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12. November 2025

BASF krempelt Konzern um – Agrarsparte soll an die Börse

BASF
Foto: depositphotos.com / MichaelVi

BASF zieht einen dicken Strich unter sein Agrargeschäft – und schickt die Sparte an die Frankfurter Börse. Der DAX-Riese krempelt damit seine Konzernstruktur um und macht ernst mit dem Plan, sich stärker auf das zu konzentrieren, womit er groß geworden ist: Chemie im großen Stil. Die Landwirtschaft soll künftig ihr eigenes Ding drehen – aber unter der Kontrolle des Mutterkonzerns.

Frankfurt statt New York oder Amsterdam: Die Entscheidung für den heimischen Börsenplatz ist auch ein Statement. BASF will zeigen, dass man das Vertrauen in den deutschen Kapitalmarkt nicht verloren hat. Bis 2027 soll die Agrarsparte als eigenständige Europäische Aktiengesellschaft an den Start gehen. Der Clou dabei: BASF bleibt Mehrheitsaktionär. Mit anderen Worten – die Zügel werden etwas lockerer, aber nicht aus der Hand gegeben.

Neues Team, klare Rollen

An der Spitze steht künftig Livio Tedeschi. Der Mann kennt den Laden, führt die Sparte schon jetzt und wird 2026 zusätzlich in den BASF-Vorstand aufrücken. Ihm zur Seite steht Sascha Bibert, der bisher beim Stahlrohrhersteller Vallourec die Finanzen verantwortete. Außerdem im Boot: Maximilian Becker fürs operative Geschäft und Melanie Bausen-Wiens für alles, was mit Technologie zu tun hat. Offizieller Start: Mai 2026.

Konzernchef Markus Kamieth nennt das Ganze einen „entscheidenden Schritt, um zusätzlichen Wert für die Aktionäre zu erschließen“. Übersetzt heißt das: Die Chemie-Riesen in Ludwigshafen wollen Ballast abwerfen und den Fokus auf die Bereiche legen, die direkt mit dem Produktionsnetz verbunden sind. Pflanzenschutz und Saatgut? Passt da nur noch bedingt rein. Für BASF ist das eine Frage der strategischen Straffung – für die Agrarsparte dagegen die Chance, endlich aus dem Schatten der Mutter zu treten.

Starker Player – aber Gegenwind

Mit rund 9,8 Milliarden Euro Umsatz und knapp 1,9 Milliarden Euro Betriebsgewinn war das Agrargeschäft 2024 alles andere als klein. Trotzdem ging die Marge runter – auf 19,8 Prozent, nach 22,5 Prozent im Vorjahr. Hauptgrund laut BASF: Preisdruck bei Herbiziden. Kurz gesagt, die Konkurrenz drückt auf die Preise, und das merkt man.

Weltweit liegt BASF im Agrargeschäft auf Platz drei – hinter Bayer und dem US-Konzern Corteva. Das ist ordentlich, aber kein Selbstläufer. Tedeschi zeigte sich im Mai im Gespräch mit Reuters trotzdem optimistisch: „Wir erwarten einen Beitrag von 7,5 Milliarden Euro aus unserer Pipeline bis 2034 – das ist der höchste Wert, den wir je hatten.“ Große Worte – jetzt muss die Sparte liefern.

Einerseits ist der Börsengang eine klare Ansage: Das Agrargeschäft soll auf eigenen Beinen stehen, sichtbar für Investoren, mit mehr Flexibilität bei Investitionen. Andererseits bleibt ein Risiko – ohne die starke Mutter im Rücken könnte es in einem so hart umkämpften Markt schnell ungemütlich werden.

Was jetzt auf BASF zukommt

In Nordamerika ist die Ausgliederung schon durch, der Rest der Welt soll bis Anfang 2027 folgen. Dann wäre der Weg frei für einen der größten Börsengänge, die ein DAX-Konzern seit Jahren gewagt hat. In einer Zeit, in der viele Unternehmen lieber auf Sparkurs gehen, setzt BASF also auf Eigenständigkeit und Offenheit – ein ungewöhnlicher Schritt.

Ob der Markt das honoriert, ist offen. Die Anleger werden genau hinschauen, wie sich die Zahlen entwickeln und ob die neue Einheit ihre Versprechen hält. Der Erfolg hängt davon ab, ob das Team um Tedeschi wirklich beweist, dass man auch ohne ständige Rückendeckung aus Ludwigshafen stark genug ist.

Klar ist: BASF zieht damit eine klare Linie – weniger Mischkonzern, mehr Fokus. Für die Agrarsparte beginnt eine neue Zeitrechnung. Ob sie zum Erfolg wird oder in der Bürokratie steckenbleibt, werden die nächsten Jahre zeigen. Aber eines steht fest: Langweilig wird es rund um die BASF Aktie so schnell nicht mehr.