Künstliche Intelligenz steigt auf, Menschen steigen aus – bei HP wird dieser Satz gerade bittere Realität. Der PC- und Druckerkonzern setzt den Rotstift an und streicht bis zu 6000 Stellen. Offiziell heißt das „Effizienzprogramm mit KI-Fokus“. Übersetzt: Die Software soll mehr übernehmen, damit weniger Köpfe auf der Gehaltsliste stehen.
KI rein, Mitarbeiter raus
Die Eckdaten haben es in sich: Zwischen 4000 und 6000 Jobs sollen weltweit weg, also grob 7 bis 10 Prozent der Belegschaft. Der Prozess zieht sich bis spätestens 2028 hin. Betroffen sind vor allem Produktentwicklung, Verwaltung und Kundendienst – genau die Bereiche, in denen sich Abläufe mit Algorithmen gut standardisieren lassen. Alles, was sich in klare Schritte packen lässt, steht auf der Abschussliste.
Billig wird die Operation nicht. Rund 650 Millionen Dollar legt HP für Abfindungen und Umbaukosten auf den Tisch. Dafür verspricht das Management Einsparungen von etwa einer Milliarde Dollar in den nächsten Jahren. Die Botschaft ist klar: Heute tut es weh, später soll es sich in der Gewinn- und Verlustrechnung „rechnen“.
Dass HP so etwas kann, hat der Konzern schon mehrfach gezeigt. Sparrunden mit Tausenden Betroffenen gehören seit Jahren fast schon zum Geschäftsmodell. Neu ist, dass diesmal die KI als offizielles Feigenblatt dient. Wo früher von „Verschlankung“ und „Fokussierung“ die Rede war, heißt es nun: Die Zukunft liege in automatisierten Prozessen.
Geschäft läuft, aber der Ausblick drückt
Spannend ist der Zeitpunkt. Operativ steht HP keineswegs am Abgrund. Im jüngsten Quartal legte der Umsatz um rund vier Prozent auf etwa 14,6 Milliarden Dollar zu. Die PC-Sparte lieferte sogar ein Plus von gut acht Prozent, unter anderem dank der neuen KI-PCs – also Laptops und Desktops mit Extra-Chip für KI-Anwendungen direkt auf dem Gerät. Kurz gesagt: Der Laden verkauft, was er baut.
Trotzdem rutschte der Quartalsgewinn auf rund 800 Millionen Dollar ab, etwa zwölf Prozent weniger als im Vorjahr. Wirklich schlechte Laune an der Börse machte aber die Prognose für das kommende Geschäftsjahr: 2,90 bis 3,20 Dollar Gewinn je Aktie stellt das Management in Aussicht. Der Markt hatte mehr erwartet. Die Quittung kam prompt, die Aktie gab nachbörslich um rund fünf Prozent nach.
Große KI-Versprechen, klassische Risiken
HP versucht, die KI-Welle doppelt zu reiten. Intern sollen Backoffice, Buchhaltung, Service und Co. per Software auf Tempo gebracht werden. Aus Sicht des Konzerns bedeutet das: weniger menschliche Fehler, weniger Personal, mehr Marge. Aus Sicht der Beschäftigten heißt es: Der Algorithmus wird zum Kollegen, der nicht müde wird und keine Gehaltserhöhung will.
Parallel setzt HP im Produktgeschäft offensiv auf AI-PCs. Die Hoffnung: Ein neuer Hardware-Zyklus, weil Unternehmen und Privatkunden ihre alten Rechner gegen „KI-fähige“ Geräte tauschen. Wer schon ein paar Jahre im Tech-Sektor unterwegs ist, kennt dieses Spiel. Erst waren es „Multimedia-PCs“, dann „Ultrabooks“, jetzt eben „AI-PCs“. Manchmal steckt wirklich ein neuer Trend dahinter, manchmal nur Marketing mit anderem Etikett.
Value-Story mit Stolperfallen
Aus Anlegersicht ist HP derzeit alles andere als eine gehypte Tech-Rakete. Die Aktie dümpelt um die 24 Dollar, das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt in etwa bei neun. Das schreit nicht nach Fantasie, sondern nach nüchternem Turnaround-Case: Solider Cashflow, schmale Bewertung, dazu ein Sparprogramm mit dicker Zahl – eine Milliarde Dollar Einsparungen – und viel KI-Geraune als Beilage.
Klingt verlockend, hat aber Haken. Langgezogene Restrukturierungen fressen oft die eigenen Effizienzgewinne wieder auf. Wenn wichtige Leute gehen, Projekte ins Stocken geraten und intern mehr mit Umbau als mit Kunden beschäftigt wird, leidet am Ende das Geschäft. Dazu kommt die Abhängigkeit von einem schwankungsanfälligen PC- und Druckermarkt. Wenn der große AI-PC-Boom kleiner ausfällt als erhofft, verpuffen viele Versprechen.
Obendrauf droht Ärger auf anderer Ebene: HP wird zum Symbol für KI als Jobkiller. Das dürfte Gewerkschaften, Politik und Regulierer auf den Plan rufen. Mehr Auflagen, mehr Berichtspflichten, mehr Debatten – angenehm ist das für einen Massenhersteller nicht.
Unterm Strich stellt sich für Anleger eine klare Frage: Wird aus dem KI-Umbau ein echter Margen-Turbo oder doch nur die nächste Sparrunde mit neuem Etikett? Die kommenden Quartale werden zeigen, ob HP Zahlen liefert – oder ob der Konzern am Ende nur beweist, wie schmerzhaft es sein kann, wenn die schöne neue KI-Welt mit voller Wucht auf die alte Arbeitswelt prallt.

