Der „große Verfallstag“ gilt an der Börse eigentlich als Tag, an dem es gerne mal ruckelt – diesmal war davon im Dax fast nichts zu sehen. Statt Hektik gab’s ein paar vorsichtige Käufe, am Ende stand der Leitindex bei 24.288,40 Punkten, das sind 0,4 Prozent mehr als am Vortag. Und: Er blieb klar über 24.000 – dieser runden Marke, an der viele Anleger nervös werden, weil sie im Kopf hängen bleibt.
Der Handel lief auffällig unaufgeregt. Keine wilden Ausschläge, kein Drama. Das passt zu dem Eindruck: Viele große Adressen – sprich institutionelle Investoren wie Fonds und Versicherer – dürften ihre Bücher für 2025 schon weitgehend zugemacht haben. Wer noch unterwegs ist, greift eher dosiert zu. Aber eben genug, um den Index über der Schwelle zu halten.
Rückenwind aus den USA – und der Dax nickt dankbar
Der Sprung über 24.000 kam schon am Donnerstag, mit Rückenwind aus den USA: eine Leitzinssenkung und US-Inflationsdaten stützten die Erwartung, dass die Fed (die US-Notenbank) weiter an der Zinsschraube drehen könnte. Übersetzt: Wenn Kredite perspektivisch billiger werden, wirkt das für Aktien oft wie ein kleiner Turbo – zumindest in der Stimmung.
Für 2025 steht beim Dax ein Plus von 22 Prozent auf dem Kurszettel. Klingt stark – heißt aber auch: Da steckt schon eine Menge Optimismus drin. Die Frage ist, ob das bis in den Jahreswechsel trägt, wenn der Markt traditionell dünner besetzt ist.
Europa freundlich, bei Einzeltiteln knirscht es
Auch neben dem Dax blieb der Ton freundlich: Der MDax stieg um 0,3 Prozent auf 30.361,46 Punkte, der EuroStoxx 50 legte ebenfalls 0,3 Prozent zu. Außerhalb der Eurozone schloss der Schweizer SMI 0,3 Prozent höher, der britische FTSE 100 zog ebenfalls an. Und in den USA ging es zum hiesigen Handelsende sowohl an der Nasdaq als auch an der Wall Street nach oben.
Bei den Einzelwerten zeigte sich aber: Nicht jeder Sektor marschiert im Gleichschritt. Adidas und Puma gerieten nach einem enttäuschend aufgenommenen Ausblick des US-Rivalen Nike in den Fokus. Adidas verlor 1,2 Prozent, Puma rutschte 3,5 Prozent ab. Nike selbst knickte in New York zuletzt um fast zehn Prozent ein. Laut Einordnung ringt Nike eher mit hausgemachten Problemen, einer trägen Entwicklung in China und der Marke Converse – trotzdem gilt: Wenn der Marktführer wackelt, werden die anderen automatisch mit angeguckt.
Bei DHL Group blieb die Reaktion klein, aber positiv: plus 0,1 Prozent, nachdem der US-Logistiker Fedex Zahlen und Ausblick vorgelegt hatte. JPMorgan-Analystin Alexia Dogani verwies auf weiter positive Trends bei Preisen und internationalen Sendungsvolumina – das könnte DHL Express in der Hochsaison Rückenwind geben. Kurz gesagt: Pakete und Preise scheinen zu passen, was für die Branche selten ein schlechtes Zeichen ist.
Spitzenreiter im Dax war RWE mit plus 1,9 Prozent. Der Kurs nimmt nach einem Rücksetzer vom Hoch seit 2011 wieder Schwung auf. Im SDax standen am Nachmittag zwei Bewegungen im Schaufenster: PVA Tepla sackte um 5,5 Prozent ab, 1&1 setzte seine Erholung fort, gewann 3,2 Prozent und steuerte damit auf sein jüngstes Mehrjahreshoch zu.
Indexumbauten: Mehr Bewegung zum Schluss
Nach Handelsschluss standen außerdem zahlreiche Änderungen in den Indizes an. In den MDax werden die Börsenneulinge Aumovio und TKMS aufgenommen, Gerresheimer und Hellofresh steigen in den SDax ab.
Ab Montag sind im SDax zusätzlich Ottobock, Tonies, Verbio und PSI Software enthalten. Raus müssen LPKF, Stratec, Thyssenkrupp Nucera, Formycon, Procredit und Amadeus Fire. Solche Umbauten können kurzfristig für Bewegung sorgen, weil viele Fonds Indizes nachbauen – sprich: Sie müssen kaufen oder verkaufen, egal ob ihnen der Titel gerade gefällt. Entscheidend wird sein, ob daraus mehr wird als ein kurzer Jahresend-Zuck, wenn nach Weihnachten wieder normaler Handel in den Markt kommt.

