Finanznachrichten für Aktien & Börse
Startseite
Kostenlose Aktien & Börsen-Reports
Börsen-Newsletter


4. Dezember 2025

DAX rennt los, knallt aber an die 24.000er-Betondecke – wie lange geht das noch gut?

DAX
Foto: depositphotos.com / MichaelGromball

Der DAX rennt wieder los – und knallt vermutlich erneut gegen seine gläserne 24.000er-Decke. Zum Handelsstart wird der Leitindex rund 0,5 Prozent höher bei 23.803 Punkten gesehen, so taxiert es der Broker IG. Gestern war der DAX im Tagesverlauf schon bis auf 23.838 Zähler geklettert und hatte den schwachen Monatsauftakt damit eigentlich wieder ausgebügelt. Am Ende war von der Erholung aber nur ein Mini-Minus übrig: Schlussstand 23.693 Punkte, ein Rückgang von 0,1 Prozent. Die Botschaft: Der Markt will nach oben, traut sich aber nicht richtig.

Auffällig ist, wie sehr viele Anleger auf der Bremse stehen. Marktbeobachter Timo Enden geht davon aus, dass dieses Hin und Her an der Börse vorerst bleibt. Zu größeren Einsätzen dürften sich Investoren seiner Einschätzung nach kaum durchringen, solange die gesamtwirtschaftliche Lage wacklig wirkt. Übersetzt: Die Zahlen geben kein klares Bild her, also bleibt der DAX in seiner Spanne gefangen – und die 24.000 Punkte sind mehr Drohkulisse als Zielmarke.

Wall Street setzt auf billigere Zinsen

In den USA sieht das deutlich anders aus: Dort hatten gestern klar die Käufer das Sagen. Der Dow Jones legte nach zähem Start um 0,9 Prozent zu und schloss bei 47.882 Punkten – dem höchsten Stand seit Mitte November. Der breite S&P 500 kam auf ein Plus von 0,3 Prozent und endete bei 6.849 Zählern. Der Technologiewerte-Index Nasdaq 100 rückte um 0,2 Prozent auf 25.606 Punkte vor. Alle drei großen Indizes stehen damit so hoch wie seit rund drei Wochen nicht mehr.

Der Motor dahinter ist eine Datenmischung, die an der Wall Street vielen passt. Die Industrieproduktion stieg im September leicht an – also: Die Fabriken arbeiten ein bisschen mehr als zuvor. Die Importpreise blieben im Vergleich zum Vormonat unverändert, Waren aus dem Ausland haben sich also unterm Strich weder verteuert noch verbilligt. Gleichzeitig meldete der private Dienstleister ADP, dass US-Unternehmen im Privatsektor Stellen abbauen – schon zum dritten Mal in vier Monaten. Dieser ADP-Bericht ist eine Art Vorgeschmack auf den offiziellen Arbeitsmarktbericht. Ökonom Sal Guatieri vom Finanzdienstleister BMO meint, genau dieser Rückgang könne die US-Notenbank Fed nächste Woche zu einer Zinssenkung bewegen. Die Fed versucht, mit höheren Zinsen die Inflation kleinzuhalten, ohne die Wirtschaft abzuwürgen – ein Drahtseilakt, bei dem jede neue Zahl die Stimmung blitzschnell dreht.

Ölmarkt: Politische Einschläge, steigende Preise

Parallel legt der Ölpreis wieder zu – nicht dramatisch, aber spürbar. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent verteuert sich um 0,4 Prozent auf 62,89 Dollar, US-Öl WTI steht ebenfalls 0,4 Prozent höher bei 59,21 Dollar. Der Auslöser ist eindeutig politisch: Die Ukraine hat die russische Druschba-Pipeline angegriffen, eine wichtige Leitung durch die Region Tambow. Ukrainische Militärquellen sprechen von einem Treffer, der Betreiber und ein ungarischer Ölkonzern betonen hingegen, die Lieferungen liefen normal weiter.

