Kaum eine Aktie steht derzeit so im Fokus wie Ferrari – und das liegt nicht nur an den neuen Modellen aus Maranello. Der traditionsreiche Sportwagenbauer hat seine Ziele bis 2030 neu gesetzt, doch an der Börse kam das weniger wie ein Gasstoß, sondern eher wie ein Bremsmanöver an. Anleger mussten zunächst schlucken, bevor sich der Kurs wieder fing. Die entscheidende Frage lautet nun: Reicht Ferraris Strategie, um das Vertrauen zurückzugewinnen?
Neuer Kurs für ein Traditionshaus
Ferrari will in den kommenden Jahren Tempo machen – allerdings mit einem fein austarierten Motorenmix. Zwischen 2026 und 2030 sollen jährlich vier neue Modelle erscheinen. Rund 40 Prozent davon sollen weiterhin klassische Verbrenner sein, ebenso viele Hybride, nur jedes fünfte Fahrzeug rein elektrisch. Das ist bemerkenswert in einer Branche, die sich weit stärker in Richtung Elektromobilität bewegt. Laut Reuters rechnet der Konzern für das Jahr 2030 mit einem Umsatz von etwa neun Milliarden Euro.
Auch beim Thema Nachhaltigkeit zieht Ferrari Grenzen: Die Emissionen der eigenen Produktion (Scope 1 und 2) sollen bis 2030 um mindestens 90 Prozent sinken. Parallel investiert das Unternehmen in neue „Tailor Made“-Programme – personalisierte Angebote, mit denen Kunden ihre Fahrzeuge individuell gestalten können. Die Botschaft: Exklusivität bleibt der Kern des Geschäfts, nicht die Massenproduktion.
Ferrari Aktie zwischen Druck und Zuversicht
Die Reaktion der Börse fiel zunächst ernüchternd aus. Nach Vorstellung der Pläne verlor die Ferrari Aktie rund elf Prozent, weil Anleger die Prognose als vorsichtiger werteten als erwartet. Danach setzte jedoch eine Erholung ein: Zuletzt lag der Kurs bei rund 351 Euro, was einer Marktkapitalisierung von etwa 60 Milliarden Euro entspricht.
Analysten zeigen sich geteilter Meinung. In einer Umfrage von Bloomberg sprachen rund drei Viertel der Befragten von einer positiven Einschätzung. Morgan Stanley beschreibt die Marke als „Exklusivität, die an das Unerreichbare grenzt“, während UBS in der Bewertung weiterhin Spielraum sieht. Das sind jedoch Einschätzungen – keine Garantien. Anleger tun gut daran, zwischen Begeisterung für die Marke und nüchterner Bewertung der Zahlen zu unterscheiden.
Was nun zählt
Ferrari bleibt ein Sonderfall in der Autoindustrie: ein Hersteller, der Luxus verkauft, während andere über Stückzahlen sprechen. Die Profitabilität ist mit einer Bruttomarge von über 50 Prozent außergewöhnlich, doch das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 38 zeigt, dass viel Zukunftserwartung im Preis steckt.
Ob Ferrari dieses Vertrauen rechtfertigt, hängt davon ab, ob der neue Strategieplan hält, was er verspricht – Wachstum, Exklusivität und technische Weiterentwicklung in Balance. Die kommenden Quartale dürften zeigen, ob die Marke mit dem springenden Pferd wieder auf die Überholspur kommt oder länger in der Boxengasse bleibt.

