Kurzfazit: Covered Calls und Cash-Secured Puts gelten als „konservative“ Optionsstrategien – doch sie sind nur dann sicher, wenn man ihre Mechanik versteht. Beide Strategien generieren Prämieneinnahmen aus Stillhaltergeschäften: Der Anleger verkauft Optionen auf Aktien, die er besitzt oder kaufen möchte. Wer sie richtig einsetzt, verbessert laufende Erträge, reduziert Schwankungen – und bleibt dennoch langfristig investiert.
Was sind Covered Calls und Cash-Secured Puts?
Derivate sind für viele Privatanleger ein Reizthema – oft zu Unrecht. Covered Calls und Cash-Secured Puts gehören zu den transparentesten und risikoärmsten Optionenstrategien, weil sie durch Aktien oder Barbestände „gedeckt“ sind. Das Prinzip ist einfach: Du verkaufst (schreibst) eine Option, erhältst sofort eine Prämie, und verpflichtest dich im Gegenzug, eine bestimmte Handlung auszuführen – Aktien zu verkaufen (Call) oder zu kaufen (Put) – falls der Kurs eine festgelegte Schwelle erreicht. Solange du die Aktie besitzt (beim Call) oder genug Cash für den Kauf hinterlegt hast (beim Put), ist das Risiko kontrollierbar.
Covered Call – Prämieneinnahme auf Bestände
Beim Covered Call verkauft der Anleger eine Kaufoption (Call) auf eine Aktie, die er bereits besitzt. Damit verpflichtet er sich, diese Aktie zu einem bestimmten Preis (Strike) zu verkaufen, falls der Käufer die Option ausübt. Im Gegenzug erhält er sofort eine Prämie, die ihm unabhängig von der Kursentwicklung bleibt.
Beispiel: Covered Call auf Allianz-Aktie
Aktienkurs: 240 €
Strike: 260 € (1 Monat Laufzeit)
Prämie: 4 € pro Aktie
→ Du verkaufst 1 Call auf 100 Aktien und erhältst 400 € Prämie.
- Bleibt der Kurs unter 260 €: Option verfällt, du behältst Aktie + Prämie.
- Steigt der Kurs über 260 €: Du musst zum Strike verkaufen – Gewinn bis 260 € + 4 € Prämie = effektiv 264 € Erlös pro Aktie.
Dein Ertrag ist also nach oben begrenzt, aber du erhältst regelmäßige Zusatzerträge. Das macht Covered Calls besonders attraktiv in seitwärts tendierenden Märkten.
Cash-Secured Put – günstiger einsteigen und Prämie kassieren
Der Cash-Secured Put (oder „gedeckter Put“) ist das Spiegelbild des Covered Calls: Du verkaufst eine Verkaufsoption (Put) und verpflichtest dich, Aktien zu einem festgelegten Kurs zu kaufen, falls sie fallen. Im Gegenzug erhältst du eine Prämie – egal, ob die Option am Ende ausgeübt wird oder nicht. Damit sicherst du dir quasi einen „limit order + Prämie“-Effekt: Wenn du ohnehin kaufen würdest, ist das eine elegante Variante.
Beispiel: Cash-Secured Put auf BASF-Aktie
Aktienkurs: 45 €
Strike: 42 € (1 Monat Laufzeit)
Prämie: 1,20 € pro Aktie
→ Du verkaufst 1 Put (100 Aktien) und erhältst 120 € Prämie. Du hältst 4.200 € in bar bereit (Absicherung).
- Bleibt der Kurs über 42 €: Option verfällt, du behältst die Prämie.
- Fällt der Kurs unter 42 €: Du musst 100 Aktien für 42 € kaufen. Dein Einstandspreis liegt bei 42 € – 1,20 € = 40,80 €.
Damit kaufst du die Aktie 4,9 % unter dem heutigen Marktpreis – oder erhältst einfach die Prämie, wenn der Kurs stabil bleibt. Die Strategie eignet sich ideal, um Einstiegsniveaus planvoll zu gestalten und gleichzeitig Erträge zu generieren.