Für den Markt zählt vor allem die Unsicherheit. Dazu kommen die festgefahrenen Friedensgespräche zwischen den USA und Russland. US-Präsident Donald Trump erklärte nach einem Treffen seiner Gesandten im Kreml, wie es weitergeht, sei offen. In solchen Situationen schlägt die berühmte Risikoprämie zu: Öl wird teurer, weil Händler zusätzlich fürchten, dass aus einem einzelnen Zwischenfall eine längere Störung werden könnte. Selbst wenn physisch noch alles fließt, wird schon mal auf Vorrat ein höherer Preis verlangt.

Chevron setzt voll auf Bohrlöcher

Mitten in diese Lage hinein schiebt der US-Ölkonzern Chevron seinen Investitionsplan. Im kommenden Jahr sollen 18 bis 19 Milliarden Dollar ausgegeben werden – also eine zweistellige Milliardensumme – mit klarem Fokus auf die Förderung von Öl und Gas. Die Summe liegt am unteren Ende der bereits bekannten Spanne von 18 bis 21 Milliarden Dollar jährlich bis 2030. Rund 17 Milliarden davon sollen direkt in die Förderung gehen, etwa neun Milliarden allein in den USA.

Für die sogenannte Offshore-Produktion, also die Förderung auf See, plant Chevron sieben Milliarden Dollar ein. Das Geld soll unter anderem Projekte in Guyana, im östlichen Mittelmeer und im Golf von Mexiko voranbringen. Für Aktionäre heißt das: Chevron setzt darauf, dass sich das Geschäft mit Öl trotz Energiewende noch lange rechnet. Einerseits verspricht das stabile Cashflows, wenn die Nachfrage einigermaßen hoch bleibt. Andererseits steigt das Risiko, mit teuren Projekten auf hoher See irgendwann auf halbfertigen Anlagen zu sitzen, falls der Umbau des Energiesystems schneller Fahrt aufnimmt als gedacht.

MDAX bekommt neue Schwergewichte aus der zweiten Reihe

Während der DAX auf der Stelle tritt, wird im Nebenwerte-Segment kräftig umsortiert. Gleich drei Börsenneulinge des Herbstes bekommen noch vor Weihnachten einen festen Platz in den Aktienindizes der Deutschen Börse. Der vom Reifenkonzern Continental abgespaltene Autozulieferer Aumovio rückt am 22. Dezember in den MDAX auf. Ebenfalls neu im MDAX ist TKMS, der von Thyssenkrupp an die Börse gebrachte Hersteller von U-Booten und Fregatten. Das hat die Deutsche-Börse-Tochter ISS Stoxx bekanntgegeben.

Den Platz frei machen müssen zwei bekannte Namen. Der Düsseldorfer Verpackungsspezialist Gerresheimer rutscht in den SDAX ab, nachdem sich die Anlegerhoffnungen auf eine Übernahme zerschlagen haben. Mit ihm geht der Lebensmittel-Lieferdienst HelloFresh ebenfalls in den Kleinwerteindex SDAX. Dort taucht mit Ottobock ein weiterer Neuzugang auf: Der Prothesenhersteller ist das einzige Unternehmen, das im Herbst mit einem Börsengang in Frankfurt frisches Geld am Kapitalmarkt eingesammelt hat. Insgesamt sechs Werte müssen den SDAX verlassen, der DAX mit seinen 40 größten Titeln bleibt unverändert. Für Anleger, die gezielt auf kleinere und mittlere Werte setzen, verschiebt sich damit die Landkarte – an Aumovio, TKMS und Ottobock wird künftig kaum ein aktiver Stockpicker vorbeikommen.

In den kommenden Tagen wird sich zeigen, ob der DAX weiter zwischen Mut und Vorsicht pendelt oder ob eine der großen Kräfte den Ausschlag gibt: die Zinspolitik der Fed, die Lage am Ölmarkt oder die Umschichtungen in den Indizes. Klar ist nur eins: Ewig wird sich der Markt nicht zwischen Betondecke und Sprungbrett entscheiden können.