Finanznachrichten für Aktien & Börse
Startseite
Kostenlose Aktien & Börsen-Reports
Börsen-Newsletter


13. Januar 2026

Dax-Rekord trotz Krisenlärm: Warum der Markt einfach weiterzieht

DAX
Foto: Depositphotos.com / peterschreiber.media

Der deutsche Leitindex zieht durch, als würde er auf Autopilot laufen. Am Dienstag klettert der Dax im frühen Handel auf 25.428 Punkte und setzt damit den nächsten Rekord oben drauf – einen Tag nach dem vorherigen. Die Märkte wirken derzeit wie Leute, die sich Ohrstöpsel reinmachen und einfach weitertanzen, egal wie laut es draußen scheppert.

Die US-Börsen geben den Takt vor: Dow Jones und S&P 500 haben ebenfalls neue Höchststände markiert, Japans Märkte ziehen nach. Analyst Thomas Altmann bringt es auf den Punkt: Viele Anleger picken sich gerade nur die angenehmen Nachrichten raus und tun so, als wäre alles andere Hintergrundrauschen. Das ist eine Beobachtung, die man gerade an fast jeder Kursbewegung sehen kann.

Powell im Stress – der Markt zuckt nicht mal

Normalerweise würde die Schlagzeile „Notenbankchef droht Ärger“ reichen, um Händler nervös zu machen. Jerome Powell berichtet am Sonntag, dass ihm wegen angeblicher Probleme rund um Renovierungskosten am historischen Fed-Gebäude eine mögliche Anklage angedeutet wurde. Dazu noch der Hinweis, dass Präsident Donald Trump der Fed gern in die Zinsentscheidungen reinreden würde – Stoff für eine ordentliche Krise.

Aber nichts da. Die zuständige Staatsanwältin Jeanine Pirro schiebt die Anklage-Gerüchte umgehend vom Tisch: Niemand außer Powell habe das Wort überhaupt benutzt. Vorladungen habe es nur gegeben, weil die Fed zuvor Fragen zu den Kosten ignoriert habe. Juristisches Theater? Politisches Muskelspiel? Beides möglich. Doch die Börse stört sich nicht daran. Der Dax zuckt nicht mal.

Inflationsdaten stehen bevor – jetzt wird’s ernst

Spannend wird es am Nachmittag, wenn die neuen Inflationszahlen aus den USA kommen. Ökonomen erwarten ein Plus von 2,7 Prozent verglichen mit dem Vorjahr. Das ist weiterhin deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel der Fed. Die Landesbank LBBW weist darauf hin, dass dies die erste komplett regulär erhobene Zahl seit August ist – vorher funkte der US-Shutdown dazwischen und machte die Statistik wacklig.

Die große Frage lautet: Reicht diese Entwicklung für eine Zinssenkung? Aktuell spricht wenig dafür. Die meisten Experten gehen davon aus, dass die Fed im Januar stillhält. Die LBBW nennt es „abwarten und Leitzins halten“ – oder auf gut Deutsch: erstmal nichts anfassen, um keine unnötige Baustelle aufzumachen.

Ölpreise ziehen an – wegen Iran und Explosionsgefahr im Wortsinn

Parallel heben die Ölpreise ab. Nicht, weil Lieferungen ausfallen würden, sondern weil die Angst vor Störungen wächst. Brent steigt um 0,8 Prozent auf 64,37 Dollar, WTI um 1,1 Prozent auf rund 60 Dollar. Anleger reagieren hier fast reflexartig: Sobald im Nahen Osten etwas brennt oder knirscht, wird Öl teurer – selbst wenn noch kein Tanker stehen geblieben ist.

Im Iran gehen die Proteste weiter, ausgelöst durch eine harte Wirtschaftskrise. In vielen Städten krachen Demonstranten und Sicherheitskräfte frontal aufeinander. Laut Aktivisten gibt es mittlerweile rund 650 Tote. Der Staat geht massiv gegen die Unruhen vor. Dass der Ölmarkt da nervös wird, überrascht niemanden.

Symrise zieht an – trotz Abschreibungen

Während der Gesamtmarkt neue Höhen feiert, liefert Symrise die eigene Story des Tages. Der Duft- und Aromenhersteller will sein Terpenen-Geschäft abstoßen – das ist der Teil der Firma, der die Grundstoffe für viele Duft- und Geschmackskombinationen liefert. Dafür müssen sie Millionen abschreiben, was normalerweise den Kurs drücken würde. Dieses Mal aber nicht.

Weil Symrise gleichzeitig ein Aktienrückkaufprogramm ankündigt und der Verkaufsprozess laut Unternehmen schon weit fortgeschritten ist, springt die Aktie um rund sieben Prozent nach oben. Anleger hören „Rückkauf“ – und greifen zu. So simpel kann Börsenpsychologie manchmal sein.

Wie lange hält der Höhenflug?

Die eigentliche Bewährungsprobe steht nun bevor: die Inflationsdaten und die Reaktion der Fed. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der Dax nur ein starkes Momentum ausnutzt – oder ob dahinter mehr Substanz steckt.