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27. November 2025

Dax-Rally dank Ukraine-Hoffnung: Anleger feiern Friedensfantasie

DAX
Foto: depositphotos.com / MichaelGromball

Der Dax schüttelt seine Krisenlaune ab – zumindest für den Moment. Getrieben von neuen Hoffnungen auf ein Ende des Ukrainekriegs legte der Leitindex am Mittwoch den dritten Tag in Folge zu und schloss 1,11 Prozent höher bei 23.726,22 Punkten. Vom Tiefstand am Freitag, dem niedrigsten Niveau seit Anfang Mai, hat er sich damit spürbar gelöst. Das riecht nach Erleichterungsrally – garantiert ist aber noch nichts.

Druck aus Washington, Aufatmen in Frankfurt

Auffällig ist, wie direkt die politischen Signale diesmal durch die Kurstafeln schlagen. Die USA machen in den Gesprächen über ein Ende des russischen Angriffskriegs sichtbar Druck. Präsident Donald Trump schrieb auf seiner Plattform Truth Social, es gebe nur noch wenige strittige Punkte. Seine Unterhändler sollen sich bald zeitgleich mit Vertretern Russlands und der Ukraine treffen – ein diplomatisches Doppel, das viele Anleger als ernsthaften Vorstoß werten dürften.

Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners bringt die Stimmung auf den Punkt: „Viele, die zuletzt vergeblich nach Kaufargumenten gesucht haben, finden sie jetzt.“ Die Börsen seien „erstaunlich schnell erstaunlich optimistisch geworden“. Kurz gesagt: Die Hoffnung auf Frieden wird gerade gnadenlos eingepreist – obwohl noch kein einziges Dokument unterschrieben ist.

Stahl wird zum Anlegerliebling

So richtig zu sehen ist die neue Risikofreude bei den Stahlwerten. Thyssenkrupp sprang um 5,8 Prozent nach oben. Noch kräftiger zündete Salzgitter im SDax: plus 11,6 Prozent nach einer Kaufempfehlung der Deutschen Bank. Die Analysten sehen im Aktionsplan der EU-Kommission eine deutlich freundlichere Linie gegenüber der Stahlbranche. Übersetzt: weniger Gegenwind aus Brüssel, mehr Fantasie für Gewinne. Der Markt feierte das wie einen Befreiungsschlag.

Auch die erst kürzlich von Thyssenkrupp abgespaltene Marinewerft TKMS war gefragt. Die Aktie zog um 7 Prozent auf 64,15 Euro an. Die Deutsche Bank spricht nach dem vorherigen Kursrutsch von einer Einstiegschance und ruft ein Kursziel von 80 Euro aus. Das ist ein Wort – aber eben auch eine Wette darauf, dass der aktuelle Schwung nicht wieder in sich zusammenfällt.

Banken legen den Turbo ein

Zu den Gewinnern zählten auch die Banken. Im Dax führte die Commerzbank mit einem Plus von 5,8 Prozent das Feld an, die Deutsche Bank legte 2,5 Prozent zu. Typisches Muster: Sobald politische Risiken etwas weniger bedrohlich wirken, greifen Anleger gern zu sogenannten Zyklikern – also Branchen, die stark mit der Konjunktur schwanken. Banken sind da traditionell ganz vorne dabei.

Nicht jeder Problemfall lässt sich jedoch mit ein paar Friedenshoffnungen kaschieren. Die Puma-Aktie, zuletzt schwer geprügelt, kletterte im MDax zwar um 6,9 Prozent. Rückenwind kam von guten Zahlen des US-Modekonzerns Urban Outfitters. Trotzdem bleibt ein dickes Minus: Auf Jahressicht liegt Puma immer noch rund 62 Prozent hinten. Das ist eher ein kräftiger Satz nach oben in einem angeschlagenen Chart als eine echte Trendwende.

Immobilien bleiben Sorgenkind

Am anderen Ende des Tableaus stand Aroundtown. Die Aktie des Spezialisten für Gewerbeimmobilien sackte als Schlusslicht im MDax um 8,7 Prozent ab. Das operative Ergebnis fiel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück. Für Anleger ist das eine Erinnerung der unangenehmen Sorte: Wer mit Büros, Einkaufszentren und Co. sein Geld verdient, kämpft weiterhin mit strukturellen Problemen – von höheren Zinsen bis zu veränderten Arbeits- und Konsumgewohnheiten.

Europa und USA machen mit – vorerst

Der freundlichere Ton zeigte sich nicht nur im Dax. Der MDax der mittelgroßen Werte stieg zur Wochenmitte um 0,70 Prozent auf 29.220,00 Punkte. Der EuroStoxx 50 legte 1,47 Prozent zu, die Börsen in Zürich und London verbuchten kleinere Gewinne. In den USA lag der Leitindex Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss rund 0,8 Prozent im Plus. Die Laune an den Märkten: eher Champagner als Kamillentee.

Trotzdem bleibt ein dickes Fragezeichen stehen: Reicht die Aussicht auf Fortschritte in den Verhandlungen, um den Aufschwung länger zu tragen? Einerseits spricht viel dafür, dass die Börsen ein mögliches Kriegsende schon anteilig vorwegnehmen. Andererseits kann jede Verhandlungsrunde scheitern – und dann wäre der schöne Optimismus schneller weg, als der Dax diese drei Prozentpunkte wieder abgeben kann.

Die Antwort darauf kommt nicht aus dem Chart, sondern vom Verhandlungstisch. Die nächsten Tage werden zeigen, ob aus dieser Erleichterungsrally mehr wird als ein kurzes Strohfeuer.