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KI-Abhängigkeit bei Amazon: Warum AWS zu stark auf OpenAI und Anthropic setzt
Aktien25. August 2026· 5 Min. Lesezeit

KI-Abhängigkeit bei Amazon: Warum AWS zu stark auf OpenAI und Anthropic setzt

Von Redaktion aktie.com

Dieser Artikel wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt.

Kernaussagen

  • Amazon investierte etwa 50 Milliarden US-Dollar in OpenAI (April 2026) und bis zu 33 Milliarden Dollar in Anthropic, womit über 80 Milliarden Dollar in externe KI-Partner fließen.
  • Im Juli 2026 stellte Amazon die meisten eigenen Nova-Modelle ein, darunter Nova Premier, Omni, Reel und Canvas – sie befinden sich im Status 'Keep the Lights On' ohne aktive Weiterentwicklung.
  • Anthropic verpflichtet sich vertraglich, KI-Workloads hauptsächlich auf AWS laufen zu lassen und Amazons Trainium- und Graviton-Chips zu nutzen, was die Hardware-Strategie des Konzerns stützt.
  • Ein erheblicher Anteil der KI-Umsätze von AWS hängt derzeit von OpenAI und Anthropic ab, was vertragliche und strategische Abhängigkeiten schafft.
  • Microsoft besitzt mit seiner engen OpenAI-Kooperation einen strukturellen Vorteil gegenüber AWS, da OpenAI-Modelle tief in Azure und das Microsoft-Ökosystem eingebettet sind.
  • AWS-Chef Matt Garman verteidigte die parallelen Investments bei beiden KI-Labs als Teil der strategischen DNA des Cloud-Geschäfts, gleichzeitig mit Partnern zusammenzuarbeiten und mit ihnen zu konkurrieren.
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Milliarden-Wetten auf externe KI-Partner

Amazon Web Services (AWS) monetarisiert Künstliche Intelligenz derzeit vor allem über Infrastruktur-Services und KI-Workloads. Der Konzern setzte im Frühjahr 2026 auf eine doppelte Partnerstrategie: Im April 2026 investierte Amazon etwa 50 Milliarden US-Dollar in OpenAI, nachdem OpenAI seinerseits 100 Milliarden Euro in AWS-Infrastruktur zusagte und damit seine bisherige Microsoft-Exklusivität aufweichte. Ende April 2026 wurden OpenAI-Modelle wie GPT-5.5, GPT-5.4 und GPT-5.6 über die AWS-Plattform Bedrock verfügbar gemacht.

Parallel dazu vertiefte Amazon das Engagement bei Anthropic, dem Entwickler der Claude-Modelle. Nach einer initialen Investition von etwa 8 Milliarden Dollar folgte im April 2026 eine zusätzliche Investition von bis zu 25 Milliarden Dollar. Das Gesamtpaket mit Anthropic beläuft sich nach Angaben vom 22. April 2026 auf etwa 33 Milliarden Dollar. Anthropic verpflichtet sich im Gegenzug, KI-Workloads hauptsächlich auf AWS laufen zu lassen und Amazons eigene KI-Chips Trainium und Graviton zu nutzen – eine vertragliche Vereinbarung, die Amazon nutzt, um sich von externen Chip-Herstellern unabhängiger zu machen.

Strategische Rechtfertigung für parallele Investments

AWS-Chef Matt Garman verteidigte die parallelen Engagements bei OpenAI und Anthropic im April 2026 als integralen Bestandteil der Cloud-Strategie. Der Ansatz, gleichzeitig mit Partnern zusammenzuarbeiten und mit ihnen zu konkurrieren, gehöre seit den frühen Tagen von AWS zum Geschäftsmodell. Garman betonte, dass AWS bewusst darauf achte, eigenen Angeboten keinen unfairen Vorteil gegenüber Partnern zu verschaffen, auch wenn sich Überschneidungen im Produktportfolio ergäben.

Das OpenAI-Engagement ist auch eine Reaktion auf den Wettbewerb mit Microsoft. Beide KI-Modelle – von OpenAI und Anthropic – waren zuvor bereits über Microsofts Azure-Cloud verfügbar, was AWS unter Zugzwang setzte. Der Deal mit OpenAI reduziert die Abhängigkeit vom bisherigen Hauptpartner Anthropic und macht AWS für große Unternehmenskunden attraktiver, die Zugriff auf mehrere führende Foundation-Modelle wünschen. Ein zentraler Markttrend ist dabei das sogenannte Modell-Routing – Systeme wählen automatisch das jeweils passende KI-Modell für eine Aufgabe aus.

