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27. Oktober 2025

Kaufnebenkosten und Preisverhandlung

Immobilien

Kurzfazit: Beim Immobilienkauf lauern neben dem Kaufpreis erhebliche Nebenkosten – von Grunderwerbsteuer bis Maklerprovision. Wer die Beträge kennt und geschickt verhandelt, kann schnell fünfstellige Summen sparen. Gute Vorbereitung, Marktkenntnis und kühler Kopf sind dabei entscheidender als Glück.

Warum die Nebenkosten oft unterschätzt werden

Viele Käufer konzentrieren sich ausschließlich auf den Kaufpreis der Immobilie – und erleben eine böse Überraschung, wenn sie die Gesamtsumme sehen. Denn die sogenannten Kaufnebenkosten liegen je nach Bundesland zwischen 8 und 13 % des Kaufpreises. Diese Kosten erhöhen den tatsächlichen Finanzierungsbedarf erheblich: Wer ein Haus für 400.000 € erwirbt, muss inklusive Nebenkosten oft 440.000 bis 450.000 € aufbringen – ohne dass dadurch der Wert der Immobilie steigt. Umso wichtiger ist es, jede Position genau zu kennen und bewusst zu kalkulieren.

Die wichtigsten Kaufnebenkosten im Überblick

1. Grunderwerbsteuer

Sie ist die größte Einzelposition unter den Nebenkosten. Je nach Bundesland beträgt sie zwischen 3,5 und 6,5 % des Kaufpreises. In Bayern und Sachsen liegt sie bei 3,5 %, in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg oder Schleswig-Holstein bei 6,5 %. Wichtig: Die Steuer wird auf den notariellen Kaufpreis fällig, nicht auf Inventar wie Einbauküche oder Möbel – diese können im Kaufvertrag separat ausgewiesen werden, um die Steuerlast leicht zu senken.

2. Notar- und Grundbuchkosten

Ohne Notar kein Eigentum. Er beurkundet den Kaufvertrag, erstellt die Auflassungsvormerkung und kümmert sich um die Eintragung ins Grundbuch. Die Gebühren sind gesetzlich geregelt (GNotKG) und liegen meist bei rund 1,5 % des Kaufpreises. Sie fallen sowohl für die Beurkundung als auch für Grundbucheinträge und Löschungen bestehender Grundschulden an.

3. Maklerprovision

Seit Ende 2020 gilt in Deutschland das Bestellerprinzip: Wer den Makler beauftragt, trägt mindestens die Hälfte der Provision. In der Praxis teilen sich Käufer und Verkäufer die Kosten häufig hälftig. Die Maklercourtage variiert nach Region und liegt zwischen 3 und 7,14 % (inkl. MwSt.). In Berlin, Brandenburg und Hamburg sind 7,14 % üblich, in Bayern oder Sachsen oft 3,57 %. Bei einem Kaufpreis von 400.000 € bedeutet das zwischen 12.000 und 28.500 € – ein massiver Posten, der Verhandlungsspielraum bietet.

4. Finanzierungskosten

Zusätzlich entstehen Kosten für die Eintragung von Grundschulden sowie Bearbeitungsgebühren oder Schätzkosten durch Banken. Diese variieren stark, betragen aber meist 0,5 bis 1 % des Kaufpreises. Wer mehrere Kreditangebote vergleicht, kann schnell Tausende Euro sparen. Wichtig ist, die Nebenkosten in die Gesamtrechnung einzubeziehen – auch sie müssen meist mit Eigenkapital bezahlt werden, da Banken selten 100 % des Kaufpreises finanzieren.

Praxisbeispiel: Hauskauf in Hessen für 450.000 € – Grunderwerbsteuer 6 % = 27.000 €, Notar & Grundbuch ca. 6.750 €, Makler 3,57 % = 16.000 €. Gesamtkosten: rund 500.000 €. Wer also „nur“ 450.000 € rechnet, irrt sich um 50.000 €.

Wie man bei Nebenkosten sparen kann

1. Inventar im Kaufvertrag separat ausweisen

Wird eine Immobilie mit Einbauküche, Markisen oder Möbeln verkauft, sollte deren Wert im Vertrag gesondert genannt werden. Da die Grunderwerbsteuer nur auf den Grundstücks- und Gebäudewert fällig wird, mindert dies die Bemessungsgrundlage. Beispiel: Wird eine Küche mit 10.000 € separat aufgeführt, spart man bei 6 % Grunderwerbsteuer immerhin 600 €.

