
Covered-Call-Fonds im Tech-Crash-Risiko: Warum hohe Ausschüttungen nicht ohne Gefahr sind
Von Redaktion aktie.com
Dieser Artikel wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt.
Kernaussagen
- Covered-Call-ETFs auf den Nasdaq 100 erzielten seit 2013 durchschnittlich 9,2 % Rendite pro Jahr, während reguläre Nasdaq-100-ETFs 19,3 % erreichten – Anleger verdienen damit etwa die Hälfte.
- Ausschüttungen von rund 12 % pro Jahr sind laut Prof. Dr. Hartmut Walz in vielen Börsenphasen nur unter Verlust von Substanz möglich, da das Fondsvermögen teilweise abgeschmolzen wird.
- Wenn Tech-Aktien über den Ausübungspreis steigen, werden sie automatisch aus dem Portfolio ausgebucht – der ETF partizipiert nicht an weiteren Kursgewinnen.
- Bei deutlichen Kursrückgängen sind Anleger trotz Optionsprämien vollständig dem Verlustrisiko ausgesetzt, da die Covered-Call-Strategie keinen echten Absicherungsschutz bietet.
- Covered-Call-ETFs eignen sich primär für Seitwärtsmärkte oder leicht steigende Kurse, nicht für volatile Tech-Märkte mit starkem Aufwärtspotenzial.
Wie Covered-Call-ETFs funktionieren
Ein Covered-Call-ETF kombiniert klassische Index-Nachbildung mit dem Verkauf von Kaufoptionen. Der Fonds kauft Aktien eines Index – etwa Nasdaq 100, S&P 500 oder DAX – und verkauft gleichzeitig Kaufoptionen (Calls) auf diese gehaltenen Aktien. Für den Verkauf kassiert der ETF Prämien, die als zusätzliche Einnahmen an die Anleger ausgeschüttet werden.
Die Strategie ist "gedeckt", da der Fonds nur Optionen auf Aktien verkauft, die er tatsächlich im Portfolio hält. Anders als bei ungedeckten Optionen entsteht keine Nachschusspflicht. Der Fonds agiert als Stillhalter und verpflichtet sich, bestimmte Aktien zu einem festgelegten Ausübungspreis zu verkaufen, wenn die Option ausgeübt wird. Der Ausübungspreis liegt üblicherweise über dem aktuellen Kurs.
Die Strategie funktioniert optimal, wenn der Kurs der zugrunde liegenden Aktie zum Laufzeitende unter dem Ausübungspreis bleibt. Dann verfällt die Option wertlos, und die Verkaufsprämie bleibt vollständig beim ETF als zusätzliche Rendite.
Ausschüttungsversprechen versus tatsächliche Performance
Covered-Call-ETFs werben mit hohen monatlichen Ausschüttungen von teilweise über 10 bis 12 Prozent pro Jahr. Diese regelmäßigen Einnahmen sind ein Hauptverkaufsargument der Produkte. Doch die realen Renditen fallen deutlich geringer aus.
Eine im Juni 2026 veröffentlichte Analyse zeigt: Ein Covered-Call-ETF auf den Nasdaq 100 erzielte seit 2013 eine durchschnittliche Rendite von 9,2 Prozent pro Jahr. Ein regulärer Nasdaq-100-ETF kam im gleichen Zeitraum auf 19,3 Prozent – Anleger verdienten mit dem Covered-Call-ETF also etwa nur halb so viel wie mit dem normalen ETF.
Prof. Dr. Hartmut Walz warnte im Januar 2026, dass Ausschüttungen von rund 12 Prozent pro Jahr in vielen Börsenphasen nur unter Verlust von Substanz möglich sind – das Fondsvermögen wird also teilweise abgeschmolzen. Seine Begründung: Professionelle Marktteilnehmer, die Kaufoptionen von ETF-Anbietern erwerben, sind gewinnorientiert und werden keine systematisch unprofitablen Geschäfte abschließen. Die Optionsprämien reichen in vielen Marktphasen nicht aus, um Ausschüttungen in dieser Höhe nachhaltig zu finanzieren.
