Der Krieg im Nahen Osten frisst sich bei Hapag-Lloyd inzwischen direkt in die Bilanz. Deutschlands größte Containerreederei hält für 2026 operativ sogar ein deutliches Minus für möglich. Beim Ebit, also dem Ergebnis vor Zinsen und Steuern, reicht die Prognose nun von minus 1,3 bis plus 0,4 Milliarden Euro. Das ist eine gewaltige Spanne – und sie zeigt, wie nervös die Lage inzwischen ist.
Der Konzern selbst nennt dafür zwei Hauptgründe: extrem schwankende Frachtraten und den Konflikt im Nahen Osten. Beides zusammen ist für eine Reederei brandgefährlich. Denn wenn wichtige Routen wackeln und die Kosten gleichzeitig hochschießen, wird aus einem eigentlich planbaren Geschäft schnell ein ziemlicher Ritt auf der Rasierklinge.
Zahlen brechen ein, Dividende schrumpft
Dass das keine theoretische Gefahr ist, zeigen schon die Zahlen für das vergangene Jahr. 2025 sackte das Ebit der weltweit fünftgrößten Containerreederei um gut 63 Prozent auf 950 Millionen Euro ab. Unter dem Strich blieb ein Konzernergebnis von 924 Millionen Euro übrig, nach knapp 2,4 Milliarden Euro im Vorjahr. Anders gesagt: Hapag-Lloyd verdient noch Geld, aber längst nicht mehr in der Liga, an die sich Anleger in besseren Zeiten gewöhnt hatten.
Konzernchef Rolf Habben Jansen machte bei der Vorlage der endgültigen Bilanz für 2025 klar, wo der Schuh drückt. Zu Jahresbeginn hätten schon ungünstige Wetterbedingungen das Geschäft belastet. Dazu komme nun der Konflikt im Nahen Osten, der das Netzwerk erheblich störe und die operativen Kosten deutlich nach oben treibe. Das klingt nüchtern – ist in Wahrheit aber eine ziemlich unschöne Gemengelage.
Sechs Schiffe sitzen fest
Besonders heikel ist der Blick auf die aktuelle Lage im Persischen Golf. Dort sitzen nach Unternehmensangaben sechs Schiffe von Hapag-Lloyd mit 150 Mitarbeitern an Bord fest. Die Krise in der Straße von Hormus verursacht für den Konzern wöchentliche Mehrkosten von 40 bis 50 Millionen Dollar. Das ist kein kleiner Kratzer im Lack, das ist ein echter Kostenhammer.
Für die Aktionäre wird die Sache ebenfalls ungemütlicher. Ihnen soll auf der Hauptversammlung nur noch eine Dividende von 3,00 Euro je Aktie vorgeschlagen werden. Im vergangenen Jahr waren es noch 8,20 Euro. Die Botschaft dahinter ist eindeutig: Der Konzern hält sein Geld lieber zusammen, weil die Zeiten rauer geworden sind.
Sparen gegen den Krisendruck
Ganz ohne Gegenmittel will Hapag-Lloyd die Entwicklung allerdings nicht hinnehmen. Habben Jansen stellte steigende Synergien aus dem Netzwerk mit der dänischen Reederei Maersk in Aussicht. Synergien heißt in diesem Fall vereinfacht: Zusammenarbeit soll Abläufe effizienter machen und Kosten drücken. Zusätzlich soll im Konzern stärker gespart werden. Das ist nachvollziehbar – nur löst Sparen allein eben kein geopolitisches Problem.
Genau darin liegt der Knackpunkt. Einerseits versucht Hapag-Lloyd, das eigene Geschäft robuster aufzustellen. Andererseits trifft der Konzern gerade ein Konflikt, den er selbst nicht kontrollieren kann. Für Anleger ist das ein Warnsignal. Die nächsten Monate dürften zeigen, ob das Unternehmen den externen Schock abfedern kann – oder ob aus der ohnehin düsteren Prognose am Ende die noch unangenehmere Variante wird.

