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2. März 2026

Berkshire verbrennt 4,5 Milliarden – und Buffett ist schon weg

Berkshire Hathaway
Foto: Depositphotos.com / Piter2121

373,3 Milliarden Dollar in der Kasse – und trotzdem sieht Berkshires jüngstes Quartal so aus, als hätte jemand den Motor gedrosselt. Im vierten Quartal 2025 fällt der operative Gewinn um 30% auf 10,2 Milliarden Dollar (7.092 Dollar je Class-A-Aktie). Gleichzeitig zieht der Konzern bei einer alten Wette die Reißleine in der Bilanz: Auf die 26,9%-Beteiligung an Occidental Petroleum nimmt Berkshire eine Abschreibung von 4,5 Milliarden Dollar vor.

Das Ganze passiert ausgerechnet zum Machtwechsel. Warren Buffett ist nicht mehr CEO, Greg Abel hat übernommen – Buffett bleibt Chairman. Für Abel ist das ein Start mit Ansage: viel Munition, aber die wichtigste Ertragsmaschine stottert. Und das ist kein Schönheitsfehler, sondern der Teil des Konzerns, der normalerweise zuverlässig Geld druckt.

Versicherung als Problemzone

Der Haupttreffer sitzt im Versicherungsgeschäft. Der Versicherungsgewinn bricht im Quartal um 38% ein. Berkshire nennt zwei Gründe: fallende Zinsen und Preisdruck. Weniger Zins bedeutet schlicht: Das viele Geld, das herumliegt, bringt weniger Ertrag. Und Preisdruck heißt: Geico und die Rückversicherer können nicht einfach aggressiv wachsen, ohne sich die Margen kaputtzumachen.

Bei Geico wird es handfest. Der Vorsteuer-Underwriting-Gewinn fällt im vierten Quartal fast um die Hälfte. Underwriting klingt nach Fachchinesisch, ist aber simpel: Das ist der Gewinn aus dem eigentlichen Versicherungsgeschäft, also Prämien minus Schäden und Kosten. Geico gibt mehr für Werbung aus, gleichzeitig steigen die Unfall- und Schadenkosten. Unterm Strich bleibt weniger hängen – und genau das drückt Berkshires operatives Ergebnis.

Disziplin – oder zu viel Zögern?

Auffällig ist auch, wie zäh Berkshire bei Aktien agiert. Das vierte Quartal war bereits das 13. in Folge, in dem der Konzern mehr Aktien verkauft als gekauft hat. Und zum sechsten Mal hintereinander gab es keine Aktienrückkäufe. Das wirkt wie eine klare Botschaft: Man findet zu den aktuellen Preisen offenbar zu wenig, das wirklich überzeugt. Nur stellt sich irgendwann die Frage, wie lange Anleger einen gigantischen Cashbestand feiern, wenn daraus weder Zukäufe noch Rückkäufe werden.

Beim Nettogewinn sieht es optisch weniger dramatisch aus: minus 3% auf 19,2 Milliarden Dollar. Der Grund ist die Mischung aus Abschreibung und schwächerem operativem Ergebnis – während Kursbewegungen großer Beteiligungen wie Apple oder American Express das Bild teilweise ausgleichen. Für das Gesamtjahr 2025 meldet Berkshire 44,49 Milliarden Dollar operativen Gewinn (minus 6%) und 66,97 Milliarden Dollar Nettogewinn (minus 25%). Buffett hat Anleger seit Jahren darauf hingewiesen, dass der Nettogewinn wegen Bilanzregeln wild schwanken kann, weil nicht realisierte Kursgewinne und -verluste aus dem Aktienportfolio dort durchschlagen. Wer wissen will, wie das Geschäft wirklich läuft, schaut eher auf den operativen Gewinn.

Occidental: Abschreiben, aber nicht verkaufen

Der brisanteste Punkt bleibt Occidental. Berkshire schreibt 4,5 Milliarden Dollar ab, weil der Kursrückgang aus Sicht des Konzerns nicht vorübergehend ist – sagt aber gleichzeitig, dass man keine Aktie verkaufen will. Das ist ein Spagat: einerseits Treue zu einer strategischen Position, andererseits die offene Anerkennung, dass der Markt diese Story derzeit anders bewertet als Berkshire.

Buffett hatte Occidental 2019 ins Visier genommen, als er die Finanzierung der Anadarko-Übernahme mitstützte, und er lobte das Management später immer wieder. Dass Berkshire jetzt abwertet, ohne auszusteigen, klingt nach: Wir glauben weiter dran – aber die Bilanz muss ehrlich bleiben. Dazu passt: Es ist bereits die zweite größere Abschreibung 2025, nach 3,76 Milliarden Dollar auf Kraft Heinz.

Abseits davon liefert der Konzern ein gemischtes Bild. Die BNSF-Eisenbahn steigert den Gewinn im vierten Quartal um 6%, während das Energiegeschäft 5% verliert. In den Industrie-, Handels- und Servicebereichen steigt der Gewinn um 3% (im Gesamtjahr um 4%). Gleichzeitig spricht Berkshire von schwacher Konsumnachfrage, die bei einigen Konsummarken die Umsätze drückt – genannt werden Duracell, Fruit of the Loom und Jazwares (Squishmallows). Auch geringere Währungsgewinne belasten das operative Ergebnis.

Abels erste Bewährungsprobe

In seinem ersten Aktionärsbrief zollt Abel Buffett Respekt, nennt ihn einen remarkable CEO und arguably the greatest investor of all time und verspricht, dessen Kapitaldisziplin fortzuführen. Gleichzeitig sagt er ziemlich unmissverständlich: Einige Geschäfte müssen operativ besser liefern. Das klingt nach mehr Zugriff von oben – auch wenn die Töchter im Alltag weiter viel Autonomie behalten sollen.

An der Börse kommt noch ein Vergleich dazu, der wehtut: Seit Buffetts Ankündigung am 3. Mai 2025, als CEO zurückzutreten, liegen Berkshire-Aktien laut Bericht mehr als 27 Prozentpunkte hinter dem S&P 500. 2026 stehen beide bislang bei weniger als 1% Plus. Die spannende Frage ist jetzt nicht, ob Berkshire genug Geld hat – das ist offensichtlich. Entscheidend wird, ob Abel es schafft, die Versicherung wieder auf Spur zu bringen und den riesigen Geldhaufen so einzusetzen, dass daraus mehr wird als ein bequemes Polster.