Der Dax hat am Montag wieder einen draufgesetzt – und das Kuriose daran: Der Index feiert Konjunkturhoffnung, während im Hintergrund Kriege und Krisen weiter Druck auf die Weltlage machen. Börse kann eben beides zugleich: jubeln und zittern.
Am Ende stand ein Plus von 1,34 Prozent auf 24.868,69 Punkte – Rekordhoch. Das vorherige Allzeithoch hatte der deutsche Leitindex im Oktober erreicht. Rückenwind kam von zwei Seiten: von der Aussicht auf eine Belebung der deutschen Wirtschaft im neuen Jahr und von einem Rekordstand an den US-Börsen.
Schon gegen Ende 2025 hatten viele Anleger hierzulande die Wette platziert: Deutschland könnte wieder schneller laufen – dank schuldenfinanzierter Infrastruktur- und Rüstungsmilliarden der Bundesregierung und dank weniger Bürokratie. Übersetzt heißt das: mehr Aufträge, mehr Investitionen, weniger Papierkrieg. Ob daraus wirklich ein dauerhafter Schub wird, ist offen. Aber der Markt handelt erst mal die Hoffnung.
Rüstung knallt nach oben
Besonders gefragt waren erneut Rüstungsaktien. Rheinmetall schoss an die Dax-Spitze und legte um mehr als neun Prozent zu. Im MDax gehörten Renk (Panzergetriebe) und Hensoldt (Rüstungselektronik) zu den Topwerten – beide rund acht Prozent im Plus.
Dass diese Titel nach den Verlusten Ende vergangenen Jahres wieder anspringen, hat einen ziemlich nüchternen Grund: Der Ukraine-Krieg bleibt ungelöst. Solange das so ist, bleibt auch die Nachfrage-Fantasie für die Branche am Leben – und die Kurse reagieren wie ein Korken, der zu lange unter Wasser gedrückt wurde.
Dazu kommt der nächste Brandherd: die Eskalation zwischen den USA und Venezuela. US-Präsident Donald Trump droht nach dem Angriff auf Venezuela nun auch Kolumbien. Für Anleger ist das vor allem eines: ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor, der jederzeit neue Schockwellen schicken kann.
Öl im Blick, Nerven im Spiel
„Für die Finanzmärkte bedeutet dies vor allem eines: Unsicherheit“, sagte Analyst Frank Sohlleder vom Handelshaus ActivTrades. Entscheidend ist dabei Venezuelas Öl: Das Land hat große Reserven, und deshalb schauen Marktteilnehmer besonders auf die Energiepreise – und auf die Inflationserwartungen, also die Frage, wie stark die Preise künftig steigen könnten. Wenn Öl teurer wird, kann das die Teuerung anheizen. Und das wiederum kann an der Börse schnell die Stimmung drehen: mehr Kosten, mehr Druck, weniger Lust auf Risiko.
Trotzdem ging es an der Wall Street nach oben. Öl-Aktien legten nach dem Venezuela-Angriff zu und halfen damit auch dem Dow Jones auf Rekordkurs. Der Markt spielte also gleichzeitig das Krisenszenario (mehr Unsicherheit) und die Profiteur-Seite (Ölwerte im Aufwind).
Am Wochenende hatten die USA nach Angaben im Marktbericht mehrere Ziele in Venezuela angegriffen, den autoritären Präsidenten Nicolás Maduro gefangen genommen und außer Landes gebracht. Trump kündigte zudem an, US-Konzerne würden in den kommenden Monaten Milliardenbeträge in den Wiederaufbau des venezolanischen Ölsektors investieren.
Bei den Ölmultis stach Chevron heraus: Die Aktie gewann 4 Prozent und erreichte den höchsten Stand seit neun Monaten. Chevron ist das einzige große US-Ölunternehmen, das derzeit in Venezuela noch vertreten ist. Von der neuen Lage profitierten außerdem große Ausrüster und Zulieferer der Ölproduzenten – überall dort, wo bei Investitionen traditionell mitverdient wird.
In Deutschland zog der MDax der mittelgroßen Werte um 1,53 Prozent auf 31.454,32 Punkte an. Auch der Leitindex der Eurozone, der EuroStoxx 50, setzte seinen Rekordlauf fort. Außerhalb der Euroregion schloss der britische FTSE 100 ebenfalls mit Gewinnen, während der Schweizer SMI an seinem ersten Handelstag im neuen Jahr moderat nachgab.

