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14. Januar 2026

JP Morgan verliert 1 Milliarde Gewinn – und trotzdem steckt die eigentliche Story woanders

JP Morgan
Foto: Depositphotos.com / Robson90

Eine Milliarde Dollar weniger Gewinn klingt erst mal nach Bauchlandung. Bei JP Morgan ist es eher so: Das Kerngeschäft rennt – aber ein dicker Brocken aus einem strategischen Deal liegt wie ein Sandsack auf der Bilanz. Genau diese Mischung aus „läuft“ und „aua“ macht die Zahlen gerade so aussagekräftig.

Im vierten Quartal verdiente die Bank 13 Milliarden Dollar, das sind eine Milliarde weniger als im Vorjahr, beziehungsweise 4,6 Dollar je Aktie. Der Hauptgrund ist kein Einbruch im Alltag, sondern ein Sondereffekt aus dem Apple-Kreditkartengeschäft, das JP Morgan von Goldman Sachs übernimmt. Dafür hat die Bank eine Rückstellung für Kreditverluste von 2,2 Milliarden Dollar gebildet – auf Deutsch: Geld zur Seite gelegt, weil bei Kreditkarten immer ein Teil der Kunden nicht zahlt. Das ist Vorsicht mit Preisschild.

Operativ stark – bilanziell ausgebremst

Ohne diese einmalige Belastung sähe die Story deutlich knackiger aus. Dann läge der Gewinn bei 14,7 Milliarden Dollar – getragen von einem starken Handelsgeschäft – und damit über den Erwartungen der Analysten. Auch das Investmentbanking hält sich wacker: Die Gebühren lagen bei 2,3 Milliarden Dollar nach 2,4 Milliarden im Vorjahresquartal. Keine Party, aber auch kein Kater.

Für das Gesamtjahr 2025 ergibt sich trotzdem ein Dämpfer: Der Gewinn sank um 2,6 Prozent auf 57 Milliarden Dollar. Die Aktie verlor im frühen Handel an der Wall Street gut drei Prozent. Der Markt hat also nicht lange gefackelt: Sondereffekt hin oder her – erst mal Abzug.

Politischer Stress für Kreditkarten – und Dimon bleibt misstrauisch

JP-Morgan-Chef Jamie Dimon klingt bei all dem nicht wie jemand, der jetzt den Champagner kaltstellt. Er sagt zwar, Verbraucher geben weiter Geld aus und die Unternehmen seien insgesamt gesund. Gleichzeitig warnt er vor potenziellen Risiken: geopolitische Baustellen, hartnäckige Inflation, hohe Vermögenspreise. Übersetzt: Da kann schnell was kippen, wenn draußen wieder ein neuer Brandherd aufploppt.

Und dann kommt noch Politik ins Spiel – ausgerechnet dort, wo JP Morgan gerade seine Kartenposition ausbaut. Donald Trump kündigte an, ab dem 20. Januar per Dekret eine einjährige Obergrenze von zehn Prozent für Kreditkartenzinsen einführen zu wollen. Details ließ er offen. Fachleute halten das für schwer umsetzbar, weil dafür vermutlich eine Gesetzesänderung nötig wäre – aber die Drohung sitzt trotzdem wie eine geladene Pistole auf dem Tisch.

Die Zahlen dahinter machen klar, warum: Die durchschnittlichen Kreditkartenzinsen lagen im November bei 22,3 Prozent, 2015 waren es 13,7 Prozent. Eine Deckelung auf zehn Prozent wäre für Banken nicht „ein bisschen weniger Marge“, sondern ein echter Einschnitt. Und genau deshalb ist der Apple-Deal jetzt mehr als ein hübsches Wachstumsschildchen: Er fällt in eine Zeit, in der Kreditkarten plötzlich politisch zum Prügelknaben werden.

Spannend bleibt, ob JP Morgan den Spagat schafft: Einerseits stärkt die Bank mit Apple ihre Reichweite im Kreditkartengeschäft. Andererseits droht ein Umfeld, in dem ausgerechnet dieses Geschäft unter Druck gerät – durch Regulierung, Debatten über Zinsen und ein allgemeines Risiko-Setting, das Dimon ausdrücklich nicht kleinredet. Die nächste Bewährungsprobe ist damit klar: Hält das operative Momentum, während die Politik am Zinsschraubstock dreht?