Die Börse sucht heute nach frischen Geschichten – und hofft, dass sie ausgerechnet aus den Quartalszahlen kommen, während Politik und Konjunktur weiter Sand ins Getriebe streuen. Geopolitische Konflikte, innenpolitische Spannungen in den USA und jetzt auch miese Signale aus der deutschen Wirtschaft sorgen dafür, dass viele Marktleute lieber erst mal auf Nummer sicher gehen.
So sah auch der Wochenstart aus: Der Dax trat am Montag praktisch auf der Stelle und schloss bei 24.933 Punkten nahezu unverändert. Am Dienstag wird der Leitindex auf außerbörslichen Plattformen vorbörslich ebenfalls kaum bewegt gehandelt (also bevor der reguläre Handel richtig losgeht).
Im Tagesverlauf schauen Anleger vor allem auf die Unternehmensseite: Eine ganze Reihe von Konzernen – vor allem aus den USA – legt am Dienstag Quartalszahlen vor. Dazu kommen US-Konjunkturdaten wie das Verbrauchervertrauen und der Hauspreisindex. In Europa stehen neben einer Rede von Bundesbankpräsident Joachim Nagel auch die Gespräche zwischen EU und Indien über ein Freihandelsabkommen auf dem Zettel.
New York: Wall Street hält den Kopf oben
In Erwartung wichtiger Firmenbilanzen und der nächsten Zinsentscheidung der US-Notenbank startete die Wall Street mit Zugewinnen in die Woche. Die großen Indizes blieben bis zum Handelsschluss stabil und leicht im Plus.
Der Dow Jones schloss am Montag 0,6 Prozent höher bei 49.412 Punkten. Der S&P 500 stieg um 0,5 Prozent auf 6950 Punkte, der Nasdaq legte 0,4 Prozent auf 23.601 Zähler zu. Allein in dieser Woche berichten 90 Unternehmen aus dem S&P 500 – darunter Apple, Meta, Tesla und Microsoft. Und genau da liegt der Nerv: Die Tech-Riesen trieben jahrelang die Gewinne, aber Ende 2025 wackelte das Vertrauen. Viele Anleger fragten sich, ob die massiven KI-Investitionen am Ende wirklich genug Rendite bringen – oder ob da teure Luftschlösser gebaut werden.
Asien: Rückenwind – bis Trump den Zollhammer auspackt
Die Hoffnung auf starke Zahlen der US-Technologiekonzerne gab den asiatischen Börsen am Dienstag Schub. Gleichzeitig drückte eine neue Zoll-Ansage aus Washington auf die Stimmung: Präsident Donald Trump kündigte spät am Montag neue US-Zölle gegen Südkorea an.
Zur Begründung hieß es, Südkorea halte sich nicht an das Handelsabkommen. Die Zölle auf Importe wie Autos, Holz und Pharmazeutika sollen auf 25 Prozent steigen. Trotzdem fingen sich die Märkte nach anfänglichen Verlusten wieder: In Tokio stieg der Nikkei um 0,5 Prozent auf 53.123,24 Punkte, der Topix um 0,2 Prozent. Der südkoreanische Kospi notierte zuletzt 0,8 Prozent fester. Chinas Börsen zeigten sich dagegen wenig verändert.
Quartalszahlen: Heute kommt viel auf einmal
Am Dienstag legt eine Reihe von Unternehmen Zahlen vor, vor allem aus den USA. Bei Boeing dürfte besonders spannend werden, ob die Führung ähnlich düstere Töne anschlägt wie das Management von Airbus in einem internen Brief an die Belegschaft.
Ebenfalls mit Zahlen: LVMH, United Health, RTX, Texas Instruments, Next Era Energy, Union Pacific, HCA Healthcare, Atlas Copco, Northrop Grumman, UPS, General Motors, Sandvik AB, Kimberly-Clark, Sage Group und Invesco.
US-Daten: Stimmung der Konsumenten und der Blick aufs Eigenheim
In den USA liefert das Verbrauchervertrauen des Conference Boards ein Stimmungsbild – eine Umfrage, ob die Leute eher optimistisch sind oder sich Sorgen machen. Außerdem kommt der Hauspreisindex für November von der zuständigen US-Bundesbehörde, also ein Maß dafür, wie sich Immobilienpreise entwickelt haben.
Dazu veröffentlichen die regionalen Notenbanken von Dallas und Richmond weitere Konjunkturindikatoren – keine Glamour-Zahlen, aber oft gute Frühwarnsignale dafür, ob die Wirtschaft gerade Fahrt aufnimmt oder stolpert.
EU–Indien: Zölle runter, Deal rauf?
Indien will Importzölle auf Autos aus der EU drastisch senken. Im Rahmen eines Freihandelsabkommens sollen die Abgaben von bis zu 110 auf 40 Prozent fallen.
Schon am Dienstag könnten beide Seiten den Abschluss der langwierigen Gespräche für das Abkommen bekanntgeben. Für Unternehmen wäre das mehr als Folklore: Zölle sind am Ende schlicht Preisaufschläge – und die entscheiden mit, wer seine Ware überhaupt konkurrenzfähig loswird.
Nagel in Berlin: Digitaler Euro als Reizthema
Bundesbankpräsident Joachim Nagel hält in Berlin einen Impulsvortrag zu gemeinsamen Plänen mit der Europäischen Zentralbank für einen digitalen Euro – vereinfacht gesagt: eine staatlich gestützte Digital-Variante von Geld, die neben Bargeld existieren könnte.
Anschließend sitzt Nagel in einer Podiumsdiskussion zum digitalen Euro. In Teilen der Bankbranche ist das Projekt sehr unbeliebt – da geht’s um Kontrolle, Kosten, Technik und am Ende auch um Macht über Zahlungsströme.

