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18. März 2026

Boeing verschiebt die Wende erneut – und die Aktie zahlt die Rechnung

Boeing
Foto: Depositphotos.com / rokas91

Boeing kriegt die Kurve weiter nicht so schnell, wie der Markt es gern hätte. Gerade als es so aussah, als könne der Flugzeugbauer langsam wieder Richtung Normalität rollen, kommt der nächste Dämpfer: Die zivile Flugzeugsparte soll nun erst 2027 profitabel werden. Bislang stand 2026 im Raum. Der Grund ist unerquicklich, aber handfest: Die Übernahme des Zulieferers Spirit AeroSystems wird teurer als gedacht. Das ist keine kleine Korrektur am Rand, sondern ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, wie zäh diese Sanierung noch immer läuft.

Dabei wirkt das Bild auf den ersten Blick fast widersprüchlich. Boeing will die Produktion der 737 MAX von rund 42 auf 47 Maschinen pro Monat hochfahren, voraussichtlich irgendwann zur Jahresmitte. Für 2026 peilt der Konzern rund 500 Auslieferungen an. Das klingt nach Vorwärtsgang. Nur: Gleichzeitig dürfte die Sparte im ersten Quartal eine operative Marge von minus 7,5 bis 8 Prozent einfahren. Anders gesagt: Mehr Flugzeuge, aber finanziell weiter tief im Keller. Nach 632 Millionen Dollar Verlust im Jahr 2025 und 2,1 Milliarden Dollar Minus 2024 ist das kein kleiner Kratzer, sondern weiter ein ziemlich hässliches Loch in der Bilanz.

Baustellen ohne Ende

Noch unangenehmer wird es beim Blick auf die vielen offenen Baustellen. Bei rund 25 Maschinen wurden beschädigte Kabel entdeckt, was die Auslieferungen im ersten Quartal drückt. Auf Jahressicht soll das laut Finanzchef keine großen Folgen haben. Mag sein. Aber genau solche Geschichten sind es, die bei Boeing seit Jahren immer wieder den Eindruck erzeugen, dass der Laden einfach nicht sauber durchläuft. Kaum scheint ein Problem halbwegs eingefangen, steht schon das nächste auf der Matte.

Auch bei den noch ausstehenden MAX-Versionen 737-7 und 737-10 bleibt Boeing im Wartesaal. Die Zertifizierung soll in der zweiten Jahreshälfte kommen, die Auslieferungen dann 2027 anlaufen. Das ist wichtig, weil diese Modelle für das Programm keine Nebensache sind. Bevor die US-Luftfahrtbehörde FAA grünes Licht gibt, müssen noch Systeme wie Autopilot und Enteisung im Flug getestet werden. Klingt technisch, ist aber schlicht die Frage, ob die Maschinen am Ende vollständig abgenommen werden. Genau daran hing es bei Boeing zuletzt immer wieder.

Auch der Dreamliner holpert

Beim 787 Dreamliner läuft es ebenfalls nicht rund. Im ersten Quartal sollen statt der ursprünglich angepeilten 20 nur etwa 15 Maschinen ausgeliefert werden. Diesmal bremsen Verzögerungen bei der Zertifizierung von Premium-Sitzen. Auch das passt ins Muster: Nicht ein großer Totalausfall, sondern viele kleine Störungen, die sich summieren und die Erholung ausbremsen. Boeing will die Produktion der 787 zwar bis Ende 2026 von derzeit acht auf zehn Jets pro Monat steigern. Nur bringt auch das wenig, wenn Lieferkette und Zulassungen weiter stolpern.

Besonders bezeichnend ist, dass Boeing vorerst gar kein neues Flugzeugprogramm starten will. Weder die Airlines noch die Technik noch Boeing selbst seien dafür bereit, heißt es. Übersetzt heißt das: Der Konzern hat im Moment ganz andere Sorgen, als eine neue große Zukunftsstory auf die Bühne zu stellen. Erst einmal muss das bestehende Geschäft stabil laufen. Genau darauf liegt jetzt der volle Fokus: Produktion hochfahren, Zertifizierungen durchziehen, bestehende Modelle ausliefern, keine neuen Eskapaden.

Die Vergangenheit fliegt mit

Und dann ist da noch die Vergangenheit, die Boeing einfach nicht loswird. Die MAX-Abstürze von 2018 und 2019 mit insgesamt 346 Toten hängen weiter über dem Konzern. Dazu kam Anfang 2024 der erneute Schock, als bei einer 737 MAX 9 im Flug ein Kabinenpanel herausriss. Jetzt dürfen auch Aktionäre per Sammelklage weiter gegen Boeing vorgehen, weil der Konzern Sicherheitsmängel bei der 737 MAX verschleiert haben soll. Solche Altlasten verschwinden nicht, nur weil die Produktion mal ein paar Takte schneller läuft.

Für Anleger ist die Lage damit klarer, aber nicht unbedingt schöner. Einerseits kommt Boeing operativ voran, zumindest beim geplanten Produktionshochlauf. Andererseits wird die Rechnung für die Rückkehr in ruhigeres Fahrwasser erneut später präsentiert als erhofft. Die Aktie lag zuletzt 1 Prozent im Minus und hat in den vergangenen vier Wochen rund 13 Prozent verloren. Das wirkt nicht wie ein Markt, der an eine saubere Wende glaubt. Eher wie einer, der erst wieder Vertrauen fasst, wenn Boeing endlich liefert – und zwar ohne den nächsten Ärger gleich hinterher.