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20. Februar 2026

Infineon knackt 60 Milliarden – und plötzlich geht’s nicht mehr ums Auto

Infineon
Foto: depositphotos.com / MichaelVi

Wer Infineon jahrelang vor allem als Zulieferer fürs Auto-Regal abgespeichert hatte, bekommt gerade ein Update: Der Dax-Konzern ist an der Börse inzwischen gut 60 Milliarden Euro wert – so viel wie noch nie.

Finanzvorstand Sven Schneider sprach am Rande der Hauptversammlung am Donnerstag von einem neuen Rekord. Und der kommt nicht aus der Autosparte, sondern aus einem Feld, das gerade alles anzieht, was nach Wachstum riecht: KI-Rechenzentren.

KI braucht Strom – Infineon liefert die Technik fürs „Nicht-Abfackeln“

Der Kurs hat in den vergangenen Wochen ordentlich angezogen. Seit Jahresbeginn stehen die Papiere gut ein Fünftel höher und notieren aktuell bei etwa 46 Euro. Das ist das höchste Niveau seit mehr als 20 Jahren. Zum Vergleich: Der Dax kommt im selben Zeitraum nur auf rund zwei Prozent Plus. Das ist mehr als eine Randnotiz – der Markt setzt hier gerade ziemlich klar seine Chips.

Der Auslöser ist das boomende Geschäft mit Chips für die Stromversorgung von KI-Rechenzentren. Konkret geht’s um „Leistungshalbleiter“ – klingt sperrig, ist aber simpel: Das sind Bauteile, die Strom in die richtige Form bringen, damit in Rechenzentren nicht Energie verpufft, sondern Leistung ankommt. Hanebeck bekräftigte: Im laufenden Geschäftsjahr (Ende: 30. September) soll der Umsatz damit auf 1,5 Milliarden Euro steigen und sich damit mehr als verdoppeln. Nächstes Geschäftsjahr sollen es 2,5 Milliarden Euro werden – das entspräche etwa 17 Prozent des derzeitigen Jahresumsatzes.

Auftragsflut? Dann muss mehr Kapazität her

Hanebeck rechnet damit, dass die Nachfrage in dem Bereich weiter hoch bleibt. Den Markt, der für Infineon dabei überhaupt infrage kommt, bezifferte er auf acht bis zwölf Milliarden Euro. Die entscheidende Frage lautet nun: Schafft es der Konzern, dieses Tempo zu bedienen, ohne dass es hinten raus hakt?

Genau dafür baut Infineon gerade groß aus. In Dresden entsteht für fünf Milliarden Euro ein neues Werk, um die zusätzliche Nachfrage abzufedern. Offiziell eröffnet werden soll es am 2. Juli. Hanebeck sagte dazu sinngemäß: Das Team drückt aufs Gas, der Bau liege sogar vor Plan. Das klingt nach Rückenwind – und gleichzeitig nach Erwartungsdruck, denn wer mit KI-Wachstum wirbt, darf sich bei der Lieferfähigkeit keine Blöße geben.

Die Analysten der US-Investmentbank Jefferies sehen Infineon als größten Gewinner des Booms bei Leistungshalbleitern für KI-Rechenzentren. Ihre Begründung: technologische Stärke, breites Portfolio, Kapazitätsausbau und eine etablierte Position bei wichtigen Kunden. Übersetzt: Infineon hat nicht nur ein Produkt, sondern gleich eine ganze Werkzeugkiste – und steht bei den Abnehmern schon auf der Liste.

Verträge bis 2032 – und das Auto-Geschäft bleibt ein Klotz am Bein

Kurz vor Beginn der Hauptversammlung hat der Aufsichtsrat außerdem die Verträge von Hanebeck und Schneider vorzeitig verlängert. Hanebecks neue Amtszeit läuft bis Ende März 2032, die von Schneider bis April 2032. Die bisherigen Verträge wären im Frühjahr 2027 ausgelaufen. Aufsichtsratschef Herbert Diess begründete den Schritt damit, dass Infineon in sehr guten Händen sei und man früh Klarheit über die Ausrichtung schaffen wolle. Man kann es auch so lesen: Der Konzern will Stabilität an der Spitze – weil die Phase, die jetzt kommt, kein Selbstläufer wird.

Denn die Lage ist zweigeteilt. Infineon leidet seit Längerem unter einer schwächelnden Nachfrage in der Autosparte, die Halbleiter für Fahrzeugelektronik fertigt – und die ist weiterhin der wichtigste Umsatzbringer. Das KI-Geschäft gleicht den Druck zwar aus, aber Anleger sollten im Blick behalten: Wenn der Kernbereich schwächelt, muss das neue Wachstum schon richtig liefern. Schneider erwartet im laufenden Geschäftsjahr deshalb moderat steigenden Umsatz – also kein Feuerwerk, eher solider Vortrieb.

Als nächstes Wachstumsfeld wirft Hanebeck humanoide Roboter in den Ring. Humanoid heißt: Maschinen, die aussehen und sich bewegen wie Menschen – keine Industrieroboterarme, sondern Laufroboter. Der Punkt für Infineon: Viele Chips ließen sich dort ohne große Änderungen einsetzen. Das Umsatzpotenzial bezifferte Hanebeck auf rund 500 Dollar pro Roboter. Seine These: Hier entsteht in den nächsten Jahren ein Milliardenmarkt. Ob daraus mehr wird als ein schönes Zukunftsbild, hängt am Ende an zwei Dingen: ob die KI-Rechenzentren weiter so aggressiv ausgebaut werden – und ob Infineon seine Fabrik- und Lieferpläne ohne Stolpern auf die Straße bringt.