Wer in Deutschland auf Dividenden als verlässlichen Geldregen gesetzt hat, merkt gerade: Der Himmel bleibt nicht überall blau. Nach Berechnungen der Dekabank werden die 90 Unternehmen aus Dax und MDax für das Geschäftsjahr 2025 zusammen 60,5 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausschütten – das sind 1,8 Milliarden Euro bzw. 2,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Für Anleger heißt das: weniger „Zahltag wie gewohnt“, mehr Spreizung. Einige Konzerne legen drauf, andere treten auf die Bremse – und ausgerechnet die Autobranche, lange ein Dividenden-Liebling, wird zum großen Bremsklotz.
Autobauer drehen den Hahn zu
Acht Unternehmen planen laut Dekabank nach heutigem Stand eine Nullrunde – also: keinen Cent Dividende. Im Dax betrifft das Zalando, im MDax Auto1, Delivery Hero, Hellofresh, Ionos, Nordex, Redcare Pharmacy und Teamviewer. Das ist kein Drama für jeden Einzeltitel, aber in der Summe ein Signal: Nicht alle können oder wollen derzeit Geld an Aktionäre verteilen.
Besonders deutlich wird das im Autosektor. Unter den sieben Dax-Unternehmen, bei denen ein Rückgang der Ausschüttungen erwartet wird, sind fünf Autohersteller bzw. -zulieferer: BMW, Mercedes-Benz, VW, Porsche Holding und Continental. Die im Dax vertretenen Autobauer würden zusammen knapp 6,8 Milliarden Euro ausschütten – 3,3 Milliarden Euro weniger als vor Jahresfrist. Wer da noch von „Business as usual“ spricht, schaut an der Realität vorbei.
Die Dekabank-Volkswirte sprechen vom „Bedeutungsverlust der deutschen Automobilindustrie“, der nun „mit voller Wucht“ Gewinne und Dividenden treffe. Und Deka-Kapitalmarktexperte Joachim Schallmayer macht wenig Hoffnung auf schnelle Besserung: Mit einer schnellen Rückkehr zur Dividendenstärke sei in dem Sektor nicht zu rechnen. Übersetzt: Das Loch stopft sich nicht über Nacht. Die Frage ist eher: Wie lange bleibt der Gürtel so eng?
Banken und Versicherer lassen es krachen
Während die Autobauer den Rückwärtsgang einlegen, liefert der Finanzsektor den Gegenentwurf – fast wie zwei Welten in einem Index. Allianz, Hannover Rück, Münchener Rück, Commerzbank, Deutsche Bank und Deutsche Börse stehen zusammen für 14,2 Milliarden Euro. Damit tragen sie den Löwenanteil der erwarteten Dax-Dividenden von 52,9 Milliarden Euro.
Den größten Batzen sollen erneut die Allianz-Aktionäre bekommen: 6,5 Milliarden Euro. „Comeback der Banken“ klingt da nicht nach PR, sondern nach harter Zahl. Trotzdem: Der große Dividenden-Rekord bleibt außer Reichweite. Die 54,3 Milliarden Euro, die 2024 für das Geschäftsjahr 2023 ausgeschüttet wurden, werden verfehlt.
Bemerkenswert ist dabei der Widerspruch, der Anleger leicht in die Irre führen kann: Obwohl das Gesamtvolumen sinkt, liegen die Dekabank-Prognosen bei 23 von 40 Dax-Unternehmen über dem Vorjahreswert. Bei neun Konzernen soll die Dividende je Aktie unverändert bleiben. Zalando bleibt bei null. Einerseits also mehr Erhöhungen als Senkungen, andererseits drückt ein paar dicke Brocken das Gesamtbild nach unten.
MDax: weniger Geld – aber Porsche verzerrt die Optik
Im MDax fällt der Rückgang deutlicher aus: Die 50 Unternehmen sollen für 2025 zusammen 7,6 Milliarden Euro zahlen, rund 15 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig ist das Feld nicht durchweg mau: Bei 22 MDax-Konzernen erwartet die Dekabank einen Anstieg der Ausschüttung je Aktie, bei 20 eine unveränderte Dividende, bei acht weniger.
Der starke Minus-Effekt hängt laut Dekabank vor allem an der Porsche AG. Weil die Berechnungen auf der aktuellen Indexzusammensetzung basieren, wird der Sportwagenhersteller nach dem Abstieg aus dem Dax im September 2025 in beiden Jahren dem MDax zugerechnet. Ohne Porsche läge die Ausschüttungssumme der MDax-Unternehmen für 2025 laut Dekabank 2,4 Prozent über dem Vorjahreswert. Entscheidend wird sein, ob die Autobranche 2026 wieder Luft bekommt – oder ob die Finanzwerte weiter die Rolle des Dividenden-Rettungsrings spielen müssen.

