Ein Absturz sieht anders aus: BMW kommt in der Krise der deutschen Autobauer erstaunlich ordentlich durch den Gegenwind. Während Mercedes und Volkswagen beim Gewinn zuletzt deutlich heftiger Federn lassen mussten, ging der Überschuss bei den Münchnern im vergangenen Jahr nur um 3 Prozent auf knapp 7,5 Milliarden Euro zurück.
Damit lag BMW sogar klar über dem, was Analysten erwartet hatten. Viele hatten mit weniger als sieben Milliarden Euro gerechnet. Der Umsatz gab allerdings um 6,3 Prozent auf 133 Milliarden Euro nach. Und der Blick nach vorn ist alles andere als entspannt: Für 2026 stellt sich der Konzern auf schwierigere Zeiten ein.
BMW hält sich besser als die Konkurrenz
Es ist bereits der dritte Gewinnrückgang in Folge. Trotzdem wirkt BMW im direkten Vergleich fast wie der Musterschüler der Branche. Mercedes und Volkswagen haben ihre Gewinne 2025 jeweils beinahe halbiert, Porsche kam gerade noch so mit schwarzen Zahlen durchs Ziel. Dagegen liest sich das Minus bei BMW fast schon harmlos.
Das reicht sogar für Platz eins im deutschen Gewinnvergleich. Mercedes wies 2025 noch 5,3 Milliarden Euro Gewinn aus, der deutlich größere Volkswagen-Konzern 6,9 Milliarden Euro. BMW liegt also vorn – und das in einem Umfeld, in dem viele Hersteller gerade eher damit beschäftigt sind, Löcher zu stopfen als neue Rekorde anzupeilen.
Ohne Jobabbau durch die Flaute
Noch ein Punkt, der heraussticht: BMW kommt bislang ohne Stellenstreichungsprogramme durch die Krise. Während anderswo gespart, umgebaut und abgebaut wird, halten die Münchner ihre Mannschaft zusammen. Das ist in dieser Lage mehr als nur ein Randaspekt.
Ein Grund dafür dürfte das große Werk in den USA sein. In Spartanburg wurden im vergangenen Jahr knapp 413.000 Fahrzeuge gebaut, mehr als die Hälfte davon blieb direkt in den USA. Heißt unterm Strich: BMW musste weniger als die Hälfte der dort verkauften Autos importieren und ist deshalb von den US-Zöllen zumindest nicht mit voller Wucht getroffen worden.
Dazu kommt ein Vorteil, den man gar nicht hoch genug hängen kann: BMW hat seine Werke so aufgestellt, dass auf derselben Linie Elektroautos, Hybride und Verbrenner gebaut werden können. Das klingt technisch, ist aber simpel erklärt ein echter Puffer gegen Chaos. Wenn die Nachfrage nach E-Autos schwankt, muss nicht gleich der ganze Laden umgekrempelt werden.
Konzernchef Oliver Zipse sieht genau darin die Bestätigung des eigenen Kurses. BMW habe sich strategisch richtig aufgestellt und müsse deshalb in diesem schwierigen Umfeld nicht hektisch die Richtung wechseln. Anders gesagt: Während andere noch am Lenkrad reißen, fährt BMW erstmal weiter auf Sicht.
Zölle fressen an der Rendite
Ganz entspannt ist die Lage trotzdem nicht. Die Zölle machen BMW auf beiden Seiten des Atlantiks das Leben schwer. Finanzchef Walter Mertl bezifferte den Einfluss der Zölle auf die Gewinnmarge im Autogeschäft im vergangenen Jahr auf 1,5 Prozentpunkte. Für das laufende Jahr sieht er die Lage zwar etwas günstiger, aber von Entwarnung kann keine Rede sein.
BMW setzt darauf, dass sich die USA und die Europäische Union einigen und auch die Gespräche der USA mit Mexiko und Kanada vorankommen. Denn für den Konzern sind nicht nur die Zölle von Donald Trump ein Problem. Auch die europäischen Importzölle drücken, weil BMW den elektrischen Mini aus China nach Europa einführt.
Insgesamt werde die Gewinnmarge im Autogeschäft in diesem Jahr wegen der Zölle um 1,25 Prozentpunkte geschmälert, sagte Mertl. Das ist kein Schönheitsfehler, sondern eine spürbare Belastung. Gerade in einer Branche, in der jeder Prozentpunkt Marge hart erarbeitet werden muss, tut so etwas richtig weh.
China bleibt ein Sorgenkind
Dazu kommt der schwache Markt in China. Dort drückt die Immobilienkrise weiter auf die Nachfrage nach Premiumautos, und bei Elektroautos haben heimische Hersteller den westlichen Konzernen längst einen harten Kampf aufgezwungen. Die Konkurrenz ist brutal, und BMW bekommt das zu spüren.
Immerhin sieht der Konzern seit dem vierten Quartal Anzeichen einer Stabilisierung. Auch der Start ins laufende Jahr sei solide gewesen, sagte Vertriebsvorstand Jochen Goller. Das klingt besser als noch vor einigen Monaten, ist aber eben noch kein Befreiungsschlag.
Die Hoffnung liegt nun auf neuen Modellen, die ab der zweiten Jahreshälfte auf den Markt kommen. Vor allem der vollelektrische iX3 soll als erstes Modell der „Neuen Klasse“ für frischen Schub sorgen. BMW traut dem Fahrzeug zu, vor allem in Europa eine Margenparität zu Verbrennern zu erreichen – also vereinfacht gesagt: Mit E-Autos ähnlich gut zu verdienen wie mit klassischen Benzinern und Dieseln.
Damit verbindet das Management auch die Hoffnung auf bessere Zahlen im Kerngeschäft. Die strategische Zielmarke einer Gewinnmarge von 8 bis 10 Prozent im Autogeschäft bleibt bestehen. 2025 war die Marge allerdings bereits um einen Prozentpunkt auf 5,3 Prozent gesunken. Für 2026 peilt BMW nun nur 4 bis 6 Prozent an. Das zeigt ziemlich deutlich, wie groß der Druck trotz aller Stabilität ist.
Unsicherheit auch wegen des Iran-Kriegs
Wie stark der Iran-Krieg zusätzlich auf das Geschäft drücken wird, mag derzeit noch niemand seriös beziffern. Goller verwies darauf, dass die Region vor allem für Rolls-Royce ein wichtiger Markt ist. BMW geht davon aus, dass die Kunden zurückkommen, wenn sich die Lage beruhigt. Doch genau darin liegt das Problem: Im Moment kann niemand sagen, wann das passiert.
Für Oliver Zipse ist diese Bilanz zugleich der letzte Jahresabschluss an der Spitze des Konzerns. Am 14. Mai übernimmt sein designierter Nachfolger Milan Nedeljkovic, bislang Produktionsvorstand. Damit endet bei BMW eine Ära ausgerechnet in einer Phase, in der der Konzern zwar robuster wirkt als viele Rivalen, aber noch lange nicht im Trockenen ist.
Bei den Aussichten für das laufende Jahr bleibt BMW deshalb vorsichtig. Trotz stabiler Auslieferungen dürfte der Vorsteuergewinn moderat sinken. Zölle, Währungseffekte und höhere Rohstoffkosten lasten weiter auf dem Geschäft. Oder einfacher gesagt: BMW fährt besser als viele andere – aber die Straße vor dem Konzern bleibt ziemlich holprig.

