Der Sabadell-Deal ist vom Tisch – also macht BBVA das, was an der Börse fast immer zieht: Sie kauft sich selbst zurück. Statt Milliarden in eine Übernahme zu stecken, schiebt Spaniens Großbank das Geld direkt in Richtung Aktionäre. Das ist kein warmes Händeschütteln, das ist eine klare Ansage.
BBVA hat einen Aktienrückkauf über 3,96 Milliarden Euro angekündigt – der größte in der Geschichte des Instituts. Losgehen soll es am 22. Dezember, zunächst mit einer ersten Tranche über 1,5 Milliarden Euro. Und das kommt nicht aus dem Nichts: Am 10. Dezember hatte die Bank erst ein anderes Rückkaufprogramm über 993 Millionen Euro abgeschlossen.
Zurück auf Kurs – aber mit anderem Schwerpunkt
Wer so schnell nachlegt, will nicht nur Kapitalmanagement spielen, sondern ein Signal setzen: Der Fokus liegt jetzt weniger auf großer Expansion, mehr auf dem, was Aktionäre am Ende wirklich sehen – Geld und Effekt pro Aktie. Der Hintergrund ist simpel: BBVA wollte Sabadell übernehmen, doch der Plan ist gescheitert. Damit fällt eine Wachstumsfantasie weg – und plötzlich ist reichlich Kapital übrig, das irgendwo hinmuss.
BBVA verweist dabei auf den eigenen Vierjahresplan: Bis 2028 sollen insgesamt 36 Milliarden Euro an die Aktionäre zurückfließen – über Dividenden und Rückkäufe. Übersetzt heißt das: Die Bank will nicht nur Gewinne ausweisen, sie will sie spürbar verteilen. Klingt nach Rückenwind. Die Frage ist nur: Reicht das als Ersatz für die verpasste Übernahme – oder ist es vor allem Beruhigungspille für Anleger, die auf die Sabadell-Story gesetzt hatten?
Viel Geld, aber nicht ohne Haken
Ein Rückkauf ist im Kern ein recht unkomplizierter Trick mit echter Wirkung: Wenn weniger Aktien im Umlauf sind, verteilt sich derselbe Gewinn auf weniger Stücke – das kann Kennzahlen und Kurs stützen. Nur: So ein Programm frisst auch Kapital. BBVA kalkuliert, dass der Rückkauf die harte Kernkapitalquote (CET1) um rund 100 Basispunkte drückt. CET1 ist vereinfacht gesagt das dicke Sicherheitskissen der Bank – je höher, desto besser für Krisen und Aufseher.
Trotzdem gibt sich BBVA entspannt. Die Bank sieht sich weiterhin klar über ihrer Zielspanne von 11,5 bis 12 Prozent. Ende September lag die Quote bei 13,42 Prozent. Und als wäre das nicht genug, gab es schon vorher einen dicken Brocken: Am 7. November zahlte BBVA eine Zwischendividende von 1,84 Milliarden Euro – ebenfalls ein Rekord für das Institut.
Allzu viel Jubel ist trotzdem fehl am Platz. Rückkäufe sind eine Wette darauf, dass die Bank auch künftig genug verdient, um sich diese Großzügigkeit leisten zu können. BBVA will im Vierjahresplan auf 48 Milliarden Euro Gewinn kommen – das ist die eigentliche Messlatte. Die kommenden Monate dürften zeigen, ob der Rückkauf als Zeichen von Stärke hängen bleibt – oder ob Anleger am Ende doch lieber eine klare Wachstumsroute gesehen hätten statt eines sehr teuren Trostpreises.

