Wenn zwei Rohstoff-Giganten plötzlich offiziell bestätigen, dass sie miteinander reden, ist das meist kein Kaffeekränzchen: Glencore und Rio Tinto prüfen eine Fusion, die die Branche einmal kräftig durchschütteln könnte – bis hin zum weltgrößten Bergbaukonzern mit rund 207 Milliarden Dollar Börsenwert.
Auslöser ist ein Gesprächsfaden, der inzwischen so dick geworden ist, dass beide Seiten ihn am späten Donnerstagabend selbst öffentlich gemacht haben. Es geht laut den Firmen um eine mögliche Zusammenlegung „einiger oder aller“ Geschäftsbereiche – also entweder ein Deal in Teilen oder gleich die ganz große Nummer. (Symbolbild für die Ambitionen: eine Kupfermine von Glencore.)
Übernahme per Aktientausch – klingt technisch, ist simpel
Eine Variante, die im Raum steht: Rio Tinto schluckt Glencore – bezahlt wird nicht bar, sondern über einen Aktientausch. Heißt: Glencore-Aktionäre würden Rio-Aktien bekommen, statt Geld aufs Konto. Ob daraus am Ende wirklich ein Vertrag wird, ist komplett offen. Sicher ist nur: Es wäre der zweite Anlauf innerhalb von gut einem Jahr.
Schon Ende 2024 hatte Glencore bei Rio Tinto angeklopft, ohne Ergebnis. Einem Insider zufolge wurden die Gespräche Ende 2025 wieder aufgenommen – und seitdem hat sich bei Rio Tinto einiges verschoben.
Neuer Chef, neuer Kurs – und Kupfer als gemeinsamer Magnet
Rio Tinto wird seit August von Simon Trott geführt. Der neue Vorstandschef will den Konzern schlanker machen und sich von weniger wichtigen Vermögenswerten trennen – sprich: Ballast abwerfen, damit der Laden fokussierter läuft. Dazu passt, dass beide Konzerne ihren Blick stärker auf Kupfer richten, das in der Industrie als Schlüsselrohstoff gilt.
Die Größenordnung lässt sich in Zahlen fassen: Rio Tinto ist der weltgrößte Eisenerzförderer und bringt es auf rund 142 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung – das ist vereinfacht gesagt der Börsenwert, also was der Markt dem Unternehmen gerade zuschreibt. Glencore liegt bei etwa 65 Milliarden Dollar. Rechnet man nicht nur den Börsenwert, sondern auch Schulden mit ein (das nennt sich Unternehmenswert), landet das Gesamtpaket bei mehr als 260 Milliarden Dollar.
Britische Regeln setzen eine harte Deadline
Zusätzlichen Druck macht das Regelwerk in Großbritannien: Nach den dortigen Übernahmeregeln hat Rio Tinto bis zum 05. Februar Zeit, entweder ein formelles Angebot für Glencore vorzulegen – oder klar zu erklären, dass der Vorstoß nicht weiterverfolgt wird.
An der Börse war die erste Reaktion eindeutig: Die in den USA notierten Glencore-Aktien sprangen nach der Bestätigung der Gespräche um sechs Prozent nach oben, Rio Tinto gab 0,6 Prozent nach.

