Ein paar Millionen mehr – und schon wird aus einer Prognose ein Signal: Die Commerzbank hebt ihre Gewinnerwartung für 2026 leicht an und zeigt damit, wo bei ihr der Hebel sitzt.
Das Institut rechnet im laufenden Jahr nun mit einem Nettoergebnis über dem Ziel von 3,2 Milliarden Euro, das es im Februar 2025 ausgegeben hatte. Der Grund klingt technisch, ist aber für den Markt pures Futter: Der Zinsüberschuss soll auf rund 8,5 Milliarden Euro steigen, statt wie bisher auf 8,4 Milliarden Euro. Übersetzt: Was die Bank mit Krediten und Einlagen unterm Strich an Zinsen verdient, soll etwas stärker sprudeln. Und genau diese Zahl schauen Analysten an wie ein Fieberthermometer – weil sie bei der Commerzbank den Großteil der Erträge trägt.
Auffällig ist: Das Ganze ist keine große Show, eher ein vorsichtiges Nachjustieren. Die Bank startet gern konservativ und schiebt die Erwartungen dann im Jahresverlauf nach oben – das Muster kennt der Markt. Für 2026 liegt die Commerzbank damit auch ziemlich genau da, wo die Experten sie ohnehin sehen: Im Schnitt werden 8,5 Milliarden Euro Zinsüberschuss und ein Gewinn von 3,4 Milliarden Euro erwartet.
Ergebnis: teuer umgebaut, trotzdem abgeliefert
Der Blick zurück macht klar, warum man sich diese minimale Anhebung überhaupt leisten kann. Im vergangenen Jahr hielt die Commerzbank ihren Gewinn trotz hoher Kosten für den Abbau von 3900 Vollzeitstellen mit 2,63 Milliarden Euro nahezu stabil. Sie lag damit über der eigenen Prognose und auch leicht über den durchschnittlichen Analystenschätzungen.
Rechnet man die Restrukturierungskosten raus – also die Umbaukosten, die beim Stellenabbau und Umstellen der Bank anfallen – sieht es noch besser aus: Dann stieg der Gewinn um 14 Prozent auf den Rekordwert von drei Milliarden Euro. Ein Investor von Deka sprach von einem starken Ergebnis im vierten Quartal und einem Trend, der zeigt: Die Bank steht nicht schief, sie läuft.
Ausschüttung: Aktionäre kriegen richtig was ab
Bei der Ausschüttung geht die Commerzbank ziemlich klar in die Vollen. Den Gewinn vor Restrukturierungsaufwendungen und nach Abzug von Zinszahlungen für AT-1-Anleihen will sie komplett an die Anteilseigner geben. AT-1 ist so eine Art Sicherheitskapital auf Zins – kompliziertes Papier, aber am Ende zählt: Diese Zinsen gehen ab, erst dann wird verteilt.
Unterm Strich sollen über zwei Aktienrückkaufprogramme plus Dividende insgesamt 2,7 Milliarden Euro bei den Aktionären landen. Die Dividende soll von 65 Cent auf 1,10 Euro je Aktie steigen – mehr, als viele erwartet hatten. Die Analysten lagen vorher im Schnitt nur bei 97 Cent.
Personalseite: ein Abgang zur Unzeit
So rund das finanziell wirkt, ein Punkt kratzt am Bild: Risikovorstand Bernd Spalt verlässt die Bank Ende 2026 aus persönlichen Gründen. Das ist kein Marketing-Detail, sondern ein wichtiger Posten – der Mann hat bei einer Bank im Blick, wo es knallen kann, bevor es knallt.
Ein Investor von Deka nennt den Abgang bedauerlich, glaubt aber: Die Risiken sind im Griff, und Zeit für eine Nachfolge gibt es genug. Trotzdem bleibt die Frage hängen, wie schnell die Commerzbank intern Stabilität nachschiebt – gerade jetzt.
Unicredit sitzt weiter im Nacken
Denn der eigentliche Druck kommt nicht aus Frankfurt, sondern aus Mailand: Seit September 2024 steckt die Commerzbank im Übernahmekampf mit Unicredit. Die Italiener kontrollieren inzwischen 29 Prozent der Anteile, drei Prozent davon über Finanzinstrumente. Unicredit-Chef Andrea Orcel würde die Commerzbank gern komplett übernehmen. Die Commerzbank-Spitze, die Beschäftigten und auch die Bundesregierung wollen das nicht – der Staat hält gut zwölf Prozent und ist damit zweitgrößter Aktionär.
Ob die Commerzbank eigenständig bleibt, hängt stark am Aktienkurs. Der war im vergangenen Jahr um 130 Prozent nach oben geschossen. Damit wäre eine Übernahme nach früheren Aussagen von Orcel zuletzt schlicht zu teuer gewesen. Jetzt wird’s wieder spannender: Seit Jahresbeginn hat die Unicredit-Aktie acht Prozent zugelegt, die Commerzbank-Aktie ist zwei Prozent gefallen.
Warum das wichtig ist? Weil Unicredit eine Übernahme wohl zum großen Teil mit eigenen Aktien bezahlen würde. Dann zählt am Ende das Umtauschverhältnis – also wie viele Unicredit-Aktien es für eine Commerzbank-Aktie gibt. Einige Analysten glauben, Orcel habe ein Angebot in der Schublade, falls diese Rechnung wieder besser für ihn aussieht.
Orcel selbst hat am Montag ehrgeizige Ziele für die nächsten Jahre vorgestellt und dabei klar gemacht, dass er am Thema festhält. Er sagt sinngemäß: Wenn der Zeitpunkt passt und die Bedingungen stimmen, dann passiert es – auf die richtige Weise. Entscheidend wird, ob die Commerzbank mit der angehobenen Prognose, dem Zins-Plus und der satten Ausschüttung ihren Kurs stabil genug hält, damit aus dem Dauerrauschen nicht plötzlich ein echter Angriff wird.

