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25. November 2025

Goldblase oder Einstiegschance: Diese Zahlen sprechen gegen den großen Knall

Foto: depositphotos.com

Gold hat geliefert – und wie. Seit März 2024 ist der Preis um 120 Prozent nach oben geschossen, am 20. Oktober lag die Feinunze bei 4381,52 Dollar. Danach der schnelle Dämpfer: minus gut elf Prozent in einer Woche. Inzwischen steht Gold wieder knapp über 4000 Dollar. Das sieht nach Achterbahn aus – aber nicht nach dem letzten Höhenrausch vor dem Absturz.

Keine Blase, eher zähe Hausse

Wer echte Blasen kennt, weiß: Die laufen wie ein Fahrstuhl, der nur nach oben fährt – ohne Pausen, ohne Durchatmen. Beim Gold ist es anders. Seit März 2024 wurde der Aufwärtstrend gleich dreimal über mehrere Monate unterbrochen. Das ist eher eine zähe Hausse – also ein länger anhaltender Aufwärtstrend – als eine hysterische Blow-off-Phase, in der alle durchdrehen.

Noch etwas fällt auf: In den meisten Depots spielt Gold trotz des Preissprungs nur Nebenrolle. Laut Bank of America halten institutionelle Investoren gerade einmal 2,4 Prozent ihres Vermögens in Gold, Privatanleger mickrige 0,5 Prozent. Vor dem Platzen der Goldblase 1980 lagen die Quoten bei zehn bis 15 Prozent. Von einer Massenflucht ins sichere Metall ist das weit entfernt.

Je reicher der Kunde, desto größer der Goldhaufen – so berichten es Leute aus dem Private Wealth Management einer US-Großbank. Die Superreichen sind also schon deutlich engagierter als der Rest. Das ist ein Signal, das viele Anleger noch nicht auf dem Schirm haben.

Minenaktien: Hebel mit Wucht – aber ohne Größenwahn

Wenn irgendwo Übertreibung zu erwarten wäre, dann bei Goldminenaktien. Doch auch hier passen die Zahlen nicht zum Endstadium einer Blase. Der Nyse Arca Gold Bugs, ein Index mit Goldförderern, die sich nicht gegen fallende Preise absichern, ist seit März 2024 etwa doppelt so stark gestiegen wie Gold selbst. Klingt heftig, startete aber von einem historisch niedrigen Niveau. Von irrwitzigen Bewertungen ist man noch ein Stück entfernt.

Die Mechanik dahinter ist simpel: Steigt der Goldpreis, verdienen Minen doppelt – an höheren Verkaufspreisen und am steigenden Wert ihrer Goldreserven im Boden. Genau dieser Hebel macht die Papiere so explosiv. Nur: Dieser Hebel funktioniert auch nach unten. Bricht Gold weg, gibt es bei Minenaktien die Schelle in XXL.

Alamos Gold: Dicke Marge, kein Witzkurs

Ein Beispiel dafür, dass Minen noch nicht abgehoben sind, liefert Alamos Gold. Der mittelgroße Produzent will in diesem Jahr rund 570.000 Unzen Gold aus drei Minen holen, zwei in der kanadischen Provinz Ontario, eine in Mexiko. Die reinen Förderkosten liegen bei etwa 1000 Dollar je Unze. Rechnet man Erhalt, Exploration und Verwaltung dazu, steigt der Betrag auf rund 1425 Dollar. Mit Kapitalkosten – also Ausgaben für neue Minen und Erweiterungen – landen die Gesamtkosten knapp unter 2000 Dollar je Unze.

Bei einem durchschnittlichen Verkaufspreis von rund 4000 Dollar im Schlussquartal bleiben pro Unze etwa 2000 Dollar hängen, im Jahresschnitt 1300 bis 1400 Dollar. Solange der Goldpreis nicht komplett einknickt, sollen sich die freien Mittelzuflüsse im nächsten Jahr auf gut 900 Millionen Dollar mehr als verdoppeln. Das entspricht einer Free-Cashflow-Rendite von knapp sieben Prozent – also Rendite gemessen am freien Geldzufluss, nicht am buchhalterischen Gewinn. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei moderaten 13. Das sieht eher nach solide als nach Größenwahn aus.

Verzichtet das Management auf große Aktienrückkäufe, könnten die Nettobarmittel im Jahresverlauf 2016 von aktuell rund 240 Millionen Dollar auf über eine Milliarde Dollar steigen. Parallel dazu hat Alamos in sechs Jahren seine wirtschaftlich abbaubaren Reserven um 45 Prozent auf 14,1 Millionen Unzen erhöht. Durch Erweiterungen bestehender Minen und zwei neue Projekte in der Bauphase könnte die Jahresproduktion bis zum Ende des Jahrzehnts auf über 900.000 Unzen wachsen.

Viel Zunder, aber noch keine Goldmanie

Unterm Strich prallen zwei Welten aufeinander: Rekordpreise, fette Margen, Minenbetreiber mit pralleren Kassen als seit Jahren – aber Depots, in denen Gold nach wie vor Statist ist, und Minenbewertungen, die eher Einstieg als Ausstieg schreien. Wer hier sofort Blase ruft, blendet diese Spannungen aus. Wer alles rosarot sieht, genauso.

Entscheidend wird, ob die aktuelle Verschnaufpause zur größeren Korrektur wird – oder zum Sprungbrett für den nächsten Schub. Die kommenden Monate zeigen, ob Gold tatsächlich in eine längere Haussephase eintritt oder ob der Markt gerade seine letzte große Chance zum Kassemachen ausspielt. Spannend bleibt vor allem, ob der breite Anlegermarkt den Superreichen hinterherläuft – oder bewusst draußen bleibt und zuschaut, wie andere das Risiko tragen.