Rückzug aus eigener Modell-Entwicklung

Im Juli 2026 vollzog Amazon eine strategische Kehrtwende bei der eigenen KI-Entwicklung. Der Konzern stellte den Großteil seiner selbst entwickelten Nova-Modelle ein und konzentrierte Entwickler sowie Rechenkapazitäten auf ein einzelnes Frontier-Projekt. Konkret befinden sich die High-End-Modelle Nova Premier, das multimodale Omni-Modell, das Video-Modell Reel und das Bildmodell Canvas intern im Status "Keep the Lights On" – sie werden für bestehende Kunden weiter betrieben, aber nicht mehr aktiv weiterentwickelt.

Im verbleibenden Portfolio stehen Nova 2 Sonic, Nova 2 Lite, Nova Forge (ein Service für Kunden zum Bauen eigener Modelle) und die Agenten-Technologie Nova Act. Die Umbauten folgten auf eine Kündigungsrunde in der Artificial-General-Intelligence-Organisation (AGI) und die Schließung des AGI Lab. Das Lab wurde 2024 nach der Übernahme des KI-Startups Adept aufgebaut und arbeitete an langfristiger Forschung. Der Adept-Mitgründer David Luan verließ Amazon im Februar 2026, das Lab wurde daraufhin geschlossen, der Standort San Francisco wird aufgegeben.

Innerhalb der AGI-Organisation wurde parallel die Gruppe Frontier Model Research (FMR) aufgebaut, geleitet von UC-Berkeley-Professor Pieter Abbeel, der über die Übernahme des Robotik-Startups Covariant zu Amazon kam. FMR gilt intern als oberste Priorität, Ressourcen wandern von den bestehenden Nova-Modellen dorthin ab. Das dort entwickelte neue Foundation Model soll laut internen Angaben vom Juli 2026 auf der Hauskonferenz re:Invent im Herbst debütieren.

Strukturelle Abhängigkeiten und Wettbewerbsrisiken

Mit dem Rückzug aus der breiten eigenen Modell-Entwicklung entsteht eine strukturelle Abhängigkeit: Ein erheblicher Anteil der KI-Umsätze von AWS hängt derzeit von OpenAI und Anthropic ab. Ein signifikanter Teil der erwarteten KI-Erträge ist an die Fortführung, Intensität und Konditionen dieser Partnerschaften gebunden. Änderungen in der vertraglichen Ausgestaltung, technologische Strategiewechsel der Partner oder ein Abrücken von AWS könnten die Umsatzbasis spürbar beeinflussen.

Das Wettbewerbsumfeld gegenüber Microsoft bleibt asymmetrisch. Microsoft besitzt mit seiner engen, exklusiv ausgestalteten Kooperation mit OpenAI einen strukturellen Vorteil. OpenAI-Modelle sind tief in Azure und das Produktökosystem von Microsoft eingebettet – von Office 365 über GitHub Copilot bis zu Windows-Funktionen. Dies verschafft Microsoft nicht nur Differenzierung im Cloud-Markt, sondern auch privilegierten Zugriff auf technische Innovationen von OpenAI. Für Amazon ergibt sich daraus ein Nachteil: Während AWS ebenfalls stark im KI-Infrastrukturgeschäft ist, fehlen vergleichbare Exklusivrechte an einem dominierenden Foundation-Model-Anbieter. Dies erschwert es, sich im hochmargigen Segment differenzierter KI-Services klar gegenüber Azure abzugrenzen.

Fokus auf Infrastruktur statt proprietäre Modelle

Die Umstrukturierung bedeutet eine Verlagerung von Amazons KI-Strategie: Während eigene Foundation Models in den Hintergrund rücken, konzentriert sich der Konzern verstärkt auf die Bereitstellung von Infrastruktur – GPU-Cluster, Rechenkapazität, Sicherheits- und Kontrollmechanismen wie IAM, PrivateLink, Guardrails und CloudTrail. Unternehmenskunden sollen über AWS auf die Modelle von OpenAI und Anthropic zugreifen können, eingebettet in Amazons Sicherheitsarchitektur.

Ein Amazon-Sprecher betonte Ende Juli 2026, dass man KI-Modelle traditionell über lange Zeiträume unterstützt, weil Kunden darauf angewiesen seien, und an Investitionen in Frontier-Modelle festhalte. Das Modellportfolio werde laufend an den Kundenbedarf angepasst. Die vertraglich gesicherte Nutzung von Amazons Trainium- und Graviton-Chips durch Anthropic stützt zudem die Hardware-Strategie und reduziert die Abhängigkeit von Nvidia.

Für Anleger ergibt sich ein ambivalentes Bild: AWS profitiert von der steigenden Nachfrage nach KI-Infrastruktur und sichert sich durch vertragliche Bindungen Umsatzströme. Gleichzeitig fehlt dem Konzern ein proprietäres Flaggschiff-Modell, das langfristige Differenzierung und Preismacht sichern könnte. Die Abhängigkeit von externen Partnern – insbesondere von OpenAI, das nach wie vor eng mit Microsoft verbunden ist – bleibt ein strukturelles Risiko in einem sich schnell verändernden Markt.

Quellen

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