Der chinesische E-Autoriese BYD tritt im Februar kräftig auf die Bremse – und das ausgerechnet dann, wenn in China jeder Hersteller dem anderen die Kunden aus der Hand reißen will.
Laut einer Börsenmitteilung, auf die Reuters verweist, sind BYDs Februar-Verkäufe um 41,1% gegenüber dem Vorjahr eingebrochen. Das ist der sechste Rückgang in Folge – und der stärkste seit Februar 2020, als Corona den Markt kalt erwischte. Klar ist auch: In China sind die Zahlen rund um das Neujahrsfest oft wie ein Gummiband – mal schnellt es hoch, mal knallt es runter, je nachdem, wie die Feiertage liegen. Nur: Bei BYD wirkt das nicht mehr wie ein einmaliger Ausrutscher, sondern wie ein Trend. In den ersten zwei Monaten liegt der Hersteller Reuters zufolge global 35,8% unter Vorjahr – so schwach war dieser Zeitraum seit 2020 nicht mehr.
Heimatmarkt: genau da tut’s weh
Der eigentliche Schlag kommt von da, wo BYD normalerweise die Muskeln spielen lässt: aus China. Reuters nennt für Februar einen Rückgang um 65% auf 89.590 Fahrzeuge. Schon im Januar ging es deutlich abwärts (-53,2%), und Geely hat BYD Reuters zufolge sogar als größten Autobauer in China überholt. Man muss kein Autonerd sein, um zu merken: Wenn der Heimatmarkt so wegbricht, ist das kein kleines Kratzen am Lack, sondern ein echtes Problem.
Immerhin: Im Ausland läuft es deutlich besser. Reuters spricht von robustem Wachstum bei den Auslandszahlen und nennt 100.600 Fahrzeuge im Februar. Das ist das Gegengewicht – aber die Frage bleibt trotzdem: Kann BYD draußen so schnell wachsen, dass es die Delle zu Hause ausbügelt?
Preis-Kampf statt Schulterklopfen
Wer im Moment in China Autos verkaufen will, kommt am Preis nicht vorbei – oder genauer: an der Finanzierung. BYD hat sich Reuters zufolge einem siebenjährigen Niedrigzins-Programm angeschlossen, das Tesla im Januar angestoßen hat. Heißt übersetzt: Kunden sollen leichter unterschreiben, weil die monatliche Rate hübscher aussieht. Das ist kein glamouröses Innovationsfeuerwerk, sondern eher der Beweis, wie hart der Wettbewerb geworden ist.
Und weil der Technikvorsprung nicht mehr so bequem ist wie früher, soll jetzt wieder mit neuen Ideen gepunktet werden. Reuters schreibt, BYD werde später im März größere Technik-Innovationen vorstellen. Das kann ein Befreiungsschlag werden – oder ein Rohrkrepierer, wenn die Konkurrenz sofort nachzieht und am Ende alle wieder gleich gut sind.
Regulierer mischen mit, BYD sucht Luft im Ausland
Dass es in China so ruppig zugeht, bleibt auch den Behörden nicht verborgen. Reuters berichtet, chinesische Regulierer hätten neue Preisregeln eingeführt und die Kontrolle verschärft, wenn Neuwagen als Gebrauchtwagen exportiert werden. Dahinter steckt der Versuch, die Branche weg von der Rabattschlacht zu schieben – hin zu Wert statt Verramschen, zumindest auf dem Papier.
BYD wiederum drückt parallel im Ausland aufs Gas, um sich unabhängiger vom Heimatmarkt zu machen. Reuters erwähnt außerdem: BYD und Geely gehören zu den Finalisten im Rennen um den Kauf eines Nissan–Mercedes-Benz-Werks in Mexiko. Entscheidend wird jetzt, ob die angekündigten Technik-Neuheiten im März wirklich zünden – oder ob die nächsten Monatszahlen zeigen, dass BYD erst mal weiter Gegenwind frisst.

