25.000 Punkte – diese runde Zahl hängt über dem Dax wie ein Schild über der Tür: Reingehen darf er gern, aber drinbleiben muss er erst mal. Zum Wochenstart sieht es zumindest so aus, als hätte der Markt wieder Bock auf Risiko – trotz der jüngsten Zitterpartie bei KI, Silber und Krypto.
Der deutsche Leitindex startet am Montag mit 0,9 Prozent plus bei 24.941 Punkten. Am Freitag hatte er nach seiner Erholung knapp ein Prozent fester bei 24.721 Punkten geschlossen. Unterm Strich: Der Dax steht wieder da, wo er die 25.000 aus dem Augenwinkel sehen kann – aber ob das mehr wird als ein kurzer Besuch, ist offen.
Die vorherige Unruhe kam nicht aus der klassischen Dax-Ecke, sondern aus dem Bauch des globalen Zockermarkts: KI-Werte, Silber und Kryptos wurden teils kräftig abverkauft. Das drückt normalerweise auch auf Aktienindizes – diesmal allerdings weniger heftig als zunächst befürchtet. Und ja: Edelmetalle und Kryptowerte stabilisieren sich inzwischen wieder. Die Frage ist nur, ob das schon Trend ist oder bloß eine Pause, bevor der nächste Schlag kommt.
Umschichten statt panisch verkaufen
Im Markt passiert gerade etwas, das viele am Kurszettel gern übersehen: Es wird nicht zwingend „alles raus“ gedrückt, sondern eher „anders rein“. Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank, beschreibt es so: Anleger legen ihr Geld eher neu an, statt Aktien insgesamt zu verkaufen. Übersetzt für alle, die bei Börsensprech abschalten: Das Geld verschwindet nicht, es wandert nur – weg von den Gewinnern der letzten Monate, hin zu anderen Branchen.
Diese Rotation – also das Umschichten – kann den Dax stützen. Aber sie hat auch eine klare Kehrseite: Wenn die großen Tech- und KI-Gewinne als Treibstoff auslaufen, muss irgendwer anders den Motor am Laufen halten. Sonst wird aus der Erholung schnell wieder ein Stolpern.
Die 25.000 ist keine Ziellinie, sondern ein Test
Die 25.000 Punkte sind am Montag wieder erreichbar. Nur: Genau dort hat der Dax zuletzt mehrfach gezeigt, wie schnell Anleger nervös werden. Er ist zwar über die Marke gesprungen – aber eben oft nur kurz. Danach wurde kassiert, Gewinne mitgenommen, Feierabend. Das ist kein Drama, aber ein Muster. Und Muster sind an der Börse selten harmlos.
Technisch baut sich unterhalb immerhin ein Puffer auf: Die 200-Tage-Linie – ein viel beachteter Durchschnittswert, der grob zeigt, ob der Markt mittelfristig eher nach oben oder nach unten läuft – ist inzwischen über 24.000 Punkte gestiegen. Das schafft einen Unterstützungsbereich, also eine Zone, in der Käufer oft wieder zugreifen, wenn es ruckelt.
Ob das reicht, um den Index wirklich über 25.000 zu hieven und dort zu halten, entscheidet sich nicht an einem Vormittag. Spannend wird, ob der Dax diesmal mehr schafft als einen kurzen Blick über die Schwelle – und ob die Umschichtung in andere Branchen stabil bleibt, wenn bei KI, Silber oder Krypto der nächste Nervenzusammenbruch droht.

