Mit einer Bewertung von mehr als 1,75 Billionen Dollar würde SpaceX nicht einfach an die Börse gehen – der Konzern würde den Laden kurz durchschütteln. Sollte der Schritt kommen, wäre das größer als Saudi Aramco und damit womöglich der größte Börsengang, den der Markt je gesehen hat.
Genau das meldet Reuters unter Verweis auf zwei mit dem Vorgang vertraute Personen: SpaceX soll vertraulich einen Börsengang in den USA eingereicht haben. Offiziell bestätigt ist das bislang nicht, und das ist kein Nebensatz. Eine vertrauliche Einreichung ist noch kein fertiger Gang aufs Parkett, aber sie zeigt: Hinter den Kulissen wird offenbar ernsthaft vorgebaut. Unternehmen können so erst einmal mit den Aufsehern reden, Unterlagen nachschärfen und sich aus der direkten Schusslinie der Öffentlichkeit halten.
Starlink ist die eigentliche Kasse
Wer bei SpaceX nur an Raketen, Mars und großes Musk-Kino denkt, greift zu kurz. Die eigentliche Wucht steckt wohl in Starlink. Genau dort sitzt das Geschäft, das diese riesige Bewertung überhaupt halbwegs plausibel macht. Ein von Reuters zitierter Marktstratege bringt es ziemlich unmissverständlich auf den Punkt: Starlink ist mit Millionen Nutzern, Verteidigungsaufträgen und eigenem Datennetz der wiederkehrende Einnahmemotor. Anders gesagt: Die Raketen liefern die Show, das Satelliteninternet liefert das Geld.
Das ist mehr als eine hübsche Randbemerkung. Reuters hatte bereits im Januar berichtet, SpaceX habe im vergangenen Jahr rund 8 Milliarden Dollar Gewinn bei 15 bis 16 Milliarden Dollar Umsatz erzielt. Für ein Raumfahrtunternehmen ist das kein kleines Detail, sondern der Unterschied zwischen schöner Vision und knallhartem Geschäft. Anleger mögen Geschichten. Noch lieber mögen sie Firmen, die schon jetzt ordentlich Geld verdienen.
Musk verkauft nicht nur Raumfahrt, sondern ein ganzes Machtpaket
Richtig kompliziert wird die Sache durch das größere Konstrukt um Elon Musk. Reuters verweist auf den Deal mit seiner KI-Firma xAI, bei dem SpaceX mit 1 Billion Dollar und xAI mit 250 Milliarden Dollar bewertet worden sei. Damit würde ein möglicher IPO eben nicht nur eine Wette auf Raketen und Satelliten, sondern auf Musks gesamtes Firmengeflecht. Das kann an der Börse gewaltig ziehen – es kann Anleger aber auch nervös machen.
Denn einerseits ist Musk für viele Investoren noch immer eine Art Magnet. Sein Name allein reicht oft schon, um Fantasie in einen Wert zu pumpen. Andererseits stellt sich irgendwann sehr handfest die Frage, wie viele Milliardenunternehmen ein Mann gleichzeitig führen, kontrollieren und zusammenhalten kann, ohne dass irgendwo etwas aus dem Ruder läuft. Genau deshalb dürfte ein Börsengang den Blick auch stärker auf die „Muskonomy“ lenken: also auf Macht, Kontrolle, Bewertung und die teils ziemlich eng verknoteten Beziehungen zwischen seinen Firmen. Eine mögliche Mehrstimmrechtsstruktur würde ihm laut Reuters wohl selbst dann die Kontrolle sichern, wenn der Konzern an der Börse spürbar verwässert.
Ein Test für die ganze Wall Street
Für den IPO-Markt wäre das Ganze ein echter Stresstest – im positiven Sinn. Nach Jahren, in denen Neuemissionen oft eher mit angezogener Handbremse unterwegs waren, könnte SpaceX den Markt mit einem Schlag wieder wachprügeln. Reuters zufolge könnte der Konzern mehr als 50 Milliarden Dollar einsammeln. Das ist keine normale Größenordnung mehr. Das ist eine Ansage.
Dass die Börse auf so etwas anspringt, war sofort zu sehen. Nach der Meldung legten mehrere Raumfahrtwerte deutlich zu, darunter Intuitive Machines, Planet Labs, AST SpaceMobile und Rocket Lab. Das zeigt ziemlich klar, wie groß die Spillover-Hoffnung ist: Wenn SpaceX an die Börse geht, schauen Anleger eben nicht nur auf SpaceX, sondern auf den gesamten Sektor.
Die Story ist riesig – aber sie muss tragen
Der Zeitpunkt ist ebenfalls alles andere als zufällig. Während die USA mit einer neuen Mondmission wieder mehr Raumfahrtprestige aufbauen wollen, arbeitet SpaceX parallel an noch größeren Plänen – bis hin zu orbitalen Rechenzentren und einem eng verzahnten System aus Raketen, Satelliten und KI-Infrastruktur. Das klingt stellenweise verrückt, keine Frage. Aber an der Börse gilt oft ein ziemlich simples Gesetz: Solange Wachstum, Dominanz und Gewinn zusammenpassen, wird auch das kühnste Narrativ plötzlich ernst genommen.
Trotzdem wäre es zu billig, das nur als sicheren Selbstläufer zu verkaufen. Je größer die Story, desto härter wird am Ende auf Zahlen, Struktur und Kontrolle geschaut. Genau da dürfte sich entscheiden, ob SpaceX nur einen historischen Hype vorbereitet oder tatsächlich den größten Börsengang der Geschichte auf die Schiene setzt. Einen ersten Vorgeschmack könnten schon der Analystentag am 21. April und die weiteren Gespräche mit Research-Häusern liefern.