Tech-Fokus verstärkt das Renditeproblem
Bei Covered-Call-ETFs mit Tech-Schwerpunkt – insbesondere auf den Nasdaq 100 – verschärft sich das strukturelle Problem. Technologieaktien profitieren typischerweise von erheblichen Kurssteigerungen in Bullenmärkten. Genau diese Aufwärtsbewegungen werden durch die Optionsstrategie systematisch begrenzt.
Wenn der Kurs einer Tech-Aktie über den Ausübungspreis steigt, wird die Aktie automatisch aus dem Portfolio ausgebucht. Der ETF kann dann keine zusätzlichen Kursgewinne mitnehmen – die gesamte Upside wird für die Prämieneinnahmen verkauft. Im Juli 2025 zeigte ein Produktvergleich: Der Global X Nasdaq 100 Covered Call bot die höchste laufende Rendite mit hoher Tech-Orientierung, verfolgte aber eine streng passive Strategie. Der JPM Nasdaq Premium Income schüttete etwas weniger aus, gab aber aktiv verwalteten Raum für mehr Kursgewinne.
Der Nasdaq Composite notiert aktuell bei 26.180,45 Punkten (Stand 23. August 2026). In einem anhaltenden Tech-Aufschwung verzichten Covered-Call-Anleger systematisch auf genau diese Kurschancen.
Downside-Risiko bleibt vollständig bestehen
Während Covered-Call-ETFs die Aufwärtsrendite begrenzen, bieten sie bei Kursrückgängen keinen echten Schutz. Bei deutlichen Kursverlusten sind Anleger vollständig exponiert. Die Optionsprämien wirken zwar als kleiner Puffer, können aber größere Marktkorrekturen nicht ausgleichen.
In einem Tech-Crash-Szenario erleiden Anleger also die vollen Kursverluste – während sie zuvor auf starke Kursgewinne verzichtet haben. Die Kombination aus begrenzter Upside und vollständigem Downside-Risiko macht diese Produkte für volatile Tech-Märkte besonders problematisch.
Für wen Covered-Call-ETFs dennoch geeignet sind
Covered-Call-ETFs bieten einige Vorteile: regelmäßige Prämieneinnahmen (oft monatlich ausgeschüttet), geringere Volatilität im Vergleich zu klassischen ETFs und eine begrenzte Nachschusspflicht durch gedeckte Optionen. Sie eignen sich primär für Anleger, die in Seitwärtsmärkten oder leicht steigenden Märkten regelmäßige Erträge mit begrenzten Schwankungen anstreben.
Weniger geeignet sind diese Produkte für Anleger, die von starkem Kursanstieg profitieren möchten oder in volatilen Märkten nach maximaler Rendite suchen. Auch steuerliche Aspekte spielen eine Rolle: Hohe Ausschüttungen können zu Steuernachteilen führen, da sie sofort versteuert werden müssen, während Kursgewinne bei klassischen thesaurierenden ETFs erst bei Verkauf anfallen.
Marktposition: Nische mit wachsender Beliebtheit
Covered-Call-ETFs sind aktiv gemanagte Produkte und bilden derzeit eine Nische im ETF-Markt. Von knapp 3.000 ETFs in der Datenbank verfolgen nur 249 eine aktive Strategie. Eine Instagram-Umfrage von justETF im Januar 2025 mit 248 Teilnehmern zeigte, dass nur 10 bis 19 Prozent der Community-Mitglieder in aktive ETFs investieren – die meisten halten ausschließlich passive Produkte.
Dennoch gewannen Covered-Call-ETFs im Laufe des Jahres 2025 an Beliebtheit. Das regelmäßige Ausschüttungsversprechen spricht gerade in unsicheren Marktphasen einkommenorientierte Anleger an. Die strukturellen Nachteile – systematischer Wachstumsverzicht und potenzielle Substanzverluste bei hohen Ausschüttungsraten – sollten dabei jedoch nicht übersehen werden.