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9. Dezember 2025

Höchster Stand seit über zehn Jahren: Warum 23.900 Firmen 2025 aufgeben mussten

Deutschland

Deutschlands Firmen kriegen die Krise inzwischen knallhart zu spüren: Die Zahl der Pleiten ist 2025 auf den höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren geklettert – und vor allem der Mittelstand steht unter massivem Beschuss.

Creditreform-Zahlen: Wenn der Mittelstand ins Wanken gerät

Hohe Energiekosten, zähe Handelskonflikte, Bürokratie ohne Ende, politischer Zickzackkurs und Verbraucher, die den Geldbeutel lieber zulassen – diese Mischung drückt die deutsche Wirtschaft seit Monaten nach unten. Wie heftig das inzwischen durchschlägt, zeigt eine neue Auswertung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform.

Demnach mussten im Jahr 2025 23.900 Unternehmen in Deutschland Insolvenz anmelden – ein Plus von 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit liegt die Zahl der Firmenpleiten so hoch wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr. Einziger kleiner Trost: Der Anstieg fällt nicht mehr ganz so steil aus wie in den beiden Jahren zuvor.

„Viele Betriebe sind hoch verschuldet, kommen schwer an neue Kredite und kämpfen mit strukturellen Belastungen wie Energiepreisen oder Regulierung“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform. Vor allem der Mittelstand stehe damit „unter massivem Druck“ – diese Gemengelage „bricht auch vielen Betrieben das Genick“.

Wo es besonders kracht

Eine Firmenpleite ist nie nur ein Eintrag im Handelsregister, sondern reißt regelmäßig Mitarbeiter und Gläubiger mit. Laut Schätzungen waren rund 285.000 Arbeitnehmer im Jahr 2025 von Unternehmensinsolvenzen betroffen – also Menschen, deren Job unmittelbar an einem insolventen Betrieb hing. Dieser Wert liegt nur knapp unter dem Vorjahresniveau.

Auch finanziell hinterlassen die Pleiten eine breite Schneise: Für 2025 beziffert Creditreform die voraussichtliche Schadenssumme auf etwa 57 Milliarden Euro. Das umfasst vor allem ausfallgefährdete Forderungen von Lieferanten, Banken, Vermietern und anderen Gläubigern. Pro Insolvenzfall stehen im Schnitt mehr als zwei Millionen Euro im Feuer – ein ordentlicher Schlag ins Kontor für alle, die mit den betroffenen Firmen Geschäfte gemacht haben.

Industrie und Handel erwischt es besonders heftig

Grundsätzlich legen die Insolvenzzahlen in allen großen Wirtschaftsbereichen zu. Ein flächendeckendes Problem also – aber mit klaren Schwerpunkten:

  • Verarbeitendes Gewerbe: plus 10,3 Prozent
  • Handel: plus 10,4 Prozent

Gerade im Handel reiht sich ein bekannter Name an den nächsten. Zuletzt haben unter anderem der Schuhhändler Görtz, der Modeanbieter Gerry Weber und der Herrenausstatter Wormland Insolvenz beantragt. Die Modemarke Esprit hat in diesem Jahr im Zuge der Pleite alle verbliebenen Geschäfte dichtgemacht. Der Dekohändler Depot und der Discounter Kodi haben ihre Filialnetze deutlich zusammengestrichen.

Im Baugewerbe fällt der Anstieg etwas moderater aus: Hier legten die Fallzahlen um 4,7 Prozent zu. Auch im Dienstleistungssektor stiegen die Insolvenzen, aber ebenfalls weniger rasant als in Industrie und Handel.

Hochrisikobranchen: Von Abriss bis Wachschutz

Der Blick unter die Haube zeigt, wo es derzeit besonders brenzlig ist. Schaut man nicht nur auf die großen Branchenblöcke, sondern auf Teilsegmente, werden eigentliche Problemzonen sichtbar.

Zu den Bereichen mit dem höchsten Anteil insolvenzgefährdeter Unternehmen zählen laut Creditreform innerhalb der Bauindustrie vor allem:

  • Abbrucharbeiten
  • Kabel- und Leitungsbau im Tiefbau

Deutlich unter Druck stehen außerdem viele private Wach- und Sicherheitsdienste sowie Post-, Kurier- und Expressdienste. In diesen Segmenten ist der Wettbewerb hart, die Margen sind oft dünn – wenn dann Kosten steigen und Aufträge wegbleiben, reicht ein kleiner Stoß, damit der Laden ins Wanken gerät.

In nahezu allen Branchen hat es 2025 prominente Pleitefälle gegeben. Rastert man die Firmen nach ihrer Mitarbeiterzahl, fällt besonders der Gesundheits- und Sozialsektor ins Auge. Unter den „Top 10“ der größten Insolvenzen finden sich etwa:

  • Argentum Pflege Holding
  • DRK Krankenhausgesellschaft Rheinland-Pfalz
  • Erzgebirgsklinikum
  • Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Wesel

Größter Fall des Jahres: Die Hammer-Märkte

Die größte Insolvenz des Jahres, gemessen an der Zahl der Beschäftigten, ist das Eigenverwaltungsverfahren der auf Raumausstattung und Heimtextilien spezialisierten Fachmarktkette Hammer.

Der Mutterkonzern, die Brüder Schlau Gruppe, hatte im Juni 2025 Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Im Herbst wurde bekannt, dass die Gruppe abgewickelt wird, während die Hammer-Märkte an einen neuen Eigentümer gehen sollen. Zum Konzern gehörten neben den Hammer-Fachmärkten auch zahlreiche Handwerkermärkte – die meisten davon werden geschlossen.

Insgesamt beschäftigte der Handelsverbund rund 4600 Mitarbeiter, davon etwa 3400 in den Hammer-Fachmärkten. Für viele Betroffene bedeutet die Restrukturierung: Ungewissheit, Standortschließungen, zum Teil Jobverlust.

Blick nach vorn: 2026 startet vermutlich mit mehr Pleiten

Und wie geht es weiter? Entwarnung gibt es vorerst nicht. Steffen Müller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) rechnet damit, dass die Insolvenzzahlen zumindest im Januar 2026 noch einmal zulegen werden. Er beschreibt derzeit zwei gegenläufige Kräfte, die das Insolvenzgeschehen prägen.

Auf der einen Seite steht die anhaltende wirtschaftliche Schwäche: Firmen kämpfen mit schwacher Nachfrage, hohen Kosten und Unsicherheit. Auf der anderen Seite laufen Sondereffekte aus der Pandemie und der extremen Niedrigzinsphase aus – also Puffer, die viele Betriebe bislang künstlich über Wasser gehalten haben.

Diese Stützen verschwinden nun Stück für Stück, während die Konjunktur weiter schwächelt. Für etliche ohnehin angeschlagene Unternehmen könnte genau diese Kombination am Ende zu viel sein – und dann bricht ihnen tatsächlich das sprichwörtliche Genick.