Bei der EZB ist eigentlich alles auf Stabilität getrimmt – und genau deshalb knallt diese Nachricht rein: Christine Lagarde könnte ihren Chefsessel früher räumen als vorgesehen.
Dem Bericht zufolge rechne man damit, dass sie ihre achtjährige Amtszeit nicht komplett durchzieht. Reuters konnte das zunächst nicht bestätigen. Die EZB wollte demnach nichts dazu sagen. Und genau dieses Schweigen macht die Sache nicht kleiner.
Der Kalender ist politisch – nicht nur bürokratisch
Lagarde soll demnach darüber nachdenken, noch vor den französischen Präsidentschaftswahlen im April 2027 auszusteigen. Der Punkt daran: Das wäre nicht einfach ein Terminproblem, sondern ein politischer Slot. Lagarde wolle dem scheidenden Präsidenten Emmanuel Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz genug Zeit geben, um eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger zu finden.
Ein exaktes Datum steht demnach aber nicht fest. Klar ist nur der Rahmen: Macron darf 2027 nach zwei Amtszeiten nicht noch einmal antreten – und ein Wechsel an der EZB-Spitze will vorbereitet sein, sonst gibt’s schnell Gezanke hinter den Kulissen.
Nachfolge: Namen fallen schon – offiziell ist noch nichts
Wer könnte übernehmen? Genannt werden mehrere Kandidaten, darunter der frühere spanische Notenbankchef Pablo Hernández de Cos und der niederländische Zentralbankpräsident Klaas Knot.
Außerdem tauchen zwei weitere Namen auf, die in so einem Rennen naturgemäß sofort Aufmerksamkeit ziehen: EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel und Bundesbankpräsident Joachim Nagel. Heißt übersetzt: Die Liste liegt in der Schublade, auch wenn noch keiner offiziell daran ziehen will.
Alte Gerüchte, neuer Zündstoff
Ganz aus dem Nichts kommt das Thema nicht. Schon im vergangenen Jahr gab es Gerüchte über ein vorzeitiges Ende. Damals hieß es, Lagarde habe in Frankfurt über einen möglichen Führungswechsel beim Weltwirtschaftsforum gesprochen, inklusive der Idee, schon vor 2027 zu übernehmen. Die EZB dementierte diese Spekulationen allerdings.
Lagarde ist seit November 2019 EZB-Präsidentin. Ihre Amtszeit läuft regulär bis zum 31. Oktober 2027. Dazwischen lagen Jahre, die eher nach Dauerkrise als nach Routine aussahen: Pandemie, Russlands Angriff auf die Ukraine und geopolitische Spannungen, die die Eurozone unter Druck setzten.
Auch die Inflation hat in dieser Zeit richtig Alarm gemacht: 2022 stieg sie zeitweise auf mehr als zehn Prozent. Inzwischen wird ein Wert von 1,7 Prozent genannt. Vor diesem Hintergrund wirkt jeder Gedanke an einen vorzeitigen Abgang wie ein Signal – die Frage ist nur: Wird daraus bald ein Plan oder bleibt es beim Gedankenspiel?

