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29. Dezember 2025

Jahresendspurt 2025: S&P und Nasdaq ziehen an, Gold knackt 4.500 Dollar, DAX bleibt selektiv

Die Börse macht zum Jahresende mal wieder ihr eigenes Ding: Aktien klettern bei halbleerer Handelshalle, Gold dreht auf Anschlag – und ausgerechnet bei Sanofi funkt die FDA dazwischen. Wer da noch von „ruhigem Jahresausklang“ spricht, schaut nicht genau hin.

Wall Street: Rekorde bei dünnem Eis

In der letzten, feiertagsverkürzten Woche haben die Käufer durchgezogen: S&P 500 plus rund 2,3 Prozent, Nasdaq Composite plus 2,5 Prozent – allerdings bei typisch dünnen Umsätzen. Und genau das ist der Punkt: Wenn weniger Leute handeln, reichen kleinere Orders, um Kurse stärker zu bewegen. Das sieht nach Rückenwind aus, ist aber oft eher ein Schubs auf glatter Straße.

Diese Woche bleibt das Spielfeld ähnlich: 29., 30. und 31. Dezember 2025 sind zwar normale Handelstage, aber am Donnerstag, 1. Januar, sind die US-Märkte wegen Neujahr dicht. Viele Händler machen daraus gleich ein langes Wochenende – und dann gilt wieder: wenig Volumen, größere Ausschläge, mehr Zuckungen. Die spannende Frage lautet deshalb nicht, ob noch ein Rekord blinkt, sondern ob die Stimmung in den ersten Tagen 2026 hält oder direkt kippt.

Impulse gibt es kaum, der Kalender ist ausgedünnt. Am ehesten dürften am Mittwoch zwei Punkte ziehen: die ADP-Beschäftigungszahlen und das Protokoll der Dezember-Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed. Der Rest ist viel Psychologie – und am Jahreswechsel ist Psychologie bekanntlich ein eigener Markt.

Edelmetalle: Wenn Gold schreit, sollte man hinhören

Während Aktien sich nach oben tasten, hat Gold einen echten Knall gesetzt: Zur Wochenmitte ging es erstmals über 4.500 US-Dollar je Feinunze – neues Rekordniveau. Silber und Platin zogen ebenfalls auf Allzeithochs, Palladium sprang auf den höchsten Stand seit drei Jahren und näherte sich 2.000 Dollar je Unze. Das ist keine Randnotiz, das ist ein Warnsignal aus dem Maschinenraum: Investoren zahlen gerade gerne für „Sicherheit“.

Was treibt das? Ein Mix aus geopolitischen Spannungen, Handelsunsicherheit und der Erwartung, dass die US-Zinsen 2026 weiter sinken könnten. Übersetzt: Wenn Leute Angst vor politischen Überraschungen und wirtschaftlichen Bruchstellen haben, parken sie Geld lieber in etwas, das nicht an die Bonität eines Staates gebunden ist. Genau so wird das Narrativ bei Edelmetallen gerade erzählt – als „neutraler“ Wertspeicher, also ein Tresor ohne Staatsstempel.

Dazu kommt: Jahresende heißt oft weniger Liquidität – wieder dieses dünne Eis. Das verstärkt Bewegungen in beide Richtungen. Trotzdem ist der Trend nicht nur ein Wochenwitz: Gold liegt seit Jahresbeginn bei mehr als 70 Prozent Plus, dem stärksten Jahresgewinn seit 1979; Silber hat sogar mehr als 150 Prozent geschafft, Platin rund 160 Prozent, Palladium über 100 Prozent. Analysten nennen für Gold in sechs bis zwölf Monaten Ziele bis 5.000 Dollar, für Silber wird eine Bewegung Richtung 80 Dollar je Unze diskutiert. Klingt nach Party – kann aber genauso gut heißen: Wer zu spät kommt, kauft am teuersten Punkt, wenn die Stimmung dreht.

Sanofi: FDA drückt den Pauseknopf

Bei Sanofi ist die Lage weniger romantisch, dafür eindeutig: Die FDA hat im Zulassungsverfahren für Tolebrutinib (für nicht schubförmige sekundär progrediente Multiple Sklerose bei Erwachsenen) ein „Complete Response Letter“ geschickt. Das bedeutet: Das aktuelle Prüfverfahren ist erst mal beendet – ohne Zulassung. Die Behörde sagt sinngemäß: Da sind noch Punkte offen, die müssen geklärt werden, bevor es weitergeht.

