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11. November 2025

AWS investiert 125 Milliarden Dollar – doch wie lange hält der Boom?

Amazon AWS
Foto: depositphotos.com / nikkimeel

Amazon geht wieder in die Vollen – und das ausgerechnet in einem Moment, in dem viele schon vom nächsten großen KI-Knall sprechen. Während andere Tech-Giganten vorsichtig werden oder sich mit Krediten durchwursteln, tritt der Cloud-Riese AWS das Gaspedal voll durch. Rund 125 Milliarden Dollar will der Konzern dieses Jahr in Rechenzentren und KI-Chips stecken. Eine Summe, bei der selbst Silicon-Valley-Veteranen die Stirn runzeln. AWS-Chef Matt Garman bleibt cool: „Wir sehen eine riesige Nachfrage. Und das auf absehbare Zeit“, sagte er im Handelsblatt. Klingt selbstbewusst – aber wie lange hält der Boom, bevor’s kracht?

AWS hält Kurs – Konkurrenz rückt näher

In Sachen Cloud ist Amazon immer noch der Platzhirsch. Rund 30 Prozent Marktanteil, sagt Synergy Research – mehr als jeder andere. Doch Microsoft und Google sind längst auf der Überholspur. Beide haben beim Thema Künstliche Intelligenz früher Gas gegeben und holen jetzt spürbar auf. AWS dagegen kämpft darum, den Vorsprung zu halten.

Das Rezept? Noch mehr Geld in die Hand nehmen. Laut Handelsblatt Research Institute steigen die Investitionen 2025 um satte 45 Prozent, während der Cashflow um fast ein Drittel schrumpft. Heißt: Das Geld fließt raus, bevor es wieder reinkommt. Trotzdem macht Garman keine Anstalten, auf die Bremse zu treten. Er will Wachstum – koste es, was es wolle. Und tatsächlich: Im letzten Quartal kletterte der Umsatz von AWS erstmals seit 2022 wieder um über 20 Prozent. Ob das schon die Trendwende ist, bleibt abzuwarten.

OpenAI-Deal soll neuen Schub bringen

Amazon hat sich jetzt auch mit OpenAI zusammengetan, also mit den Machern von ChatGPT. Der Deal: OpenAI nutzt künftig AWS-Rechenzentren mit Nvidia-Chips, um seine Dienste laufen zu lassen. Preisetikett: rund 38 Milliarden Dollar über sieben Jahre. Für Amazon ist das nicht nur ein dicker Auftrag, sondern auch ein Signal an die Konkurrenz: Wir sind wieder im Spiel.

Dazu kommt die Partnerschaft mit Anthropic, einem anderen KI-Start-up, an dem Amazon schon mehr als acht Milliarden Dollar beteiligt ist. Für Anthropic läuft in Indiana ein eigenes Rechenzentrum mit rund einer halben Million selbst entwickelter „Trainium2“-Chips. Trotzdem arbeitet Anthropic mittlerweile auch mit Google zusammen. Doch Garman stört das wenig: Wer genug Rechenpower liefert, hat in dieser Branche sowieso alle Hände voll zu tun.

Strom, Politik und die Sache mit Europa

Was die Tech-Welt derzeit wirklich bremst, ist nicht der Mangel an Ideen – sondern Strom. Die gigantischen Serverfarmen fressen Energie, und die Netze kommen kaum hinterher. AWS will das Problem selbst lösen: mit eigenen Atomkraftwerken in der Zukunft und neuen Gaskraftwerken fürs Hier und Jetzt. Ziemlich untypisch für ein IT-Unternehmen, aber offenbar nötig, um die Lichter nicht ausgehen zu lassen.

In Europa fährt Amazon derweil eine andere Schiene. Unter dem Schlagwort „Sovereign Cloud“ baut AWS eine eigene, von den USA abgetrennte Cloud-Struktur auf. Ziel: europäischen Behörden und Firmen ein System bieten, bei dem kein US-Zugriff möglich ist. Der erste Standort entsteht in Brandenburg, Kostenpunkt rund 7,8 Milliarden Euro. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik war beim Aufbau mit im Boot.

Der große Wetteinsatz

Unterm Strich zockt Amazon mit hohem Einsatz: Milliarden für Rechenzentren, Milliarden für Partner, Milliarden für Strom. Einerseits zeigt das, wie überzeugt das Management von der Zukunft der Künstlichen Intelligenz ist. Andererseits ist klar: Wenn die Nachfrage mal schwächelt, wird’s teuer.

Noch aber läuft das Geschäft. Und für Anleger bleibt die AWS Aktie ein spannender Indikator dafür, wie stabil der KI-Boom wirklich ist. Ob Amazon mit seiner XXL-Strategie weiter vorne bleibt – oder sich am eigenen Größenwahn verschluckt –, wird sich bald zeigen. Sicher ist nur: Der Kampf um die Cloud hat gerade erst richtig begonnen.