US-Präsident Donald Trump dreht an der Abgasschraube – aber in die andere Richtung: lockerer, bequemer, billiger. Genau das, was klassische Autobauer lieben. Und die deutschen Autowerte danken es ihm heute mit satten Kursaufschlägen.
USA lockern Abgasregeln – Autobosse bekommen, was sie wollen
Auf dem Frankfurter Parkett sind Autoaktien heute ganz vorne dabei. Der Auslöser kommt aus Washington: Die US-Regierung will die Abgas- und Spritvorgaben für neue Pkw und leichte Nutzfahrzeuge deutlich aufweichen. Weniger Vorschriften, mehr Freiheit für die Hersteller – und im Idealfall wieder bessere Geschäfte im riesigen US-Markt.
Trump ließ sich die Show im Weißen Haus nicht nehmen. Flankiert von Automanagern kündigte er an, die seiner Meinung nach „lächerlichen und inakzeptablen“ Regeln seines demokratischen Vorgängers Joe Biden abzuräumen. Seine Botschaft: Die Vorgaben treiben die Kosten hoch, also müssen sie weg – zum angeblichen Wohl der US-Verbraucher, die sich günstigere Autos wünschen.
Mit auf der Bühne standen unter anderem Stellantis-Chef Antonio Filosa, unter dessen Dach Opel hängt, und Ford-Lenker Jim Farley. Farley versprach, wieder mehr „erschwingliche“ Modelle in die US-Schauräume zu stellen – sprich: weniger Hightech-Sparwunder, mehr ganz normale Autos, bei denen nicht jede Extrataste von einem Regelwerk kontrolliert wird.
Konkret: Bislang sollten die Neuwagen des Modelljahres 2031 im Schnitt eine Gallone Sprit (rund 3,8 Liter) auf etwa 50 Meilen bringen – das sind ungefähr 4,7 Liter auf 100 Kilometer. Dieses Ziel wird jetzt weichgeklopft. Künftig sollen nur noch 34,5 Meilen pro Gallone erreicht werden, also grob 6,8 Liter pro 100 Kilometer. Für die Autohersteller ist das ein klarer Druckabbau, für die Umweltbilanz eher das Gegenteil – aber genau diese Bewertung überlässt Trump anderen.
DAX vor 24.000 Punkten – Autowerte ziehen den Rest mit
Die gute Laune der Branche färbt auf den Gesamtmarkt ab. Dazu kommt die Hoffnung auf eine baldige Zinssenkung in den USA. Viele Anleger rechnen damit, dass die US-Notenbank schon in der kommenden Woche nach unten dreht.
Der DAX liegt am Mittag 0,9 Prozent im Plus bei 23.917 Punkten. Die Marke von 24.000 Zählern ist damit zum Greifen nah. Dass der Leitindex so stabil nach oben marschiert, ist zu einem guten Teil den Autowerten zu verdanken, die heute den Ton angeben.
Porsche, Mercedes, BMW, VW: Alles, was nach PS und Premium riecht, rennt
Vor allem die Hersteller, die ihre Marge mit kräftigen Verbrennern und teuren Modellen verdienen, profitieren. Wenn Verbrauchsgrenzen in den USA gelockert werden, atmen genau diese Marken durch.
Die Aktie von Porsche legt zeitweise über fünf Prozent zu. Auch Mercedes, BMW und Volkswagen sind deutlich im Plus. Anleger setzen darauf, dass sich große Limousinen, SUVs und Sportwagen in einem weniger streng regulierten Umfeld in den USA leichter verkaufen lassen – und genau dort liegt für diese Hersteller das dicke Geld.
Nutzfahrzeuge: Daimler Truck und Traton hängen sich dran
Die gute Stimmung macht nicht bei Pkw halt. Im Nutzfahrzeugsektor greifen Investoren ebenfalls zu. Die Papiere von Daimler Truck und Traton ziehen deutlich an.
Daimler Truck ist mit seinen Marken Freightliner und Western Star in den USA besonders stark vertreten. Gelockerte Vorgaben könnten das Amerika-Geschäft mit Lkw und schweren Zugmaschinen zusätzlich anschieben. Traton betreibt zwar keine eigenen Werke in den USA, ist aber mit seinen Marken weltweit im Lkw-Geschäft verwurzelt und profitiert von der allgemein besseren Stimmung für die Branche.
Bank of America: Weniger Regulierung, mehr Luft zum Atmen
Horst Schneider, Analyst bei der Bank of America, wird für 2026 spürbar optimistischer, was die europäische Autobranche angeht. Sein Punkt: Wenn der regulatorische Druck sinkt, bekommen die Hersteller mehr Luft zum Atmen und können flexibler reagieren – weniger Paragraphen, mehr unternehmerische Entscheidungen.
In den USA, so Schneider, könnten die Vorgaben für geringere Emissionen im Extremfall sogar fast komplett gekippt werden. Europa werde diesen Weg voraussichtlich nicht so radikal gehen, aber auch hier könnte das Ende der Verbrenner auf den Straßen erst nach 2040 kommen. Übersetzt: Der klassische Motor mit Benzin oder Diesel wird länger fahren, als viele politische Ankündigungen es nahelegen.
Besonders positiv bewertet Schneider die Porsche SE, die Auto-Holding der Familien Porsche und Piëch. Wer die Porsche-SE-Aktie kauft, hält im Prinzip ein Paket aus Volkswagen und Porsche AG in der Hand – und das nach seiner Rechnung mit einem kräftigen Abschlag. Auch Mercedes nennt er als Favorit, dort sei „zumindest vorerst das Schlimmste“ überstanden. An der Börse kommt diese Lesart gut an: Die Stuttgarter Titel legen rund drei Prozent zu und gehören zu den auffälligen Gewinnern im DAX.
Rückenwind für den Markt – Hoffnung auf die Fed als zusätzlicher Turbo
Unterm Strich stützt die Autoindustrie den DAX heute sichtbar. Ohne die starken Autowerte sähe der Handelstag deutlich langweiliger aus.
Parallel dazu bleibt der Blick vieler Anleger fest auf die US-Notenbank gerichtet. Sollte die Fed in der kommenden Woche tatsächlich die Zinsen senken, wäre das für Unternehmen und Investoren ein zusätzlicher Turbo: Kredite würden günstiger, Investitionen attraktiver – und an der Börse gibt es wenig, was Kurse verlässlicher in Bewegung bringt als billiges Geld.
Heute übernehmen die Autowerte schon mal die Vorarbeit. Der Rest des Marktes hängt sich dankbar dran.