Rendite, Risiko & Szenarien im Vergleich
| Kriterium | Covered Call | Cash-Secured Put |
|---|---|---|
| Ziel | Ertrag auf bestehende Aktien generieren | Aktien günstiger kaufen oder Prämie vereinnahmen |
| Risiko | Verzicht auf Kursgewinne über Strike | Aktienkauf bei Kursrutsch (Buchverlust möglich) |
| Kapitalbedarf | 100 Aktien im Bestand | Cash für 100 Aktien am Strike-Preis |
| Markterwartung | Seitwärts bis leicht steigend | Seitwärts bis leicht fallend |
| Ertragsquelle | Optionsprämie + evtl. Dividende | Optionsprämie + evtl. späterer Kursgewinn |
Wie du diese Strategien praktisch umsetzt
1) Auswahl geeigneter Aktien
Ideal sind liquide Blue Chips mit regelmäßiger Volatilität, stabilem Geschäftsmodell und handelbaren Optionen (z. B. Allianz, BASF, Siemens, Apple, Microsoft). Hohe Volatilität → höhere Prämien, aber auch mehr Risiko. Ziel ist ein Gleichgewicht zwischen Ertragschancen und Sicherheit.
2) Wahl des Strikes und der Laufzeit
Kurze Laufzeiten (1–4 Wochen) ermöglichen häufiges Rollen und höhere Flexibilität. Strike: leicht aus dem Geld wählen – z. B. 2–5 % über (Call) bzw. unter (Put) aktuellem Kurs. So erhöht man die Wahrscheinlichkeit, dass die Option verfällt und man die Prämie behält.
3) Depotabsicherung & Margin
Covered Calls und Cash-Secured Puts gelten als „gedeckt“, wenn du die Aktien bzw. das Cash vollständig besitzt. Broker sichern die Trades über Margin-Anforderungen ab. Wer nicht vollständig gedeckt ist, riskiert Nachschusspflichten – deshalb unbedingt nur mit Cash oder Bestand handeln.
Praxis-Tipp: Das „Rollen“ der Option
Wenn der Kurs gegen dich läuft (z. B. Call droht ausgeübt zu werden), kannst du die Option „rollen“: Du kaufst sie zurück und verkaufst gleichzeitig eine neue Option mit späterem Verfall oder anderem Strike. So steuerst du dein Ertragsprofil aktiv, ohne Positionen zwangsweise schließen zu müssen.
Steuern & Besonderheiten
In Deutschland gelten Optionsprämien als Einkünfte aus Termingeschäften (§ 20 EStG). Sie unterliegen der Abgeltungsteuer (25 % zzgl. Soli/KiSt). Verluste können nur begrenzt verrechnet werden (aktuell bis 20.000 € p.a.), was bei aktiven Strategien zu beachten ist. Einige Broker weisen Erträge getrennt aus; für Vielnutzer empfiehlt sich eine separate steuerliche Erfassung.
Vor- und Nachteile im Überblick
- Vorteile: planbare Erträge, kontrollierbares Risiko, ruhigeres Depot, Prämien auch in Seitwärtsmärkten.
- Nachteile: begrenzte Kursgewinne (Call), Pflicht zum Kauf bei Kursrutsch (Put), steuerliche Komplexität.
Fazit
Covered Calls und Cash-Secured Puts sind die „Einstiegsstrategien“ in die Welt der Derivate – verständlich, diszipliniert und einkommensorientiert. Sie verwandeln Marktvolatilität in Ertrag, ohne dass du dich von deinen langfristigen Positionen trennen musst. Entscheidend ist das Verständnis der Mechanik: Derivate sind kein Spiel, sondern ein Werkzeug. Wer sie richtig einsetzt, kann das Depot stabilisieren – und die Rendite planbarer machen.
Quellen
- Deutsche Börse – Eurex Produktinformationen zu Optionen und Futures (2024/25)
- BaFin – Verbraucherinformationen zu Derivaten und Risikohinweisen
- Investopedia / CBOE – Options Strategies: Covered Calls & Cash-Secured Puts
- Bundesfinanzministerium – §20 EStG, Verlustverrechnungsgrenzen Termingeschäfte
- Broker-Handbücher (Interactive Brokers, Trade Republic, Lynx) – Margin, Rolling und Ausübungsmechanismen

