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12. Februar 2026

BASF baut Indien-Hub: Was passiert jetzt mit den 2.800 Jobs in Berlin?

BASF
Foto: depositphotos.com / MichaelVi

BASF sortiert seine internen Dienste neu – und in Berlin schrillen die Alarmglocken. Der Chemiekonzern will einen globalen Service-Knotenpunkt in Indien aufbauen und dafür Aufgaben aus Deutschland dorthin schieben. Offiziell ist noch offen, wie viele Jobs hierzulande dran glauben müssen. Das macht die Sache nicht besser – eher schlimmer.

BASF begründet den Schritt mit einem Klassiker aus dem Manager-Baukasten: mehr Kosteneffizienz. Übersetzt heißt das: dieselbe Arbeit soll billiger werden. Künftig sollen vor allem Finanz- und Personaldienstleistungen im neuen Zentrum in Indien gebündelt werden. Wo genau, sagt der Konzern noch nicht.

Indien als Schaltzentrale, Malaysia als Logistik-Standort

Parallel wird auch Kuala Lumpur umgebaut: Der Standort in Malaysia soll zum Schwerpunkt für Aufgaben rund um die Lieferkette werden – also alles, was mit Planung, Beschaffung und dem Fluss von Waren zu tun hat. Finanzvorstand Dirk Elvermann verkauft das als strategische Weiterentwicklung: Der Bereich Global Business Services (GBS) soll so aufgestellt werden, dass BASF wettbewerbsfähige Servicestrukturen bekommt. Im Klartext: schneller, schlanker, günstiger.

Betroffen sind die bisherigen regionalen Service-Zentren in Berlin, Kuala Lumpur und Montevideo. In der GBS-Sparte arbeiten weltweit rund 8.500 Beschäftigte. Berlin ist dabei der dickste Brocken: 2.800 Mitarbeiter sitzen dort. Montevideo kommt auf 940, Kuala Lumpur auf 1.040 – der Rest verteilt sich auf weitere BASF-Standorte. Zusätzlich nennt der Konzern 860 Beschäftigte in Ludwigshafen im GBS-Umfeld.

IGBCE: Schlag gegen Berliner Tarifprojekt

Die Chemie-Gewerkschaft IGBCE geht auf Konfrontation. Vorsitzender Michael Vassiliadis spricht von einem beschäftigungspolitischen Schlag und sieht ein Berliner Vorzeigeprojekt vor dem Aus. Hintergrund: IGBCE und Chemie-Arbeitgeber hatten 2005 einen Tarifvertrag möglich gemacht, damit BASF konzerninterne Dienste wie Finanzen, Personal oder IT in Berlin bündelt – statt sie ins Ausland zu verlagern.

Der Deal hatte einen Haken, den die Beschäftigten schlucken mussten: niedrigere Gehälter und längere Arbeitszeiten als im Flächentarif der Chemieindustrie. Jetzt wirkt die damalige Kompromisslinie wie ein schlechter Witz. Laut IGBCE könnte die Verlagerung außerdem nicht nur Berlin treffen, sondern auch Hunderte Arbeitsplätze bei BASF Digital Solutions an mehreren Standorten in Deutschland. Die Landesbezirksleiterin Nordost, Stephanie Albrecht-Suliak, kritisiert sinngemäß: Während am Heimatstandort Stück für Stück Jobs abgeschnitten werden, fließt in Asien Geld in Milliardenhöhe.

Wegner verlangt Klartext, BASF bremst Erwartungen

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner zeigt sich besorgt. Er verlangt Transparenz von der Unternehmensführung und einen sozialverträglichen Umgang mit den Betroffenen. Außerdem kündigt er an, zeitnah mit Geschäftsführung, Betriebsräten und Gewerkschaft zu sprechen.

BASF selbst tritt auf die Bremse. Ein Sprecher sagt, die Planungen seien in einem ganz frühen Stadium. Die Bündelung soll schrittweise bis Ende 2028 laufen. Ob und wie viele Stellen am Ende verlagert werden, sei derzeit unklar – genauso wie der genaue Ort des Indien-Hubs.

Dass BASF überhaupt so hart an den Strukturen schraubt, kommt nicht aus dem Nichts. Der Konzern kämpft seit einiger Zeit mit schwacher Nachfrage und niedrigeren Preisen. Im Stammwerk Ludwigshafen wurden Anlagen stillgelegt, konzernweit laufen Sparprogramme inklusive Stellenabbau.

Und während in Deutschland gespart wird, wird anderswo geklotzt: Ende März soll BASF einen neuen Verbundstandort im chinesischen Zhanjiang eröffnen. Mit rund 8,7 Milliarden Euro ist das die bisher größte Einzelinvestition – ein dicker Hinweis darauf, wohin die Reise gehen soll und warum Berlin jetzt so nervös ist.