2. Maklerprovision verhandeln

Auch wenn Courtagen oft als „fix“ erscheinen – sie sind verhandelbar, vor allem bei höherpreisigen Objekten oder wenn der Makler beide Seiten betreut. Ein einfacher, sachlicher Hinweis auf Vergleichsangebote oder auf den hohen Kaufpreis kann genügen, um 0,5 bis 1 Prozentpunkt Nachlass zu erzielen – bei 500.000 € sind das bis zu 5.000 € Ersparnis.

3. Notar und Grundbuchamt wählen

Die Gebühren sind gesetzlich festgelegt, aber kleinere Unterschiede entstehen durch optionale Leistungen oder Löschungen alter Grundschulden. Käufer können den Notar grundsätzlich frei wählen – es lohnt sich, ein Angebot einzuholen, vor allem wenn der Verkäufer bereits einen bevorzugten Notar vorschlägt.

4. Vergleich bei Finanzierungsnebenkosten

Nicht nur die Zinsen, auch Bearbeitungsgebühren und Gutachterkosten unterscheiden sich zwischen Banken. Ein unabhängiger Finanzierungsvermittler kann Alternativen aufzeigen. Auch KfW-Programme oder regionale Förderungen (z. B. von Landesbanken) können die Nebenkosten indirekt reduzieren, etwa durch Zuschüsse zu Tilgung oder Notargebühren.

Preisverhandlung – wo Spielraum besteht

Während viele Käufer Nebenkosten als gegeben akzeptieren, besteht beim Kaufpreis selbst oft mehr Potenzial zur Verhandlung, als man denkt. Entscheidend sind Marktkenntnis, Timing und Argumentation. Verkäufer reagieren selten auf „Rabattsätze“, aber auf sachliche Gründe: notwendige Renovierungen, Modernisierungsstau, fehlende Dokumente oder vergleichbare Verkaufspreise in der Nachbarschaft.

Der richtige Zeitpunkt

Am meisten Verhandlungsspielraum besteht, wenn das Objekt bereits länger auf dem Markt ist. Auch Jahreszeiten spielen eine Rolle: In Sommermonaten ist die Nachfrage oft niedriger, ebenso zum Jahresende. Wer vorbereitet in die Besichtigung geht – mit Finanzierungsvorabzusage und Kenntnis lokaler Preise – signalisiert Seriosität und gewinnt Vertrauen. Viele Verkäufer akzeptieren lieber einen leicht niedrigeren Preis von einem sicheren Käufer, als Wochen später mit ungewisser Finanzierung dazustehen.

Argumente, die überzeugen

  • Hinweis auf vergleichbare Angebote mit niedrigeren Preisen
  • Dokumentierte Mängel oder notwendige Sanierungen (Heizung, Dach, Elektrik)
  • Aktuelle Marktdaten, etwa sinkende Quadratmeterpreise in der Region
  • Finanzierungsbestätigung oder Eigenkapitalnachweis als Stärke im Gespräch

Die Kunst liegt darin, sachlich zu bleiben. Emotionale oder aggressive Verhandlungsversuche führen meist zum Gegenteil. Wer freundlich, aber bestimmt auftritt, hat die besten Chancen, einen fairen Preis zu erzielen – und spart schnell mehrere Tausend Euro.

Fazit

Beim Immobilienkauf sind Nebenkosten kein Nebenthema. Sie entscheiden darüber, ob der Traum vom Eigenheim finanziell tragfähig bleibt. Eine gute Vorbereitung, kluge Verhandlung und ein klarer Blick für Details helfen, Kosten zu kontrollieren und den Kaufpreis realistisch einzuordnen. Am Ende gilt: Nicht der Preis allein, sondern die Gesamtsumme zählt – und wer sie kennt, kauft mit Ruhe und Plan.

Quellen

  1. Bundesministerium der Finanzen – Grunderwerbsteuerstatistik 2025
  2. Gesetz über Kosten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (GNotKG)
  3. Verbraucherzentrale – Ratgeber Immobilienkauf, Nebenkostenrechner 2024
  4. Immobilienscout24 Marktbericht 2025 – Preisentwicklung und Kaufnebenkosten
  5. Bundesnotarkammer – Gebührenordnung und Hinweise für Käufer