Der chinesische Smartphone-Markt schwächelt – und ausgerechnet Apple marschiert vorneweg. Während viele Hersteller mit Gegenwind kämpfen, legt der iPhone-Konzern im wichtigsten Absatzmarkt der Welt deutlich zu. Wachstum gegen den Trend, und das nicht zu knapp.
Im Schlussquartal 2025 schossen die iPhone-Auslieferungen in China um 28 Prozent nach oben. Jeder fünfte ausgelieferte Smartphone-Apparat kam zuletzt von Apple. Das sind keine Schönrechnereien, sondern handfeste Marktdaten. Bemerkenswert daran: Der gesamte Markt schrumpfte im gleichen Zeitraum um 1,6 Prozent. Apple wächst also nicht, weil alle anderen mitziehen – sondern weil sie verlieren.
Besonders gefragt war die aktuelle iPhone-17-Generation. Das allein erklärt den Erfolg aber nur teilweise. Entscheidender ist das Umfeld, in dem dieser Lauf zustande kam. Denn zeitgleich geraten viele Smartphone-Hersteller durch knappe Speicherchips massiv unter Druck. Kurz gesagt: Bauteile fehlen, Preise steigen – und für viele wird das zur Kostenfalle. Apple hingegen steckt das erstaunlich locker weg.
Chinesische Hersteller geraten ins Hintertreffen
Die Verlierer sitzen vor allem in China selbst. Huawei und Xiaomi mussten jeweils zweistellige Rückgänge bei den Auslieferungen hinnehmen. Marktanteile verschwinden hier nicht langsam, sie wechseln mit Ansage den Besitzer. Apple greift zu – und die Konkurrenz schaut zu. Für den Konzern ist das eine seltene Phase, in der er Marktanteile nicht verteidigt, sondern einsammelt.
Speicherknappheit verschiebt die Kräfte
Der Engpass kommt aus der Tiefe der Lieferkette. Immer mehr Speicherhersteller schichten ihre Kapazitäten um und produzieren lieber teure Hochleistungsspeicher für KI-Anwendungen. Davon profitieren vor allem Anbieter von Rechenzentrums- und KI-Hardware. Für klassische Smartphones bleibt weniger übrig – und das treibt die Preise. Analysten rechnen im ersten Quartal 2026 mit Preissprüngen von bis zu 50 Prozent, danach dürfte es weiter nach oben gehen.
Für viele Smartphone-Produzenten ist das Gift. Steigende Kosten lassen sich im Billigsegment kaum an die Kunden weiterreichen. Die Folge: günstige Modelle werden gestrichen, Produktionsmengen gekürzt, Margen gerettet. Apple spielt in einer anderen Liga. Hohe Verkaufspreise, langfristige Lieferverträge und eine zahlungsbereite Kundschaft wirken wie ein Schutzschild.
Apple mit Polster – aber nicht unverwundbar
Auch von der Chipseite kommt Rückenwind. Brancheninsider verweisen darauf, dass die Speicherknappheit längst nicht alle Hersteller gleich trifft. Apple kann Lieferketten absichern und höhere Kosten einpreisen, ohne dass die Nachfrage sofort einbricht. Zusätzlich helfen neue chinesische Konsumsubventionen, die den Preisdruck zumindest teilweise abfedern.
Ganz ohne Kratzer bleibt der Erfolg trotzdem nicht. Im Gesamtjahr 2025 lag Apple beim Absatz in China nur knapp hinter Huawei, beide kamen auf rund 17 Prozent Marktanteil. Zwar stiegen Apples Auslieferungen insgesamt um 7,5 Prozent, doch nicht jedes neue Modell traf ins Schwarze. Das iPhone Air entwickelte sich zum Problemfall. Der Marktstart kam später als anderswo, das schlanke Design überzeugte viele Käufer weniger als erhofft.
Analysten sprechen von einem klassischen Zielkonflikt: möglichst dünn und schick – aber mit spürbaren Abstrichen beim Funktionsumfang. Für viele Kunden offenbar zu wenig Gegenwert. Das zeigt: Auch Apple ist in China kein Selbstläufer.
Unterm Strich sortiert sich der Markt gerade neu. Steigende Kosten, knappe Bauteile und der KI-Boom verschieben die Kräfteverhältnisse. Apple profitiert davon bisher wie kaum ein anderer. Die spannende Frage ist, wie lange noch. Wenn Speicherpreise weiter klettern und der Wettbewerb im Premiumsegment härter wird, dürfte der Spielraum kleiner werden. Die nächsten Quartale werden zeigen, ob Apples Lauf Substanz hat – oder ob der Gegenwind irgendwann doch stärker wird.

