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21. November 2025

Existenzangst in Deutschland: Warum jedes zwölfte Unternehmen jetzt am Abgrund steht

Frankfurt

Wenn jedes zwölfte Unternehmen in Deutschland ernsthaft um seine Existenz bangt, ist das kein Betriebsrisiko mehr, sondern ein Warnsignal mit Fernlicht.

Nach Zahlen des ifo Instituts stufen aktuell 8,1 Prozent der befragten Firmen ihre Lage als akut existenzgefährdet ein. Vor gut einem Jahr, im Oktober 2024, waren es 7,3 Prozent. Der Trend zeigt also nach oben – wenn auch langsam, aber eben in die falsche Richtung. Ifo-Umfrageleiter Klaus Wohlrabe bringt es trocken auf den Punkt: Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen dürfte damit auch in den kommenden Monaten auf einem hohen Niveau bleiben.

Aufträge fehlen, Kosten drücken

Die größte Bedrohung ist schnell benannt: zu wenig Aufträge. Wenn die Bestellbücher leer bleiben, hilft auch die beste Kostenkontrolle nichts. Ohne Umsatz fehlt das Geld für Löhne, Miete, Kredite, Material – und irgendwann ist Schluss. Genau diese Kettenreaktion sehen viele Unternehmer kommen.

Obendrauf lasten gestiegene Betriebs- und Personalkosten. Energie, Mieten, Löhne – alles teurer, aber die Nachfrage hinkt hinterher. Dazu kommt Bürokratie, die immer neue Formulare, Nachweise und Pflichten produziert. Für viele Betriebe fühlt sich das an wie Dauerlauf mit Bleiweste: nach vorn kommen ist möglich, aber verdammt anstrengend.

Einzelhandel als Problemzone

Am deutlichsten kracht es im Einzelhandel. Dort melden 15 Prozent der Unternehmen tiefgreifende wirtschaftliche Probleme. Das ist nicht mehr nur ein statistischer Ausreißer, das ist ein echter Krisenherd. Mehr als jeder siebte Händler steht mit dem Rücken zur Wand und weiß, dass ein paar schlechte Monate reichen können, um den Laden dichtmachen zu müssen.

Der Mix ist toxisch: ausbleibende Kundschaft, hohe Fixkosten, unsichere Perspektiven. Wer in so einem Umfeld weiter investieren oder Mitarbeiter einstellen soll, braucht starke Nerven. Von Business as usual kann hier keine Rede sein.

Industrie und Bau: weniger schlecht statt gut

Etwas freundlicher wirkt das Bild in der Industrie. Dort ist der Anteil der Firmen mit großen wirtschaftlichen Problemen von 8,6 auf 8,1 Prozent gesunken. Auf dem Papier ist das eine Verbesserung, in der Realität eher die Stufe von sehr angespannt zu angespannt. Entwarnung klingt anders.

Auch die Bauunternehmen sind etwas weniger düster gestimmt. Die Belebung der Bautätigkeit sorgt dafür, dass der Anteil der Betriebe mit großen Problemen von 7,9 auf 6,3 Prozent zurückgeht. Aber auch hier gilt: weniger Risiko heißt nicht automatisch Sicherheit. Wer im Bau arbeitet, weiß, wie schnell Projekte kippen können, wenn Finanzierung, Zinsen oder politische Rahmenbedingungen wackeln.

Mehr als nur ein Stimmungsbarometer

Das ifo Institut befragt für seine Konjunkturerhebungen jeden Monat mehrere tausend Unternehmen. Die aktuellen Zahlen sind also kein Bauchgefühl, sondern ein breiter Querschnitt durchs deutsche Wirtschaftsleben. Wenn in so einer Umfrage 8,1 Prozent Existenzangst melden, ist das nicht einfach schlechte Laune, sondern eine harte Ansage.

Die entscheidende Frage lautet jetzt: Bleibt es bei einem schleichenden Anstieg der Probleme oder kippt das Ganze in eine Welle von Pleiten? Klar ist: Je länger Auftragsschwäche, hohe Kosten und Bürokratie zusammenwirken, desto größer wird der Druck auf die Unternehmen.

Am Ende läuft es darauf hinaus, ob die Politik Druck aus dem Kessel nimmt und ob die Nachfrage wieder anspringt. Gelingt das nicht, bleiben 8,1 Prozent womöglich nur eine Zwischenmarke nach oben. Gelingt es doch, könnten diese Monate rückblickend als Phase durchgehen, in der es gerade noch einmal gut gegangen ist.