Wenn Öl in nur einem Monat regelrecht durch die Decke geht, bekommen die Börsen schnell kalte Füße. Genau das ist gerade zu sehen: Der Krieg im Nahen Osten hat den Ölpreis im März auf ein Rekordhoch getrieben und die Aktienmärkte weltweit unter Druck gesetzt.
Der Kern der Nervosität ist simpel. Anleger fürchten, dass teurere Energie die Inflation weiter anheizt und zugleich das Wachstum abwürgt. Der Preis für die Nordseesorte Brent stieg im Monatsverlauf um rund 59 Prozent. Das ist der größte Anstieg seit Beginn der Aufzeichnungen. So ein Sprung ist keine normale Marktbewegung mehr, sondern ein echter Warnschuss.
Asien unter Druck, Hoffnung nur auf Zeit
Besonders deutlich zeigt sich das in Asien. Die Börsen dort steuern auf den kräftigsten Monatsverlust seit 2022 zu. Der japanische Nikkei verlor im Monatsverlauf 12,6 Prozent und lag am Dienstag zuletzt 0,1 Prozent tiefer bei 51.820 Punkten. Auffällig ist, wie schnell die Stimmung gekippt ist: Aus vorsichtiger Unsicherheit ist blanke Nervosität geworden.
Ein kleiner Hoffnungsschimmer kam aus den USA. Für etwas Entlastung sorgte ein Bericht des Wall Street Journal, wonach US-Präsident Trump bereit sei, den Militäreinsatz gegen den Iran zu beenden. Das half zumindest kurz, die ganz große Panik aus dem Markt zu nehmen. Mehr aber auch nicht.
Dollar fester, Gold gefragt
Am Devisenmarkt zeigte sich derselbe Reflex wie so oft in unruhigen Zeiten: Der Dollar legte leicht zu. Er stieg auf 159,65 Yen und 6,9049 Yuan. Der Euro trat dagegen praktisch auf der Stelle und notierte bei 1,1474 Dollar. Im Monatsverlauf gewann der Greenback rund 2,9 Prozent und steuert damit auf den stärksten Zuwachs seit acht Monaten zu. Auch das passt ins Bild: Wenn es an den Märkten rumpelt, suchen viele Anleger erst einmal Schutz.
Bei den Rohstoffen gab es am Dienstag zwar eine kleine Gegenbewegung, von Entwarnung kann aber keine Rede sein. Ein Barrel Brent verbilligte sich um 0,6 Prozent auf 112,05 Dollar, das US-Öl WTI fiel um 0,8 Prozent auf 102,08 Dollar. Nach dem wilden März wirkt das eher wie ein kurzes Luftholen. Der Goldpreis legte zugleich um 0,6 Prozent auf 4538,07 Dollar je Feinunze zu. Auch das ist ein ziemlich klares Signal: Die Nervosität sitzt tief.
Wall Street bleibt vorsichtig
An der Wall Street war das Bild am Montag ebenfalls alles andere als freundlich. Der Dow Jones schloss kaum verändert bei 45.216,14 Punkten. Der breit gefasste S&P 500 verlor 0,4 Prozent auf 6343,72 Zähler, der technologielastige Nasdaq gab 0,7 Prozent auf 20.794,64 Stellen nach. Von Kauflaune ist in so einem Umfeld wenig zu spüren.
Für den Dax zeichnet sich zum Start in den Dienstag immerhin kein Absturz ab. Der Broker IG taxierte den deutschen Leitindex rund zwei Stunden vor dem Xetra-Auftakt 0,04 Prozent höher auf 22.573 Punkte. Damit dürfte der Puffer zur Marke von 22.000 Punkten vorerst halten. Noch. Denn die eigentliche Frage bleibt, wie lange der Markt diesen Mix aus Krieg, Ölpreisschock und Inflationsangst noch halbwegs locker wegstecken kann.

