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5. Januar 2026

BYD überholt Tesla: Der E-Auto-Thron ist weg

Tesla
Foto: depositphotos.com / jetcityimage2

Tesla hat sich jahrelang als Taktgeber der E-Auto-Welt inszeniert – und steht jetzt ziemlich nüchtern vor der Realität: Der Chinese BYD ist bei reinen Elektroautos vorbeigezogen. Tesla lieferte 2025 rund 1,64 Millionen Wagen aus. Das sind 8,6 Prozent weniger als im Vorjahr – und bereits das zweite Jahr in Folge mit sinkendem Absatz.

BYD setzte im selben Zeitraum 2,26 Millionen Elektroautos ab, ein Plus von fast 28 Prozent. Damit ist Tesla erstmals nicht mehr die Nummer eins. Und BYD hat noch ein zweites Standbein: Plug-in-Hybride – also Autos, die elektrisch fahren können, aber zur Not auch noch Benzin verbrennen. Davon verkauft BYD ungefähr genauso viele wie reine Stromer. Unterm Strich kommt der Konzern damit auf 4,55 Millionen Pkw, knapp sieben Prozent mehr als 2024.

Konkurrenz frisst Tesla – und Musk hilft nicht gerade

Der Preisdruck aus China ist der offensichtliche Faktor: BYD und andere bieten ähnliche Autos oft günstiger an. Nur: Bei Tesla kommt ein hausgemachtes Problem dazu. Elon Musk ist längst nicht nur Autochef, sondern auch Polit-Reizfigur. Er war zeitweise Berater von US-Präsident Donald Trump und unterstützte in Europa rechtspopulistische Politiker. Das dürfte Käufer vergrault haben, die mit der Marke eigentlich etwas anderes verbinden wollten.

Dazu wirkt Teslas Modellpalette alt. Wer heute ein Auto kauft, schaut auf frische Technik, neue Innenräume, bessere Reichweiten. Wenn dann nebenan der Konkurrent moderner aussieht und weniger kostet, wird’s für Tesla schnell eng.

Europa: Tesla rutscht ab, BYD marschiert

Besonders deutlich sieht man den Stimmungswechsel in Europa. In den ersten elf Monaten 2025 brachen Teslas Verkäufe in der EU um fast 39 Prozent ein. Gleichzeitig legte der gesamte Elektroauto-Markt dort um 28 Prozent zu. Tesla kam nur noch auf etwa 129.000 Fahrzeuge – und lag damit nur knapp vor BYD mit fast 111.000. Der Clou: BYD steigerte seine Verkäufe in der EU um 240 Prozent.

Heißt: Tesla verliert nicht „ein bisschen“, sondern rutscht in einem wachsenden Markt nach unten. Das ist kein Ausrutscher, das ist ein Warnsignal.

Schlussquartal schwach – und der Steuervorteil ist weg

Im vierten Quartal 2025 lief es besonders mies: Tesla lieferte 418.200 Fahrzeuge aus, 15,6 Prozent weniger als im Schlussquartal 2024. Ein Grund: Ende September strich US-Präsident Trump die Elektroauto-Steuergutschrift, die noch von Vorgänger Joe Biden eingeführt worden war. Die 7.500-Dollar-Prämie war für viele Käufer ein echter Kaufanreiz – fällt sie weg, wird der Markt sofort zäher. Tesla rechnet selbst mit „ein paar schwierigen Quartalen“.

Dabei hatte der Konzern im dritten Quartal 2025 noch ein Rekordquartal hingelegt – mit mehr als 497.000 Auslieferungen. Offenbar wollten viele in den USA die Förderung noch schnell mitnehmen. Und schon zu Beginn von 2025 gab es einen Dämpfer: In allen Werken wurden Produktionslinien umgerüstet, weil das überarbeitete Model Y anstand.

Preis runter, Ausstattung runter – Marge in Gefahr

Musk versucht in Europa gegenzusteuern, indem Tesla die Preisschilder neu sortiert. Im Herbst kamen günstigere „Standard“-Varianten von Model Y und 3. Die kosten ein paar Tausend Euro weniger, haben aber auch weniger Ausstattung. Das Problem dahinter: Weniger Ausstattung heißt oft auch weniger Gewinn pro Auto – die Marge (also das, was nach Kosten hängen bleibt) gerät unter Druck.

Schon im dritten Quartal 2025 verdiente Tesla unterm Strich nur noch knapp 1,4 Milliarden Dollar. Das waren 37 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Robotaxis, Roboter, Visionen – aber die Straße ist hart

Musk sagt, Tesla sei im Umbruch: Weg vom reinen Autoverkauf, hin zu autonomen Fahrzeugen und Robotern. Im Sommer startete Tesla in Austin (Texas) einen Robotaxi-Dienst. Klingt nach Zukunft, hat aber Haken: Anders als bei Waymo sitzt dort noch ein Sicherheitsfahrer an Bord. Außerdem fährt Tesla nur mit ein paar Dutzend Robotaxis herum – Waymo kommt auf mehr als 2.500 fahrerlose Wagen.

An der Börse zieht die Story trotzdem: Die Tesla-Aktie notiert fast 50 Prozent über dem Stand von vor sechs Monaten und liegt wieder auf dem Niveau von vor einem Jahr.

BYD vorn – aber nicht unverwundbar

Trotz des Überholens steht auch BYD unter Druck. Konzernweit kämpft der Hersteller seit zwei Quartalen mit schrumpfenden Gewinnen. Im Dezember gingen die Verkäufe im Heimatmarkt den achten Monat in Folge zurück. Im Herbst senkte BYD seine Jahresziele – auch, weil Rivalen wie Geely oder der Volkswagen-Partner SAIC zu Hause immer stärker werden. Dazu bremsen Handelsbarrieren die Expansion. Immerhin: 2025 lagen die Auslandsverkäufe erstmals bei mehr als einer Million Fahrzeugen.

Analysten erwarten, dass BYDs Vorsprung 2026 eher wächst: rund 5,3 Millionen Verkäufe insgesamt – also fast eine Million mehr als 2025. Tesla trauen Branchenkenner nur einen leichten Anstieg auf etwa 1,8 Millionen zu. Vor zwei Jahren waren Prognosen für 2026 bei Tesla noch bei mehr als drei Millionen Pkw.

Assistenzsysteme: Tesla hängt ausgerechnet in China

Ein Knackpunkt sind Assistenzsysteme. BYD liefert seine Helferlein oft serienmäßig aus – also ohne Aufpreis. Tesla verlangt dafür vielerorts extra. Und in China hat Tesla für diese Systeme noch keine vollständige Zulassung.

In der Volksrepublik wird’s ohnehin für alle härter: Zum Jahreswechsel hat Peking steuerliche Anreize für E-Autos weiter reduziert. Gleichzeitig drängen massenhaft neue Modelle auf den Markt, auch von BMW und Mercedes-Benz. Schon heute verdienen Hersteller in China kaum Geld. Staatliche Subventionen und ein brutaler Preiskampf machen den Markt zum Haifischbecken: mehr als 100 Marken wollen dort Autos verkaufen.