien, ein Ziel
Die vier Tech-Giganten verfolgen unterschiedliche Ansätze, die ihre jeweiligen Risikoprofile widerspiegeln:
- Microsoft optimiert auf Geschwindigkeit durch Abhängigkeit von einem einzelnen Lieferanten (Constellation Energy) und verspricht Azure-Kunden schnellere Verfügbarkeit CO₂-freier Energie.
- Amazon priorisiert Zuverlässigkeit durch diversifizierte Partnerschaften und bietet AWS-Infrastruktur mit höherer Ausfallsicherheit.
- Google fokussiert auf Technologiefortschritt durch Förderung experimenteller SMR-Entwicklung, wobei Google-Cloud-Kunden das Innovationsrisiko mittragen.
- Meta setzt auf flexible Beschaffung durch wettbewerbliche Ausschreibungen und behält Optionalität über mehrere Anbieter.
Zeitliche Entwicklung der Tech-Atompolitik
Die Wende zur Atomkraft vollzog sich in mehreren Schritten: Im Mai 2023 schloss Microsoft seinen ersten öffentlich bekannten Atomvertrag mit dem Fusionsunternehmen Helion Energy ab. Im Oktober 2024 machte Amazon seine SMR-Investitionen bekannt. Anfang Mai 2025 kündigten Google und Meta ihre prominenten Atomprojekte an, gefolgt von Amazons Susquehanna-Vertrag am 11. Juni 2025. Bis Dezember 2025 waren in der Branche Verträge über mehr als 10 Gigawatt neue US-Atomkraftkapazität innerhalb eines Jahres dokumentiert.
Ausblick: Von der Nische zur Kerntechnologie
Die Entscheidungen der Tech-Konzerne verändern die Wahrnehmung der Atomenergie grundlegend. Was jahrelang als unrentable Auslauftechnologie galt, wird zur strategischen Infrastruktur für die digitale Wirtschaft. Die langfristigen Stromabnahmeverträge der Hyperscaler schaffen die finanzielle Grundlage für Reaktor-Reaktivierungen und neue Technologien wie SMR.
Gleichzeitig zeigen sich Herausforderungen: Die geplanten Inbetriebnahmen liegen Jahre in der Zukunft, während der Strombedarf bereits heute wächst. Microsofts Three Mile Island soll 2028 ans Netz gehen, Googles SMR-Flotte ab 2030. Bis dahin bleiben die Tech-Konzerne auf bestehende Netze und konventionelle Stromquellen angewiesen.
Die vier unterschiedlichen Strategien reflektieren zudem Unsicherheit über die optimale Technologie: Sollen Konzerne auf bewährte Grosskraftwerke, experimentelle SMR oder hybride Ansätze setzen? Die kommenden Jahre werden zeigen, welcher Ansatz sich als wirtschaftlich und technisch überlegen erweist.
Quellen
- Nuclear power for AI: inside the data center energy deals
- Amazon, Google, Meta and Microsoft go nuclear
- Why Microsoft And Amazon Are Turning To Nuclear Power For AI
- Why tech giants such as Microsoft, Amazon, Google and Meta are betting big on nuclear power
- Big Tech Embraces Nuclear Power to Fuel AI and Data Centers - IEEE Spectrum