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5. März 2026

KI-Chips bis zum Anschlag: Broadcom sieht 2027 über 100 Milliarden Dollar Umsatz

Broadcom
Foto: Depositphotos.com / wolterke

Broadcom spielt im KI-Geschäft plötzlich auf ganz großer Leinwand – und zwar nicht mit vagen Andeutungen, sondern mit einer knallharten Zahl: Konzernchef Hock Tan rechnet damit, 2027 mit KI-Chips mehr als 100 Milliarden Dollar Umsatz zu schaffen. Für einen Konzern, der normalerweise brav Quartal für Quartal abliefert, ist so ein Blick drei Jahre nach vorn eine Ansage.

Hinter der Prognose steckt vor allem ein Trend, der sich kaum noch wegdiskutieren lässt: Die großen Tech-Konzerne pumpen riesige Summen in KI-Rechenzentren. Alphabet, Microsoft, Amazon und Meta dürften dieses Jahr zusammen mindestens 630 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur stecken. Wenn so viel Beton, Strom und Server bestellt werden, brauchen die Betreiber Chips, Netzwerkzeug, Speicher – und genau da sitzt Broadcom mit am Tisch.

Custom-Chips statt Nvidia-Klon

Broadcom baut nicht einfach einen Nvidia-Ersatz, der alles besser kann. Der Konzern verdient sein Geld oft damit, kundenspezifische Chips mitzuentwickeln – also Prozessoren nach Maß, die genau auf den Bedarf eines Kunden zugeschnitten sind. Beispiel: Google und dessen Tensor Processing Units, kurz TPUs. Oder OpenAI, das an eigenen Prozessoren arbeitet. Broadcom hilft dabei, aus einer frühen Idee ein echtes Chip-Layout zu machen, das dann bei Auftragsfertigern wie TSMC produziert werden kann. Übersetzt: Broadcom macht viel von der Ingenieursarbeit, die aus einem Konzept ein fertiges Stück Silizium macht.

Ein Analyst von D.A. Davidson, Gil Luria, nennt Broadcoms Ausblick sehr ermutigend. Seine Begründung: Wenn ein Unternehmen, das üblicherweise nur ein Quartal weit führt, plötzlich so klare Sicht auf 2027 behauptet, dann riecht das nach stark steigender Nachfrage.

Gigawatt als neue Währung

Die Dimensionen werden bei Broadcom inzwischen nicht mehr nur in Stückzahlen erzählt, sondern in Gigawatt – also in der Stromleistung, die KI-Hardware im Rechenzentrum schluckt. Tan sagte, Broadcom werde 2026 für das KI-Startup Anthropic TPUs im Umfang von 1 Gigawatt liefern, 2027 sollen es 3 Gigawatt werden. Für OpenAI peilt Broadcom an, den ersten KI-Chip 2027 auszuliefern und dann ebenfalls mehr als 1 Gigawatt zu liefern. Das sind keine Zahlen für den Prospekt, sondern Größenordnungen, mit denen man in der Liga der ganz großen KI-Kunden mitspielt.

Zur Einordnung: Nvidia habe zuletzt 5 Gigawatt Verkäufe an OpenAI offengelegt. AMD wiederum soll Deals von bis zu etwa 6 Gigawatt sowohl mit OpenAI als auch mit Meta abgeschlossen haben. Heißt: Broadcom versucht, bei den dicken Fischen nicht nur mitzuessen, sondern sich ein eigenes Stück vom Braten zu sichern.

Rückkaufprogramm und Prognose: Das gefiel dem Markt

Die Aktie reagierte prompt: Broadcom legte nachbörslich fast 5% zu, nachdem der Konzern zusätzlich ein neues Aktienrückkaufprogramm über bis zu 10 Milliarden Dollar bis Jahresende ankündigte. Dazu kam ein optimistischer Ausblick: Für das zweite Quartal stellt Broadcom rund 22,0 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht – über der Analystenschätzung von 20,56 Milliarden Dollar. Beim KI-Chip-Umsatz erwartet Broadcom in dem Quartal 10,7 Milliarden Dollar.

Auch die frischen Zahlen liefern Munition: Im ersten Quartal stieg der Umsatz um 29% auf 19,31 Milliarden Dollar und lag damit über den Erwartungen. Der KI-Umsatz sprang um 106% auf 8,4 Milliarden Dollar. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 2,05 Dollar und damit ebenfalls leicht über der Schätzung.

Nicht alles glänzt: Software tritt auf der Stelle

So viel Rückenwind im KI-Geschäft – ein Bereich fiel im Bericht aber deutlich ab: Broadcoms Infrastruktur-Software wuchs im ersten Quartal nur um rund 1% auf 6,80 Milliarden Dollar. Analysten hatten eher mit 2,6% Wachstum gerechnet. Übersetzt: KI zieht wie ein Düsenjet, Software läuft eher im Joggingtempo.

Nebenbei räumte Tan noch mit einem Gerücht auf: Berichte über eine Abschwächung bei Metas KI-Chipgeschäft seien falsch. Metas eigener Beschleuniger MTIA – also ein Custom-Chip, der die Abhängigkeit von externen Lieferanten reduzieren soll – sei laut Tan alive and well, Broadcom liefere bereits aus.

Ein weiterer Baustein: Broadcom hatte im Vormonat erklärt, bis 2027 mindestens 1 Million Chips auf Basis einer stacked design-Technologie verkaufen zu wollen. Das ist eine neue Produktlinie und ein Ziel, das – wenn es klappt – eine zusätzliche Erlösquelle in Milliardenhöhe werden könnte.

Entscheidend wird jetzt, ob Broadcom die großen Versprechen sauber in Lieferung und Umsatz übersetzt: 22 Milliarden Dollar Umsatz im nächsten Quartal sind das eine. Die harte Probe kommt mit den Gigawatt-Plänen für Anthropic und OpenAI – und mit der Frage, wie lange der Markt noch so gierig nach Custom-Chips bleibt, während Nvidia weiter den Ton im Accelerator-Geschäft angibt.