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30. Dezember 2025

Die Krise bleibt: 46 Verbände schlagen Alarm für 2026

Branche

Die Hoffnung, dass 2026 endlich wieder „normal“ wird, wirkt nach dieser Umfrage eher wie Selbstberuhigung. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sagt: Die Krise bleibt – und zwar mit Ansage. IW-Direktor Michael Hüther formuliert es direkt: Wer auf ein baldiges und umfassendes Ende der Wirtschaftskrise setzt, werde auch 2026 enttäuscht. Seine Liste der Gründe ist kurz, aber unerquicklich: viel Verunsicherung, schwacher Handel, Deutschland als teurer Standort.

Basis dafür ist eine Befragung von 46 Wirtschaftsverbänden. 18 melden eine schlechtere Lage als vor einem Jahr, 14 sehen ihre Branche stabil, 14 sprechen von einer Verbesserung. Klingt erst mal nach „durchwachsen“. Nur warnt Hüther davor, sich von den besseren Meldungen blenden zu lassen: Wo es heller aussieht, stecke oft keine echte wirtschaftliche Dynamik dahinter, sondern eher ein Abklingen der schlechten Stimmung oder staatliche Impulse. Ergebnis: Die Wirtschaft richtet sich auf einem niedrigeren Level ein – stabil, aber eben weit weg von Schwung.

Jobs: Viele rechnen mit Kahlschlag

Wenn man wissen will, wie ernst es wirklich ist, lohnt der Blick auf den Arbeitsmarkt. Die Verbände erwarten für 2026 deutlich schlechtere Beschäftigungsaussichten. 22 von 46 rechnen mit Stellenabbau. Nur neun gehen von zusätzlichen Mitarbeitern aus. 15 erwarten, dass sich bei ihnen wenig bewegt. Das ist ein ziemlich klares Signal: Statt Aufbau droht vielerorts Abbau.

Hüther erklärt das ohne Schönfärberei. Die Konjunktur sei weiter schwach, die Weltmärkte nicht dynamisch – also müsse man sich „verschlanken“. Und dann fällt ein Satz, der in vielen Betrieben sofort verstanden wird: Unternehmen hätten lange Fachkräfte „gehortet“, also Mitarbeiter gehalten, obwohl es wirtschaftlich schon knirschte. Das macht man, weil man Angst hat, später niemanden mehr zu finden. Nur: Wenn die Renditen mies sind, wird dieses Polster irgendwann zu teuer.

Ganz ohne positive Ausnahmen geht es aber nicht. Neue Jobs planen laut Umfrage die Pharmaindustrie, der Luft- und Raumfahrzeugbau sowie Schiffbau und Meerestechnik. Das sind die Bereiche, die 2026 offenbar eher zulegen wollen – während andere Branchen den Gürtel enger schnallen.

Exportkater, Protektionismus, teurer Standort

Warum bleibt die Stimmung so gedrückt? Hüther nennt altbekannte Baustellen. Da ist zum einen der weltweit zunehmende Protektionismus – das bedeutet: Länder schotten ihre Märkte stärker ab, mit Zöllen und Regeln, die Handel schwerer machen. Dazu kommt eine anhaltende Exportschwäche. Und obendrauf drücken hohe Standortkosten auf die Wettbewerbsfähigkeit, also darauf, wie gut deutsche Anbieter preislich mithalten können.

Das trifft vor allem die Industrie. Unter anderem die Automobilindustrie, die Papierindustrie und die Textilindustrie rechnen mit Produktionsrückgängen. Und wenn weniger produziert wird, ist Personalabbau meist nicht weit. Viele Industrieverbände gehen davon aus, dass 2026 auch bei ihnen Leute gehen müssen. Die entscheidende Frage ist damit nicht, ob die Industrie unter Druck steht – sondern wie lange sie ihn noch wegstecken kann, bevor er sichtbare Spuren in ganzen Regionen hinterlässt.

Investitionen: Umbau nötig, Geldbeutel zu

Beim Investieren zeigt sich die gleiche Zerrissenheit. Hüther betont: Eigentlich sei der Bedarf groß. Die Wirtschaft müsse digital umgebaut und Richtung Klimaneutralität transformiert werden – „Transformation“ ist in diesem Fall kein Buzzword, sondern schlicht der teure Umbau von Produktion und Technik, damit es moderner und klimafreundlicher läuft. Nur bleibt die Bereitschaft dafür begrenzt.

Die Verbände melden zurückhaltende Pläne: Nur elf erwarten steigende Investitionen, 14 rechnen mit Rückgang, 21 mit Stagnation – oft auf ohnehin niedrigem Niveau. Das wirkt wie eine Wirtschaft, die zwar weiß, was zu tun wäre, aber wegen Unsicherheit und schwacher Lage lieber auf Nummer sicher geht.

Mit Sondervermögen und steigenden Verteidigungsausgaben sollten eigentlich Investitionen angestoßen werden. Aus Sicht der Verbände klappt das nicht überall. Immerhin: Einzelne Branchen scheinen davon zu profitieren – etwa Luft- und Raumfahrt, Schiffbau oder Teile des Baugewerbes. Auch der Dienstleistungssektor meldet eine bessere Lage als im Vorjahr. Hüther hält deshalb dagegen: Die deutsche Wirtschaft sei im Kern gut aufgestellt, ein Ende der langen Stagnation sei in Sicht. Nur wird sich zeigen müssen, ob daraus mehr wird als ein vorsichtiges Aufatmen.