Das Gewinnplus, das Bayer fürs dritte Quartal vorlegt, kommt wie ein kräftiger Schlag aufs Blech: Laut Quartalszahlen läuft das operative Geschäft rund, während im Hintergrund ein juristischer Dauerbrenner lodert. Genau diese Mischung macht die Lage so brisant – denn wer Bayer seit Jahren verfolgt, weiß, dass gute Nachrichten hier selten ohne Haken kommen.
Gute Zahlen, harte Realität
1,51 Milliarden Euro Ebitda – das ist ein Wort. Der Konzern spart im Agrarbereich ordentlich ein, neue Medikamente verkaufen sich besser als gedacht, und die Chefetage tritt selbstbewusster auf. Für 2025 ruft Bayer weiter 9,7 bis 10,2 Milliarden Euro bereinigten Gewinn aus. Klingt solide. Und ja, an der Börse war sofort Bewegung drin.
Aber wer nur auf die Glanzseite schaut, verpasst die Rückseite der Medaille. Denn gleichzeitig zieht Bayer sich mit einer ganzen Lawine an US-Klagen herum. Die Rückstellungen steigen auf bis zu vier Milliarden Euro im laufenden Jahr – das drückt den Konzern unterm Strich in die roten Zahlen. 963 Millionen Euro Nettoverlust sprechen eine klare Sprache. Selten liegen Rückenwind und Gegenwind so dicht beieinander.
Monsantos Altlasten lassen nicht los
Dass Bayer sich seit Jahren durch Verfahren rund um Glyphosat und die alte PCB-Thematik kämpft, ist bekannt. Neu ist lediglich das Ausmaß, das mittlerweile fast schon grotesk wirkt: 197.000 geltend gemachte Ansprüche, ein Teil abgearbeitet, aber zigtausende Klagen noch offen. Das wirkt wie ein Pendel, das einfach nicht zur Ruhe kommen will.
Parallel dazu dreht der Konzern weiter an seinen Strukturen. 13.500 Jobs wurden gestrichen, Hierarchien abgespeckt, Abläufe verschlankt – alles mit dem Ziel, schneller zu werden und weniger Geld zu verbrennen. Die neuen Medikamente Nubeqa und Kerendia laufen ordentlich, ältere Mittel wie Xarelto verlieren naturgemäß an Schwung. Und mittendrin versucht Bayer, ausgerechnet jetzt auch noch Währungsschwankungen und politische Unsicherheiten in den USA abzufangen.
Aufbruch – oder nur ein kurzes Aufblitzen?
Einerseits ist klar: Operativ zeigt Bayer, dass der Laden noch läuft. Kosten runter, Pharma im Plus, ein Konzern, der nach Jahren der Schleppspur wieder Tritt fasst. Andererseits bleibt die offene Frage, wie lange die juristischen Risiken wie ein Gewicht am Bein hängen. Finanzvorstand Wolfgang Nickl macht keinen Hehl daraus, dass Wechselkurse und US-Politik weiter Druck machen.
Unterm Strich entsteht ein Bild, das viele Anleger aus früheren Jahren kennen: Bayer schafft Fortschritte – aber nichts davon steht wirklich fest, solange die großen Verfahren nicht geklärt sind. Die kommenden Monate werden zeigen, ob daraus ein echter Neustart wird oder nur ein kurzer Lichtstrahl in einem Korridor, der noch immer voller Stolpersteine liegt.

