Der Verbrenner war schon auf dem Abstellgleis – und jetzt rollt er plötzlich wieder in die Schlagzeilen.
Wenn die EU-Kommission am Dienstag, 16. Dezember 2025, tatsächlich verkündet, das Verbrenner-Aus um fünf Jahre zu verschieben, ist das für die Autobranche ein echter Luftzug durchs stickige Cockpit. Denn bislang galt: Ab 2035 sollen in der EU alle Neufahrzeuge nur noch rein elektrisch sein. Klingt nach fester Fahrplan-Politik – wirkt gerade aber eher wie eine Route, die noch mal neu berechnet wird.
Politik dreht am Regler – der Markt jubelt
Schon vorher kamen Autoaktien in Fahrt, weil die US-Regierung angekündigt hat, die Abgasvorschriften für Neufahrzeuge deutlich zu lockern. Nach Zollchaos und der Angst vor der China-Walze ist das für viele Anleger endlich mal eine Nachricht, die nicht nach Dauerkrise riecht. Das ist mehr als eine Randnotiz: Weniger Regulierungsdruck heißt nicht automatisch mehr Gewinn – aber es nimmt Tempo aus dem Stress, den Umbau zur E-Mobilität unter Vollgas durchziehen zu müssen. Nur: Reicht so ein politischer Rückenwind, um daraus eine dauerhafte Kursstory zu machen?
Porsche SE: Schweres Paket, erstaunlich günstig
Im Dax hat sich die Porsche Automobil Holding (Porsche SE) mit plus 9,4 Prozent im Wochenvergleich an die Spitze gesetzt. Nach dem, was der Titel hinter sich hat, wirkt das wie ein kräftiger Befreiungsschlag – zumindest auf dem Papier.
Die Porsche SE ist keine Autofabrik, sondern die Schaltzentrale der Familien Porsche und Piëch. Wer die Aktie kauft, kauft vor allem Beteiligungen. Das wichtigste Stück im Paket heißt Volkswagen: Die Holding kontrolliert 53,3 Prozent der VW-Stammaktien und hält 31,9 Prozent am Gesamtkapital des Wolfsburger Konzerns. Dazu kommt Porsche: 25 Prozent plus eine Aktie der Stammaktien am Sportwagenbauer sowie 12,5 Prozent am Gesamtkapital. Übersetzt: Porsche SE sitzt auf einem mächtigen Aktien-Stapel – und der Kurs hängt daran, wie der Markt dieses Paket bewertet.
Dass Anleger jetzt genauer hinschauen, hat auch mit der Vorgeschichte zu tun. Zwischen Juni 2021 und April 2025 ist die PAH-Aktie um 70 Prozent gefallen – bis an eine langjährige Unterstützung bei 30 Euro. Diese Marke hat gehalten. Seitdem wirkt es, als ob der Titel wieder Tritt fasst. Und die Bewertung macht neugierig: Die Aktie wird zu einem Drittel ihres Buchwertes gehandelt, die Eigenkapitalquote liegt bei gut 83 Prozent. Klingt trocken, ist aber simpel: Viel Substanz, wenig Preis – jedenfalls nach Lehrbuch.
Entlastung ja – Entwarnung nein
Trotzdem sollte niemand so tun, als wäre damit alles geritzt. Einerseits bringt eine mögliche Verschiebung Zeit – und Zeit ist in dieser Branche gerade fast so wertvoll wie Cash. Andererseits bleibt das Ziel im Regelwerk hart verankert: Für neue Pkw und leichte Nutzfahrzeuge ist ab 2035 eine 100-prozentige CO2-Reduktion vorgesehen. Das heißt: Selbst wenn die Deadline wackelt, ist die Richtung klar. Ein paar Jahre extra lösen keine Strukturprobleme, sie schieben sie höchstens nach hinten.
Für Anleger ist die Lage damit typisch Autoindustrie 2025: kurzfristig Erleichterung, langfristig Umbau unter Druck. Die Porsche SE profitiert jetzt von der Mischung aus politischem Rückenwind und einer Bewertung, die nach dem langen Absturz fast schon provoziert. Entscheidend wird, ob aus dem aktuellen Impuls ein stabiles Momentum wird – oder ob der nächste Dämpfer aus Brüssel, Washington oder Peking die Rally wieder abwürgt.

