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4. Februar 2026

AMD liefert Rekordzahlen – und kassiert trotzdem fast sechs Prozent Kursklatsche

AMD
Foto: Depositphotos.com / Mojahid_Mottakin

Rekordzahlen auf dem Papier – und trotzdem gibt’s auf die Nase: AMD zeigt, wie wenig sich der Markt für „bestes Quartal ever“ interessiert, wenn der Ausblick wackelt.

Denn ja, der KI-Hunger nach Rechenleistung spült Geld in die Kasse. AMD kam im abgelaufenen Quartal auf 10,27 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 34 Prozent. Der bereinigte Gewinn stieg um 40 Prozent auf 1,53 Dollar je Aktie. Und als ob das nicht reicht: Es war das neunte Quartal in Folge, in dem AMD mit den Erlösen über den Markterwartungen lag.

Und dann kommt der Satz, der alles dreht

Für das laufende Quartal stellt AMD aber nur noch rund 9,8 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht – das sind etwa fünf Prozent weniger als im Rekordquartal davor. Das Ergebnis: Die Aktie ging im nachbörslichen Handel an der Wall Street um fast sechs Prozent runter. So simpel ist das manchmal: Rekord hin oder her – der Blick nach vorn zählt.

In der Prognose stecken laut AMD erstmals auch Verkäufe des KI-Prozessors MI308 nach China. Das ist im Kern ein „abgespeckter“ Chip – also technisch zurechtgestutzt, damit er überhaupt exportiert werden darf. Er tritt dort gegen ebenfalls abgespeckte Modelle von Nvidia an.

China-Geschäft mit Fußnote: Politik kassiert mit

Brisant ist die politische Klammer: US-Präsident Donald Trump hat die Ausfuhr dieser Produkte genehmigt, aber an eine Abgabe von 25 Prozent geknüpft. Heißt übersetzt: AMD darf verkaufen – aber ein dicker Brocken geht als Preis für die Genehmigung gleich wieder weg. Gleichzeitig bleibt das Ganze Teil der US-Linie, Chinas wirtschaftlichen und militärischen Aufstieg über Exportbeschränkungen bei Technologie auszubremsen. Für Investoren ist das kein Nebengeräusch, sondern ein Risiko, das jederzeit lauter werden kann.

Unterm Strich ist AMD im KI-Rennen klar positioniert: weltweit Nummer zwei bei KI-Hochleistungschips, direkt hinter Nvidia. Konzernchefin Lisa Su hat Anfang Januar auf der CES neue Modelle gezeigt und schon die nächste Generation für 2027 angekündigt – laut Unternehmen sollen diese Chips 1000-mal schneller rechnen als die Vorgänger. Klingt nach Turbo, ist aber eben Zukunftsmusik. Die Gegenwart entscheidet, ob die Kasse weiter so klingelt.

Intel mischt wieder mit – und das wird unbequem

AMD lebt außerdem nicht nur von KI-Grafikchips, sondern verkauft auch Zentralprozessoren, die in KI-Rechenzentren gebraucht werden, um die Server zu steuern. Genau dort hat AMD dem Rivalen Intel in den vergangenen Jahren Marktanteile abgenommen. Das ist ein echter Hebel, weil diese Prozessoren in den Rechenzentren nicht einfach „nice to have“ sind, sondern zum Grundgerüst gehören.

Passend dazu kommt Bewegung von der anderen Seite: Intel kündigte wenige Stunden vor den AMD-Zahlen an, künftig eigene Grafikprozessoren bauen zu wollen. Das sind Chips, die viele Daten gleichzeitig durchwuchten können – deshalb sind sie für KI so wichtig. Nvidia hat damit groß angefangen (erst PC-Grafikkarten, dann KI-Maschinenraum), Intel dagegen hat den KI-Trend lange verpennt und stand eher für klassische Zentralprozessoren. Vor einigen Monaten stieg Nvidia bei dem angeschlagenen Traditionskonzern ein.

Jetzt läuft alles auf eine Frage hinaus: Bleibt AMD der Gewinner des KI-Booms – oder wird der Vorsprung von Prognosedämpfern, China-Fußnoten und härterem Wettbewerb Stück für Stück zerbröselt? Die nächsten Quartale dürften zeigen, ob aus dem Rekord mehr wird als eine schöne Zahl im Rückspiegel.