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25. März 2026

Börsen feiern Waffenruhe-Hoffnung – aber dieser Haken bleibt

Aktien

Die Börsen springen an, der Ölpreis sackt ab – und trotzdem traut dem Frieden noch kaum jemand. Genau das ist der Kern dieser Marktreaktion: Die Hoffnung auf eine Feuerpause im Krieg zwischen den USA und Iran sorgt zwar für Erleichterung, aber von echter Entwarnung kann keine Rede sein.

Auslöser sind Berichte, wonach Washington auf eine einmonatige Waffenruhe drängt und Teheran dafür einen 15-Punkte-Plan übermittelt haben soll. Das klingt nach Bewegung in einer Lage, die zuletzt eher nach Eskalation roch. Für die Märkte ist so etwas sofort relevant, weil mit jeder Aussicht auf Deeskalation auch die Chance wächst, dass die Ölexporte aus der Golfregion wieder verlässlicher laufen.

Erleichterung ja, Entwarnung nein

Entsprechend fiel die erste Reaktion freundlich aus, aber eben nicht völlig entfesselt. Die S&P-500-Futures legten im Asienhandel um 0,7 Prozent zu, die europäischen Futures stiegen um 1,2 Prozent und die FTSE-Futures um 0,7 Prozent. Der Nikkei sprang um 3 Prozent, die Börsen in Australien und Südkorea gewannen jeweils rund 2 Prozent. Gleichzeitig rutschte Brent um 5 Prozent auf 99 Dollar je Barrel ab. Das ist ein kräftiger Zug nach unten, aber noch lange kein Zeichen dafür, dass der ganze Krisenaufschlag wieder aus dem Ölpreis raus ist.

Denn genau da liegt der Haken: Der Markt handelt gerade jede neue Schlagzeile, aber noch keine belastbare Lösung. Iran bestreitet direkte Gespräche mit den USA, aus Teheran kommen also weiter andere Töne als aus Washington. Wer daraus schon eine stabile Wende ableiten will, geht ziemlich weit vor die Musik. Die Anleger reagieren, aber sie marschieren nicht blind nach vorne.

Der Ölmarkt bleibt unter Spannung

Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil Brent trotz des Rücksetzers seit Kriegsbeginn immer noch rund 35 Prozent im Plus liegt und weiter nahe an der Marke von 100 Dollar notiert. Mit anderen Worten: Der Ölmarkt hat etwas Druck abgelassen, aber die Nervosität ist noch voll da. Der Dollar gibt diese Woche nur leicht nach und hielt sich im Asienhandel bei 158,9 Yen sowie 1,1594 Dollar je Euro. Auch das zeigt: Der große Befreiungsschlag sieht anders aus.

Am Anleihemarkt herrscht ebenfalls keine lockere Feierlaune. Die Erwartungen bleiben straff: In Europa, Großbritannien, Japan und Australien preisen die Märkte weitere Zinsschritte ein, um die Inflation im Zaum zu halten. In den USA rechnen Investoren derzeit nicht mit weiteren Zinssenkungen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel in Tokio um rund 4,4 Basispunkte auf 4,35 Prozent, bei zweijährigen Papieren ging es auf 3,87 Prozent runter. Das ist kein Crash-Signal, aber eben auch kein Umfeld, in dem Anleger sorglos alles kaufen, was gerade hochzuckt.

Stress im Hintergrund wächst weiter

Unter der Oberfläche rumort es ohnehin an einer zweiten Front: im Kreditmarkt. Die Kriegsschlagzeilen haben zuletzt verdeckt, dass sich dort ebenfalls Stress aufbaut, vor allem im Bereich Private Credit. Ares Management begrenzte am Dienstag Auszahlungen aus einem Private-Debt-Fonds und lieferte damit den nächsten Warnhinweis, dass die Risse im Finanzsystem größer werden könnten, wenn die Unsicherheit anhält. Die Aktie von Ares verlor 1 Prozent und liegt im laufenden Jahr bereits 36 Prozent im Minus. Für einen Konzern mit rund 623 Milliarden Dollar verwaltetem Vermögen zum Jahresende 2025 ist das keine Kleinigkeit.

Unterm Strich bleibt ein Markt, der auf Hoffnung anspringt, aber auf Sicht fährt. Einerseits sorgt die Aussicht auf eine Feuerpause für Rückenwind bei Aktien und nimmt dem Ölpreis etwas von seiner Panik. Andererseits ist noch völlig offen, ob daraus wirklich mehr wird als ein kurzer Lichtblick. Die kommenden Tage dürften zeigen, ob das nur ein headline-getriebenes Aufatmen war – oder der erste ernsthafte Schritt raus aus einem Konflikt, der die Märkte seit Wochen im Würgegriff hält.