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30. Dezember 2025

DAX im Leerlauf – und trotzdem das beste Jahr seit 2019?

DAX
Foto: depositphotos.com / MichaelGromball

Der DAX trottet zwar nur im Schneckentempo durchs Ziel, aber die Jahresnote ist trotzdem sauber: rund 22 Prozent Plus stehen 2025 bislang auf dem Zettel. Das ist kein Zufall, sondern ein Statement – nur sieht man davon an diesen letzten Handelstagen kaum noch etwas, weil viele Profis längst die Monitore ausgemacht haben.

Zum Wochenstart nach den Feiertagen blieb der Markt entsprechend schmalbrüstig. Der Leitindex schloss mit plus 0,05 Prozent bei 24.351,12 Punkten, der MDAX stieg um 0,49 Prozent auf 30.452,53. Und es wird nicht mehr lange gespielt: Gehandelt wird nur noch bis Dienstag, 14 Uhr. Wer da auf große Kurssprünge hofft, setzt auf Zauberei.

Zwischen den Jahren regiert die Funkstille

Der dünne Handel ist das eigentliche Thema. Thomas Altmann von QC Partners verweist darauf, dass schon der Tag vor Weihnachten der zweitumsatzschwächste Handelstag im DAX war – und für den letzten Börsentag 2025 werden ebenfalls niedrige Umsätze erwartet. Übersetzt: Wenig Geld im Markt heißt, Bewegungen wirken größer oder kleiner, als sie wirklich sind. Das ist weniger Drama als Mechanik.

Trotzdem bleibt die Bilanz beeindruckend. Ein Jahresplus von etwa 22 Prozent wäre für den DAX das beste Jahr seit 2019 und schon das dritte Rekordjahr in Folge. Das Allzeithoch von Mitte Oktober bei 24.771 Punkten ist damit nicht weit weg. Die spannende Frage ist nur: Schafft es der Markt mit halber Besetzung noch einmal in Richtung Rekord – oder wird das Jahr einfach ordentlich zugemacht?

Auch der Blick nach Europa zeigt, wie heiß 2025 an vielen Plätzen lief. Warschau, Athen, Madrid und Prag legten laut Bericht zwischen 44 und 51 Prozent zu. Dagegen wirkt der DAX fast geschniegelt: stark, aber ohne Feuerwerk.

Wall Street tritt auf die Bremse, Fed liefert den nächsten Nervenkitzel

Aus den USA kam zum Wochenauftakt kein Schub. Nach den jüngsten Rekorden nutzten viele Anleger die Gelegenheit für Gewinnmitnahmen – also: Sie nehmen Geld vom Tisch, bevor’s knallt. Der Dow Jones fiel 0,57 Prozent auf 48.435,00 Punkte, der S&P 500 verlor 0,49 Prozent auf 6.896,23 Punkte, nachdem er zuvor bei knapp 6.946 Zählern ein Rekordhoch erreicht hatte. Der Nasdaq 100 gab 0,6 Prozent auf 25.486,21 Punkte nach. Wenn selbst Rekordstände sofort Kasse auslösen, ist die Stimmung eher „vorsichtig optimistisch“ als „alles rein“.

In dieser kurzen Woche rückt wieder die US-Notenbank ins Rampenlicht. Am Dienstag kommt das Protokoll der letzten Fed-Sitzung – im Klartext: das Sitzungs-Mitschreiben, aus dem Märkte herauslesen wollen, wie ernst es die Währungshüter meinen. Die Fed hatte Anfang des Monats die Zinsen gesenkt und nur eine weitere Senkung fürs kommende Jahr in Aussicht gestellt, während Händler mindestens zwei einpreisen. Diese Lücke ist giftig: Wenn Erwartungen und Ansagen auseinanderlaufen, wird’s schnell ungemütlich.

KI schiebt, Rüstung stolpert, Gold kühlt ab

Als Dauerbrenner bleibt Künstliche Intelligenz der große Kurstreiber. Nvidia löste Apple als wertvollstes Unternehmen der Welt ab. Alphabet folgt auf Platz 3 vor Microsoft. Europas schwerster Brocken ist ASML, in Deutschland führt SAP. Der Trend ist simpel: Wer Chips und Plattformen liefert, sitzt 2025 am großen Tisch.

Im DAX gab es aber auch Gegenwind – ausgerechnet bei Rüstungswerten. Rheinmetall, Hensoldt und Renk gehörten zu den Verlierern. Hintergrund: Gespräche zwischen US-Präsident Donald Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, nach einem Treffen in Florida zeigten sich beide zuversichtlich über Friedensverhandlungen. Klingt politisch nach Hoffnung, ist an der Börse für Rüstungsaktien eben ein Störsignal: Wenn Frieden realistischer wirkt, wird das Wachstumsszenario kleiner gerechnet.

Und dann noch die Edelmetalle: Gold rutschte 4,3 Prozent auf 4.336,12 Dollar, Silber sackte 7,91 Prozent auf 71,88 Dollar ab. Nach den jüngsten Rekorden wurden Gewinne eingesammelt – zumal beide 2025 schon absurd stark gelaufen sind: plus 67 Prozent bei Gold, plus 150 Prozent bei Silber. Entscheidend wird, ob das nur ein kurzes Abkühlen ist – oder der Moment, in dem die Party langsam die Musik leiser dreht.