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4. Dezember 2025

Börsenparty vorbei, Arbeitstempo hoch: Warum TKMS nach dem Hype plötzlich wieder interessant wird

Die TKMS-Unternehmenszentrale. Foto: © thyssenkrupp Materials Services

TKMS hat an der Börse den Turbo rausgenommen und rollt wieder fast im Schritttempo – ausgerechnet in dem Moment, in dem der Aufstieg in den MDax greifbar wird. Der Kurs liegt wieder nahe am Ausgabepreis, die Stimmung ist deutlich abgekühlt. Und genau das macht die Aktie jetzt spannend.

Zum Start war die Euphorie groß: 60 Euro Emissionspreis, am ersten Handelstag kurzfristig rund 50 Prozent darüber – klassischer Börsenauftakt mit Partylaune. Inzwischen hat der Titel vom Hoch etwa ein Viertel verloren und lag zwischenzeitlich sogar unter dem Ausgabepreis. Auch Aumovio, ebenfalls frisch abgespalten, hat seit dem Debüt rund zehn Prozent abgegeben. Von Dauerfeuer kann also keine Rede mehr sein.

MDax als möglicher Karrieresprung

Mitten in dieser Verschnaufpause nimmt sich die Deutsche Börse die Indizes vor. Bei der regulären Überprüfung geht es für TKMS und Aumovio um einen Platz im MDax. Im Gegenzug könnten Gerresheimer und HelloFresh rausfliegen. Das ist kein Schönheitswettbewerb für Kurslisten, sondern knallharte Geldströme: Viele Fonds dürfen nur Aktien kaufen, die in bestimmten Indizes vertreten sind. Rutscht TKMS in den MDax, muss ein Teil dieses Kapitals nachziehen.

Für einen Wert, der gerade erst wieder an der Emissionsmarke herumdümpelt, wäre das ein deutliches Signal. Aber klar ist auch: Nur weil mehr Indexfonds zugreifen, wird aus einer Aktie noch kein Selbstläufer. Entscheidend bleibt, ob das Geschäft die größere Bühne rechtfertigt.

Rüstungssektor im Zappelmodus

Der Kursknick hat weniger mit hausgemachten Problemen zu tun als mit einem nervösen Gesamtmarkt für Verteidigungswerte. Rüstungsaktien sind derzeit im Zappelmodus, die Kurse springen stärker als die Nachrichtenlage das hergibt.

Ein Beispiel: Der mögliche Großauftrag aus Polen für neue U-Boote ging an den Rivalen Saab, TKMS ging leer aus. Normalerweise wäre das der Stoff für eine saftige Kursklatsche. Diesmal hielten sich die Reaktionen in Grenzen – ein Hinweis darauf, dass Anleger das Grundvertrauen in die Story nicht verloren haben.

Projekte in Kanada und Indien

Stattdessen rücken andere Dossiers in den Vordergrund. Kanada denkt über die Beschaffung von bis zu zwölf U-Booten nach. TKMS tritt dort gegen südkoreanische Anbieter an, es geht um ein Volumen in Milliardenhöhe. In Indien steht das Unternehmen schon eine Runde weiter: Mit der Werft Mazagon Dock Shipbuilders laufen seit Mitte September Vertragsverhandlungen, TKMS scheint sich in diesem Wettbewerb durchgesetzt zu haben.

Die spannende Frage lautet: Wie viel von dieser Projekt-Pipeline landet am Ende tatsächlich im Auftragseingang – und wie viel versandet in Ausschreibungen, Politik und Bürokratie?

Auftragsstau statt Auftragsflaute

An Arbeit mangelt es jedenfalls nicht. Zum 25. Juni lag der Auftragsbestand bei 18,6 Milliarden Euro. Übersetzt heißt das: Die Werften haben für Jahre mehr Bauaufträge im Buch, als sie kurzfristig abarbeiten können. Getrieben wird das weniger von den aktuellen Kriegen als von Verteidigungsplänen und Nato-Vorgaben, die Flotten modernisieren und Lücken schließen sollen.

Am 8. Dezember legt das Management um Oliver Burkhard die Zahlen für das Geschäftsjahr 2024/2025 vor, das am 30. September endete. Analysten rechnen mit rund 2,2 Milliarden Euro Umsatz. Das liegt etwas über der eigenen Ansage eines moderaten Wachstums im Vergleich zu den 1,99 Milliarden Euro aus dem Vorjahr. Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern wird ein deutlich kräftigerer Sprung erwartet: Das Ebit soll um etwa 16 bis 74 Prozent zulegen – eine stattliche Bandbreite, aber klar nach oben gerichtet.

Bewertung mit Luft nach oben – wenn die Story hält

An der Börse wird das mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 28 für die kommenden vier Quartale bezahlt. KGV heißt übersetzt: Wie oft ist der erwartete Jahresgewinn im Aktienkurs eingepreist. 28 ist kein Schnäppchen, aber im Branchenvergleich nicht abgehoben. Huntington Ingalls in den USA wirkt günstiger, wächst dafür aber langsamer. Fincantieri ist teurer bewertet.

TKMS selbst stellt in Aussicht, den Umsatz mittelfristig im Schnitt um etwa zehn Prozent pro Jahr zu steigern und eine Ebit-Marge um sieben Prozent zu erreichen – also sieben Euro operativen Gewinn je 100 Euro Umsatz. Klingt ordentlich, steht aber unter einem großen Vorbehalt: Verteidigungsetats sind politisch, Projekte können sich verzögern oder komplett kippen.

Gerade deshalb dürfte der aktuelle Rücksetzer für viele Anleger weniger wie ein Alarmzeichen wirken, sondern eher wie ein Stresstest: Wer an die langfristige Nachfrage nach Marineschiffen glaubt und dem Management zutraut, die prall gefüllten Auftragslisten in Gewinne zu verwandeln, findet den Einstieg heute deutlich entspannter als am ersten Handelstag. Spannend wird, ob TKMS mit Zahlen, neuen Aufträgen und einem möglichen MDax-Einzug genug Munition liefert, um aus der Kursdelle einen echten Neustart zu machen.