Sanofi hatte Mitte Dezember bereits angedeutet, dass sich die Entscheidung über das ursprünglich erwartete Ende Dezember 2025 hinausziehen könnte. Jetzt ist das faktisch passiert. Weitere Hinweise der FDA erwartet der Konzern bis Ende des ersten Quartals 2026. Zusätzlich hat Sanofi ein Protokoll für einen erweiterten Zugang eingereicht – sprich: betroffene Patienten sollen unter bestimmten Bedingungen trotzdem an den Wirkstoff kommen können, während das Verfahren weiterläuft.

Interessant ist der Kontrast zur Vorgeschichte: Tolebrutinib hatte von der FDA den Status „Breakthrough Therapy“ bekommen – ein Label für Kandidaten, die einen ungedeckten medizinischen Bedarf adressieren könnten. Dass es nun trotzdem stockt, ist für Anleger ein klarer Dämpfer. International läuft das Projekt weiter: In den Vereinigten Arabischen Emiraten gab es im Juli 2025 eine vorläufige Zulassung, und in der EU sowie anderen Ländern sind die Verfahren weiterhin in Arbeit. Parallel prüft Sanofi per Werthaltigkeitstest den immateriellen Wert des Projekts; Abschluss mit den Q4- und Jahreszahlen 2025 im Januar 2026, ohne Effekt auf operatives Nettoergebnis oder Gewinn je Aktie, die Prognose 2025 bleibt unverändert. Nur: Für den Kurs zählt am Ende nicht, ob die Bilanz das aushält – sondern wie schnell die FDA wieder „Go“ sagt.

DAX: Der Index glänzt, die Wahrheit steckt in den Einzeltiteln

Der DAX geht mit rund 20 Prozent Plus aus 2025 – und das trotz schwacher Konjunktur in Europa, China und teilweise auch den USA, trotz Handelsstreit, Ukrainekrieg, Inflationssorgen und hoher Staatsschulden. Genau deshalb wirkt der Anstieg auf viele wie eine Luftnummer. Der Haken: Der Index erzählt nur die halbe Geschichte. Im DAX driften Gewinner und Verlierer stark auseinander – und diese Spreizung dürfte 2026 das eigentliche Spiel werden.

Auf der Gewinnerseite stechen wenige Trendwerte heraus. Allianz profitiert vom höheren Zinsniveau und einer starken operativen Entwicklung, Heidelberg Materials vom Infrastrukturbedarf und einem stabilen US-Geschäft, Siemens von robusten Signalen aus dem Digitalbereich. Siemens Energy ist der Sonderfall: operativ verbessert, aber nach der extremen Rally hoch bewertet – da reicht ein schlechter Tag, und die Korrektur ist schneller da, als man „Gewinnmitnahme“ sagen kann. Auch die Deutsche Bank hat sich weit nach oben gearbeitet; 2026 muss sie zeigen, ob der Gewinnschub mehr ist als ein Zwischenhoch.

Daneben gibt es die Überflieger, die nach Rücksetzern wieder interessant wirken können – aber nur für Anleger mit starken Nerven. Rheinmetall bleibt der Extremwert: seit Beginn des Ukrainekriegs explodiert, entsprechend ambitioniert bewertet und headline-getrieben. SAP kämpft nach der Korrektur mit einer einfachen, aber harten Frage: Wie behauptet sich der Konzern im KI-Zeitalter, während die Gewinnerwartungen steigen? Airbus und MTU profitieren von vollen Auftragsbüchern, Versicherer wie Münchener Rück und Hannover Rück haben die Zinswende als Rückenwind. Und bei der Deutschen Börse drücken zeitweise Zinsbewegungen und ein Kartellverfahren, auch wenn das breite Börsen- und Datengeschäft fundamental trägt.

Im Mittelfeld stehen 2026-Wetten, bei denen die Richtung noch nicht entschieden ist: Infineon wartet auf klarere Nachfrage aus Auto- und Energietechnik, Qiagen auf neue Dynamik nach der Post-Corona-Delle. Adidas hat 2025 deutlich verloren, könnte aber mit den Sport-Großereignissen 2026 wieder Schub bekommen. Daimler Truck bleibt konjunktursensibel, Siemens Healthineers kämpft mit Abspaltungs- und Zollthemen. Und unten stehen die klassischen Wende-Kandidaten wie Volkswagen, BASF, Henkel, Brenntag, Merck, Vonovia oder Zalando: billig bewertet, aber abhängig von Konjunktur, Zinsen und echtem Fortschritt beim Umbau. Das ist die Lage: 2026 wird weniger ein DAX-Jahr – und mehr ein Jahr, in dem Einzeltitel gnadenlos zeigen, ob hinter der Story Substanz steckt.