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15. Dezember 2025

ArcelorMittal: Der Stahl-Zyklus dreht – ist das jetzt die große Wende?

Stahl
Foto: depositphotos.com

Die Stahlbranche ist berüchtigt für Kurs-Zickzack – und trotzdem sieht es bei ArcelorMittal gerade so aus, als würde sich endlich etwas einrenken.

Nach zehn Jahren schwankender Kurse deutet bei Europas größtem Stahlkonzern vieles auf eine langfristige Wende hin. 2025 dürfte mit rund 62 Milliarden Dollar Umsatz den Tiefpunkt des laufenden Stahlzyklus markieren – also das Tal, in dem die Branche typischerweise am wenigsten verdient. Das ist kein Grund zum Jubeln, aber oft der Punkt, an dem sich entscheidet, ob es danach wieder bergauf geht oder ob der Laden weiter nur hinterherläuft.

Bestellungen: Noch kein Boom, aber wieder Bewegung

Die Nachfrage wird zwar weiter als verhalten beschrieben. Trotzdem blinken in den Bestellbüchern ein paar grüne Lämpchen. Aus Infrastruktur und Bau kommen Lichtblicke bei den Aufträgen. Und ausgerechnet die Bereiche, die zuletzt besonders wehgetan haben, könnten sich stabilisieren: In der Autoindustrie sowie im Maschinen- und Anlagenbau könnte die Talsohle erreicht sein. Das wäre ein Signal, das man nicht wegwischen sollte – denn wenn die großen Kunden aufhören, ständig den Rotstift anzusetzen, wird aus „Durchhang“ schnell wieder „Normalbetrieb“.

Auch bei den Preisen tut sich etwas. Stahl notiert derzeit – in Dollar wie auch in Renminbi – rund fünf bis 15 Prozent über den Tiefpunkten der vergangenen Jahre. Keine Rakete, klar. Aber eben auch nicht mehr das Niveau, bei dem jeder zusätzliche Auftrag nur noch Schadensbegrenzung ist. Die Frage ist nur: Wird daraus eine echte Erholung – oder bleibt es bei einem kurzen Aufatmen?

Erzgeschäft: Zweites Standbein statt Einbahnstraße Stahl

Ein Vorteil von ArcelorMittal: Der Konzern hängt nicht komplett am Stahlpreis, weil er auch im Bergbau mitmischt. In den ersten neun Monaten ist die Eisenerzproduktion um 20 Prozent auf 35,7 Millionen Tonnen gestiegen. Das ist eine Menge Material – und es kommt nicht von ungefähr. Die Expansion läuft, vor allem in Liberia.

Mittelfristig könnte das Minengeschäft ein Fünftel der operativen Gewinne liefern. Operativ heißt: das Geld, das im Tagesgeschäft hängen bleibt, bevor Sonderposten und Finanzkram alles verzerren. Und auch bei den Erzpreisen geht es langsam nach oben. Nicht spektakulär, aber in der Summe genau der Rückenwind, den ein zyklischer Konzern gebrauchen kann.

Gewinn und Bilanz: Substanz, die man nicht ignorieren sollte

Unterm Strich könnte ArcelorMittal 2025 wieder einen substanziellen Nettogewinn einfahren – rund 3,5 Milliarden Dollar stehen im Raum. Nettogewinn heißt: das, was nach allen Kosten, Zinsen und Steuern tatsächlich übrig bleibt. Für einen Konzern aus einer Wackelbranche ist das kein Pappenstiel.

Dazu kommt die Bilanz. Mit 57 Prozent Eigenmitteln ist sie gut gepolstert – sprich: viel eigenes Kapital, weniger Abhängigkeit von Fremdfinanzierung. Und noch ein Punkt sticht heraus: Das Eigenkapital liegt mit umgerechnet 48 Milliarden Euro deutlich über der aktuellen Börsenbewertung. Übersetzt: Der Markt bewertet den ganzen Konzern niedriger, als die Substanz in der Bilanz hergibt. Ob das ein Geschenk ist oder eine Warnlampe, entscheidet sich daran, ob Bestellungen, Preise und das Erzgeschäft diesen zarten Aufwärtstrend in den nächsten Quartalen wirklich festnageln.