Zurück zum Forum
Aktienrückkäufe: Sinnvolle Kapitalallokation oder Trick der Konzernlenker?
Michael Richter
Michael Richter22.10.2026 17:160

Hallo zusammen, ich bin gerade auf einen Artikel über Aktienrückkaufprogramme gestoßen und das Thema lässt mich nicht mehr los. Als jemand, der hauptsächlich in solide Dividendenwerte wie Allianz und BASF investiert, frage ich mich schon länger, wie ich diese Buyback-Programme eigentlich bewerten soll.

Auf den ersten Blick klingt es ja sinnvoll: Unternehmen kaufen eigene Aktien zurück, reduzieren die Anzahl ausstehender Papiere und erhöhen damit theoretisch den Gewinn je Aktie. Das sollte sich positiv auf den Kurs auswirken. Soweit die Theorie. In der Praxis sehe ich aber oft, dass Konzerne gerade dann rückkaufen, wenn die Aktie schon teuer bewertet ist, also aus meiner Sicht genau zum falschen Zeitpunkt.

Bei SAP zum Beispiel gab es in den letzten Jahren mehrfach solche Programme. Da frage ich mich dann: Wäre das Geld nicht besser in Forschung und Entwicklung investiert? Gerade im Softwarebereich muss man doch ständig innovieren, um nicht abgehängt zu werden. Oder könnten sie stattdessen die Dividende erhöhen, dann hätte ich als Aktionär wenigstens direkten Cashflow.

Was mich zusätzlich skeptisch macht: Oftmals scheinen Rückkaufprogramme auch dazu zu dienen, Verwässerungseffekte durch Aktienoptionen für das Management auszugleichen. Da fragt man sich schon, wem das Ganze wirklich nützt. Ist es eine sinnvolle Kapitalallokation im Interesse der Aktionäre oder eher ein Werkzeug, um die Vergütungsstruktur der Führungsetage zu verschleiern?

Andererseits gibt es ja auch Positivbeispiele. Ich erinnere mich an einige US-Techs, die während der Coronakrise zu günstigen Bewertungen zurückgekauft haben und damit langfristig Shareholder Value geschaffen haben. Das wäre dann wirklich eine clevere Verwendung überschüssiger Liquidität.

Wie seht ihr das? Achtet ihr bei euren Investments darauf, ob und wie Unternehmen Rückkaufprogramme durchführen? Gibt es Kennzahlen oder Indikatoren, auf die ihr besonders schaut, um zu bewerten, ob ein Buyback sinnvoll ist? Und habt ihr konkrete Beispiele von Firmen, die das wirklich gut oder besonders schlecht gemacht haben?

Würde mich sehr über eure Einschätzungen freuen, besonders von denen, die sich intensiver mit Fundamentalanalyse beschäftigen.

0 Antworten

Anmelden, um zu antworten.