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6. März 2026

Gewinn stärker als erwartet: Lufthansa hat trotzdem ein Problem

Lufthansa
Foto: Depositphotos.com / alexanderon

Ein Gewinn über den Erwartungen ist für Lufthansa in dieser Lage kein Selbstläufer. Genau deshalb lohnt sich ein zweiter Blick: Der Konzern hat 2025 operativ besser abgeliefert als gedacht, doch für 2026 hängt schon wieder ein fettes Fragezeichen über dem Ganzen.

Lufthansa kam im vergangenen Jahr auf einen bereinigten operativen Gewinn von 2,0 Milliarden Euro. Erwartet worden waren laut Analystenumfrage 1,9 Milliarden Euro. Im Vorjahr standen noch 1,6 Milliarden Euro in den Büchern. Auch die operative Marge legte zu, von 4,4 auf 4,9 Prozent. Das klingt erstmal trocken, ist für Anleger aber durchaus relevant. Denn unterm Strich heißt das: Das Sparen greift, der Flottenumbau bringt etwas und auch die etwas niedrigeren Treibstoffkosten haben geholfen.

Alte Probleme sind nicht weg

Auffällig ist aber, wie vorsichtig Lufthansa trotzdem nach vorne schaut. Für 2026 stellt der Konzern zwar ein Kapazitätsplus von 4 Prozent sowie Wachstum bei Umsatz und Marge in Aussicht. Gleichzeitig macht Vorstandschef Carsten Spohr klar, wo der Haken sitzt: Der Krieg im Nahen Osten zeigt einmal mehr, wie schnell der Luftverkehr ins Wackeln gerät. Einerseits bleibt die Nachfrage nach Flugreisen stark. Andererseits reicht ein geopolitischer Brandherd, und die schöne Planung ist plötzlich nur noch Makulatur, also Papier mit wenig Wert.

Wer die Lufthansa schon länger beobachtet, weiß: Solche Geschichten haben fast immer zwei Seiten. 2024 hatten Streiks das Ergebnis noch kräftig verhagelt. Die Marge war mit 4,4 Prozent alles andere als berauschend. Jetzt geht es zwar wieder nach oben, aber von einem wirklich bequemen Niveau ist der Konzern noch immer ein gutes Stück entfernt.

Für Anleger bleibt es ein Balanceakt

Genau das ist der Punkt, den man nicht übersehen sollte. Lufthansa verdient wieder besser, ja. Aber der Abstand zu den eigenen Ambitionen bleibt groß. Das Unternehmen will zwischen 2028 und 2030 wieder operative Margen von 8 bis 10 Prozent erreichen. Davon ist man mit 4,9 Prozent noch ein ordentliches Stück weg. Anders gesagt: Die Richtung stimmt, aber die Baustelle ist noch lange nicht fertig.

Für die Aktie ist die Meldung damit weder ein Befreiungsschlag noch ein Warnsignal erster Güte. Sie ist eher ein Fingerzeig. Die Zahlen für 2025 zeigen, dass Lufthansa ihre Kosten besser im Griff hat und operativ wieder Tritt fasst. Gleichzeitig bleibt das Geschäft brutal anfällig für alles, was von außen hereinkracht: Streiks, Krisen, gesperrte Routen, politische Eskalationen.

Genau diese Mischung macht die Lage so spannend. Da steht auf der einen Seite eine positive Gewinnüberraschung. Auf der anderen Seite steht ein Ausblick, der schon beim Lesen holprig wirkt. Anleger sollten also nicht nur auf die starke Jahreszahl starren. Entscheidend wird sein, ob Lufthansa den eingeschlagenen Kurs 2026 wirklich halten kann – oder ob der nächste externe Schock dem Konzern wieder die Rechnung zerlegt.