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12. Januar 2026

Fed-Chef unter Druck: Warum eine Renovierung den Dollar ins Wanken bringt

FED Federal Reserve Washington
Das Federal Reserve Building in Washington DC. Foto: depositphotos.com / doganmesut@hotmail.com

Jetzt steht nicht nur die Geldpolitik der USA unter Spannung, sondern auch der Mann an ihrer Spitze: Gegen Fed-Chef Jerome Powell laufen strafrechtliche Ermittlungen – wegen einer Baugeschichte, die plötzlich nach Politthriller riecht.

Bundesstaatsanwälte haben eine strafrechtliche Untersuchung gegen den Vorsitzenden der US-Notenbank eingeleitet. Powell bestätigte das am Sonntagabend (Ortszeit). Im Kern geht es um die Frage, ob er den Kongress über den Umfang der Renovierung der Fed-Zentrale in Washington, D.C. belogen hat. Die Kosten sind deutlich stärker aus dem Ruder gelaufen als anfangs gedacht – und genau dieser Punkt liefert jetzt Zündstoff.

Ein Bauprojekt als Hebel im Machtkampf

Das ist die nächste Eskalationsstufe im Dauerkrach zwischen Präsident Donald Trump und der Notenbank. Trump drängt seit Längerem auf stärkere Zinssenkungen. Die Fed hält dagegen – und bekommt dafür politischen Druck ab. Nun kommt zur Zinsdebatte eine juristische Front dazu.

Die Staatsanwaltschaft des District of Columbia prüft, ob Powell den Kongress beim Renovierungsumfang getäuscht hat. Was sonst nach trockenem Haushaltsstreit klingt, ist diesmal hochpolitisch: Denn die Ermittlungen treffen ausgerechnet den Fed-Chef in einer Phase, in der die Unabhängigkeit der Notenbank ohnehin auf dem Prüfstand steht.

Powell kontert – und nennt das Ganze „beispiellos“

Powell geht in die Offensive. In einem Statement und einer Video-Botschaft auf der Website der Federal Reserve weist er die Vorwürfe scharf zurück. Er betont, niemand stehe über dem Gesetz – „und schon gar nicht der Vorsitzende der Federal Reserve“. Gleichzeitig macht er klar, dass diese „beispiellose Maßnahme“ aus seiner Sicht nicht isoliert zu betrachten sei, sondern im Zusammenhang mit Drohungen und dem anhaltenden Druck der Regierung.

Der Fed-Chef, der sein Amt noch bis Mai innehat, legt noch nach: Die Drohung habe nichts mit der Renovierung zu tun, und auch nicht mit der Kontrollfunktion des Kongresses. „Das sind nur Vorwände“, lautet seine Botschaft. Der eigentliche Grund sei, dass die Fed Zinsen nach bestem Wissen und Gewissen im öffentlichen Interesse festlege – und eben nicht so, wie es dem Präsidenten passt.

Powell macht daraus eine Grundsatzfrage, die weit über Beton und Baugerüste hinausgeht: Kann die Fed weiter nach Daten und wirtschaftlicher Lage entscheiden – oder wird Geldpolitik künftig von politischem Druck und Einschüchterung geprägt?

Märkte zucken – Dollar runter, Gold auf Rekord

Die Finanzmärkte reagierten prompt und deutlich. Der US-Dollar gab gegenüber dem Euro nach und verlor auch gegenüber anderen wichtigen Währungen. Die Futures auf den S&P-500 fielen um 0,4 Prozent.

Gold stieg derweil auf ein Rekordhoch von mehr als 4600 Dollar je Feinunze. Rückenwind bekam der Preis laut Bericht auch durch Unruhen im Iran, die zugleich den Ölpreis nach oben trieben. Der Mix ist brisant: politischer Stress plus geopolitische Unruhe – das ist für viele Anleger die Sorte Risiko, bei der man zuerst den sicheren Hafen sucht.

„Trump zerrt an den losen Fäden der Unabhängigkeit der Zentralbank“, sagte Andrew Lilley, Chef-Anlagestratege bei der Investmentbank Barrenjoey in Sydney. Trump mache das auch deshalb, weil er wisse, dass er die Fed nicht einfach übernehmen könne – also werde so viel unzulässiger Druck aufgebaut, wie nur geht.

Auch Ray Attrill, Leiter der Devisenstrategie bei der National Australia Bank, sieht Schaden: Dieser offene Krieg zwischen Fed und US-Regierung treffe offensichtlich den Dollar. Und Krishna Guha, Notenbank-Analyst bei Evercore ISI, schreibt, man sei „bestürzt“ über diese „zutiefst beunruhigende Entwicklung“, die überraschend komme. Auf den ersten Blick wirkten Regierung und Zentralbank nun wie in einem offenen Konflikt – etwas, das Powell und Finanzminister Bessent eigentlich unbedingt hätten vermeiden wollen.

Guha erwartet, dass der „Sell America“-Trade vom vergangenen April wieder auftauchen könnte: Damals verkauften Investoren zugleich US-Anleihen, US-Aktien und den Dollar – eine Kombination, die in den USA eher selten ist.

Ärger auch im eigenen Lager

Der Vorstoß löst nicht nur an der Börse Alarm aus, sondern auch in der Politik – und zwar auch bei Republikanern. Der Senator Thom Tillis aus North Carolina kritisierte das Vorgehen auf X ungewöhnlich scharf. Wenn es noch Zweifel gegeben habe, ob Berater in der Trump-Regierung aktiv daran arbeiteten, die Unabhängigkeit der Fed zu beenden, sollten diese nun ausgeräumt sein, schrieb er. Jetzt stünden Unabhängigkeit der Fed und Glaubwürdigkeit des Justizministeriums in Frage.

Tillis sitzt im Bankenausschuss des Senats und kündigte an, die Bestätigung aller Kandidaten für die Fed zu blockieren – inklusive des bevorstehenden neuen Chefs –, bis die Rechtsangelegenheit vollständig geklärt sei. Tillis hat zwar seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. Trotzdem gilt es als bemerkenswert, dass ein republikanischer Senator den Präsidenten so frontal angreift.

Politiker und führende Bank-CEOs hatten schon im vergangenen Jahr immer wieder vor Attacken auf die Unabhängigkeit der Fed gewarnt. Trump hatte mehrfach damit gedroht, Powell entlassen zu wollen, war dann aber zurückgerudert, als die Finanzmärkte heftig reagierten. Ein Portfolio-Manager vermutet nun, das Ganze könne ein neuer Testballon sein – und Investoren in New York stellten sich auf einen turbulenten Börsenstart am Montag ein.

Worum es beim Bauen genau geht

Auslöser der juristischen Auseinandersetzung ist die umfassende Renovierung zweier Fed-Gebäude, die 2022 begann und 2027 fertig werden soll: das Eccles Building sowie das Constitution Avenue Building, das 2018 in den Besitz der Federal Reserve überging.

Die Projektkosten werden aktuell auf rund 2,5 Milliarden Dollar geschätzt – etwa 700 Millionen Dollar mehr als ursprünglich eingeplant. Im Juni hatte Trump sich bei einem Besuch selbst ein Bild von den Arbeiten gemacht.

Was nun bleibt, ist eine unangenehme, aber entscheidende Frage: Geht es wirklich um Baukosten und Aussagen vor dem Kongress – oder wird hier ein Notenbankchef juristisch angefasst, weil seine Zinspolitik politisch stört? Die kommenden Tage an den Märkten dürften zeigen, wie ernst Anleger dieses Signal nehmen.